Region ist vorbereitet

Gesundheitsamt-Chefin: Massenausbruch von Ebola lässt sich ausschließen

Einblick in eine Sonderisolierstation in Düsseldorf: Hier wird der Schutzanzug eines Arztes gereinigt. Foto:  dpa

Kassel. Nach Fällen in den USA und Spanien wächst die Sorge, dass die Ebola-Seuche eventuell auch in unsere Region eingeschleppt werden könnte. Wir sprachen über dieses Thema mit der Leiterin des Gesundheitsamtes Region Kassel, Dr. Karin Müller.

Wären wir denn darauf vorbereitet, wenn hier eine Ebola-Erkrankung auftreten würde? 

Für einen Ebola-Verdachtsfall gebe es klare Handlungsanweisungen für Kliniken und Rettungsdienste, erläutert die Medizinerin. Die bei der Berufsfeuerwehr angesiedelte Leitstelle habe klare Handlungsanweisungen. Dabei werde auch das Gesundheitsamt hinzugezogen.

Das Behandlungszentrum für hochkontagiöse lebensbedrohliche Erkrankungen in Frankfurt sei für die Versorgung solcher Patienten sehr gut ausgestattet und solle den Patienten so rasch wie möglich mit einem Spezialfahrzeug übernehmen. Zudem verfügten die regionalen Krankenhäuser über Krankenhauseinsatzpläne, in denen sich auch Behandlungsanweisungen für den Umgang mit hochgefährlichen Infektionskrankheiten finden.

Für eine eventuell notwendige vorübergehende Aufnahme eines Ebola-Patienten seien am ehesten das Marienkrankenhaus und das Klinikum mit speziellen Isolierungsmöglichkeiten zuständig.

Könnten Ebola-Patienten bei uns denn gut versorgt werden? 

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Im Gegensatz zu Afrika, wo fehlende medizinische Ausstattung und fehlendes medizinisches Personal die Versorgung von Ebola-Patienten extrem erschwerten und teilweise unmöglich machten, gebe es in Deutschland sowohl das erforderliche Personal als auch die erforderlichen Mittel, um einen Ebola-Patienten bestmöglich zu versorgen.

Wie groß ist die Gefahr, dass sich die Seuche bei einem Erkrankungsfall ausbreitet? 

Karin Müller

„Wir müssen in Deutschland, im Gegensatz zu Afrika, nicht mit einer Massenausweitung der Erkrankung rechnen“, sagt Karin Müller. Das Ebola-Virus könne zwar eine schwere und in zahlreichen Fällen auch tödliche Erkrankung hervorrufen. Das Virus werde aber - anders als zum Beispiel das Grippevirus - nicht über die Luft, sondern nur über direkten Kontakt mit der Körperflüssigkeit Erkrankter übertragen. Diese Möglichkeit besteht beispielsweise in der medizinischen und pflegerischen Versorgung Erkrankter oder bei engen familiären Kontakten.

Außerhalb des menschlichen Körpers sei das Virus nur kurz überlebensfähig. Zudem seien diese sogenannten behüllten Viren durch gängige Desinfektionsmittel sicher zu bekämpfen.

Was würde denn passieren, wenn ein ahnungsloser Träger des Ebola-Virus eine Arztpraxis aufsuchen würde? 

Auch in einem solchen Fall sei die Möglichkeit einer Ansteckung extrem unwahrscheinlich, da die Übertragung nur durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten des Patienten möglich ist. Und auch ein solcher Fall ließe sich beherrschen, denn man würde die Kontaktpersonen erfassen, überwachen und gegebenenfalls isolieren, sagt die Amtsärztin. Und: Nur wenn jemand erkrankt sei und Symptome zeige, könne er eventuell andere anstecken.

Müller: „In der solch beschriebenen, extrem ungünstigen Situation könnten daher zwar vereinzelt weitere Erkrankungen auftreten, aber ein Ausbruch lässt sich in Deutschland durch geeignete Maßnahmen ausschließen.“

Wo können sich Bürger informieren? 

Zum Beispiel auf der Internetseite des Gesundheitsamtes (gesundheitsamt-kassel.de). Karin Müller: „Wichtig ist, zu betonen, dass nicht jeder aus Afrika einreisende oder Reiserückkehrer pauschal unter Ebola-Verdacht gestellt wird. Dies wäre eine unnötige und völlig überzogene Reaktion.“ (hei)

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