Aufsichtsrat nicht informiert

Trotz turbulenter beruflicher Vergangenheit: Hilgen steht zu Honsel

Karsten Honsel Foto: nh

Kassel. Es gibt Dinge, die sollten Menschen bekannt sein, die Personalentscheidungen zu treffen haben. Besonders, wenn es um einen so wichtigen Posten wie den Chef des kommunalen Klinik-Konzerns geht.

Doch im 20-köpfigen Aufsichtsrat der Gesundheit Nordhessen Holding haben längst nicht alle Mitglieder auch alle Informationen aus der beruflichen Vergangenheit des neuen GNH-Vorstandschefs Karsten Honsel zur Verfügung gehabt.

Bertram Hilgen

Der 50-Jährige sollte als langjähriger Finanzchef des kommunalen Klinikverbundes Klinikum Region Hannover (KRH) eigentlich eine Vertragsverlängerung bekommen, hatten Ver.di und SPD im dortigen Aufsichtsrat angekündigt. Das galt ursprünglich auch für den im Juli dieses Jahres beurlaubten KRH-Geschäftsführer Norbert Ohnesorg, der vor seinem Einstieg als Klinik-Manager Ver.di-Justiziar in Niedersachsen war.

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Doch im Mai 2013 löste der Aufsichtsrat den Vertrag von Honsel auf, der eigentlich bis 2015 lief. Die Kliniken waren in finanzielle Turbulenzen geraten. Es passierte in Hannover genau das, wovor man auch im kommunalen nordhessischen Klinikkonzern Angst hat: Millionenverluste müssen ausgeglichen werden. Von Managementfehlern war hinter vorgehaltener Hand die Rede. Und in diesem Sommer erwischte es auch den der SPD nahestehenden Personalgeschäftsführer Norbert Ohnesorg.

Im Juli 2013 hatte das Oberlandesgericht Celle entschieden: Der komplette frühere KRH-Vorstand kommt auf die Anklagebank – auch der bereits per Auflösungsvertrag ausgeschiedene Karsten Honsel. Das Strafverfahren wegen Sozialbetruges vor dem Landgericht Hildesheim setzte den Schlusspunkt hinter ein jahrelanges juristisches Hickhack um Förderung der Schwarzarbeit und das Nichtabführen von Sozialversicherungsbeiträgen. Im Mai dieses Jahres wurde das Verfahren eingestellt. Honsel musste nach eigenen Angaben 25.000 Euro Bußgeld zahlen. Er gilt damit nicht als vorbestraft.

Bis Donnerstag dieser Woche wusste nicht mal GNH-Aufsichtsratschef Bertram Hilgen (SPD) von diesem Gerichtsverfahren. Bekannt gewesen seien zumindest im Kreis der Personalfindungskommission aber die Millionenverluste in Hannover, sagt Hilgen. Der Kommission, die dem Aufsichtsrat Honsel zur Wahl vorgeschlagen hatte, gehörten neben Hilgen Kassels Landrat Uwe Schmidt (SPD), Gesundheitsdezernentin Anne Janz (Grüne) sowie die drei Arbeitnehmervertreter Matthias Dippel und Heike Grau (beide Ver.di) sowie der Arzt Dr. Kolja Deicke an.

Im Aufsichtsrat, räumt Hilgen ein, sei über die berufliche Vergangenheit von Honsel in Hannover nicht gesprochen worden. Das werde jetzt sozusagen nachgeholt. An der Entscheidung für den Manager werde dies aber nichts ändern, ist Hilgen überzeugt. Er sieht in den Vorgängen keine Ausschlussgründe für den Job, alle zusätzlich eingeholten Referenzen zu Karsten Honsel seien positiv.

Er soll spätestens am 1. Juli 2015 seinen Dienst in Kassel antreten. Gehalt: 310.000 Euro jährlich plus bis zu 60.000 Euro Erfolgsprämie plus Dienstwagen.

Das sagt Karsten Honsel

Karsten Honsel, der weder der SPD noch der Gewerkschaft Ver.di angehört, hatte 2006 bei einem Verlust der Kliniken von 26 Millionen Euro in Hannover begonnen. In drei Jahren sei es gelungen, das Defizit auf null zu bringen und die Null vier Jahre zu halten. Erst 2012 sei es wieder zu geplanten Verlusten gekommen, in den 75 Millionen Euro seien zudem nötige Zuführungen zum Eigenkapital der Kliniken enthalten.

Wegen der zerstrittenen Anteilseigner in Hannover habe er selbst seine Vertragsauflösung angeregt. Die Frage der Scheinselbstständigkeit, die zu dem Gerichtsverfahren geführt habe, sei eine schwierige Rechtsfrage. Er stehe dazu, dass selbstständige Krankentransportfahrer einen Klinik-Dienstplan ergänzen könnten.

Von Jörg Steinbach

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