Spielball der Politik

Standpunkt zum Rauswurf von Gerhard M. Sontheimer: "Erschreckend kurzsichtig"

HNA-Chefredakteur Horst Seidenfaden über den Rauswurf von Gerhard M. Sontheimer.

Kassel. Das berufliche Schicksal des Vorstandschefs des Klinik-Konzerns Gesundheit Nordhessen Holding (GNH), Dr. Gerhard M. Sontheimer scheint offenbar besiegelt. Nach Informationen der HNA wird er Kassel verlassen. Dazu ein Kommentar von HNA-Chefredakteur Horst Seidenfaden.

Das Klinikum Kassel ist der einzige Klinikkonzern in kommunaler Trägerschaft in Hessen, der noch schwarze Zahlen schreibt. Dies ist eine Leistung, die aus zwei Gründen besonders bemerkenswert ist: Zum einen muss dieser Konzern die hochdefizitären Kreis-Kliniken alimentieren – insgesamt sind da in den vergangenen Jahren Verluste in zweistelliger Millionenhöhe angefallen, die ausgeglichen werden mussten. Zum anderen hat das Klinikum die Seniorenwohnanlagen der Stadt Kassel am Bein. Eine Gesellschaft, die aufgrund ihrer Tarifstruktur auf dem Markt der Seniorenwohnheime nicht konkurrenzfähig ist. Sie wird, getragen vom Klinikum, am Leben erhalten.

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Auf den wirtschaftlich erfolgreichen Kurs gesteuert hat den Konzern der Vorstandsvorsitzende: Dr. Gerhard M. Sontheimer. Ein extrem zielorientierter Manager, der mit seiner Art und auch mit seinem knallharten Kurs im Klinikum und bei Politikern häufig genug aneckte. Und der zuletzt zum Spielball der Politik wurde. Beispiel Landrat Uwe Schmidt: Dessen Wiederwahl steht im nächsten Jahr an, Grund genug, sich in der Öffentlichkeit zu profilieren, koste es, was es wolle. Als die hochdefizitäre Geburtshilfe im Kreiskrankenhaus Wolfhagen geschlossen werden sollte, war es auch der Landrat, der sich heftigst dagegen wand – ohne allerdings auch nur einen Plan zu haben, wie man für diese Abteilung eine zukunftsträchtige wirtschaftliche Lösung finden könnte. Aber der Streit wurde öffentlich: Schmidt stellte sich offen gegen Sontheimer – und stimmte auch gegen ihn. Das also ist die Logik der Politik: Schmidt, der bisher noch nicht den Nachweis erbracht hat, etwas von erfolgreichem Klinik-Management zu verstehen, will den, der es jahrelang mit besten Ergebnissen praktiziert hat, loswerden. Aus populistischen Motiven. Politik also scheint im Landkreis dazu da zu sein, erfolgreiches unternehmerisches Tun zu verhindern.

Schlimm ist, dass diejenigen, die nun den Rauswurf Sontheimers unterstützen, keinen Plan fürs Klinikum haben. Weder personell noch strategisch gibt es erkennbare Ansätze, wie das Klinikum in Zukunft mit schwarzen Zahlen arbeiten kann. Mit Sontheimer hat das Klinikum manch kritische Phasen erlebt – ohne ihn könnte das Ganze dauerhaft bedrohlich sein. Das Klinikum steuert auf eine selbst gemachte, von der Politik und den Arbeitnehmervertretern gewollte Krise zu. Die Kurzsichtigkeit der Akteure ist erschreckend, die Sinnlosigkeit ihres Handelns furchtbar. Eigentlich sind sie es, die man abwählen müsste.

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