Pfleger und Busfahrer häufig betroffen

Probleme mit Rücken oder Psyche: Warum und wie oft Kasseler krank sind

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Ein häufiges Problem: Viele Kasseler ließen sich neben psychischer Erkrankungen auch häufig wegen Rückenleiden krankschreiben.

Fast vier Wochen lang war ein Beschäftigter in Kassel im vergangenen Jahr krankgeschrieben. Psychische Erkrankungen und Rückenschmerzen machten besonders zu schaffen.

Insgesamt ließen sie sich 2017 durchschnittlich 17,5 Tage lang krankschreiben. Die Zahlen veröffentlichte die Barmer Krankenkasse nun in ihrem Gesundheitsreport 2018. 

Demnach fallen im Schnitt vier Fehltage wegen psychischer Störungen wie Erschöpfung, Burnout oder Depressionen an. Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems, wozu vor allem Rückenbeschwerden zählen, waren im Schnitt für knapp drei Fehltage verantwortlich. 

Einige sind besonders oft krankgeschrieben

Besonders häufig waren Bus- und Straßenbahnfahrer sowie Altenpfleger krankgeschrieben, mehr als 30 Tage fehlten Kasseler Beschäftigte dieser Berufsgruppen im Durchschnitt. 

Die Probleme dafür seien vielschichtig, sagt Thorsten Bauer, Regionalgeschäftsführer der Barmer in Kassel: „Pfleger erleiden psychische Erkrankungen durch den Druck, der auf ihnen lastet.“ Es fehle an Personal, hinzu kämen die vielen Schicksalsschläge, mit denen Pfleger konfrontiert würden. Ein weiterer Faktor sei die körperliche Arbeit. 

Rückenprobleme in Pflegeberufen

Pfleger müssten Patienten oft anheben oder umbetten, das belaste die Wirbelsäule, sagt Bauer. Ähnlich sehe es bei den Bus- und Straßenbahnfahrern aus. „Sie haben Druck, weil sie Zeit- und Fahrplan einhalten müssen.“ 

Außerdem hätten sie täglich mit unterschiedlichen Fahrgästen zu tun, und weil sie während ihrer Tätigkeit sitzen, leiden sie häufig unter Rückenschmerzen. 

Mit durchschnittlich knapp sechs Tagen waren laut Gesundheitsreport Beschäftigte der Hochschullehre bzw. -forschung am wenigsten krankgeschrieben. Hessenweit fehlten über 54 Prozent aller Beschäftigten mindestens einmal im Jahr 2017. Für den Gesundheitsreport wertete Barmer die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen von rund 297 000 Erwerbspersonen aus.

Krankmeldung: Hier haben wir Wissenswertes rund um Krankschreibungen zusammengestellt.

Welche Krankheiten verursachen die meisten Arbeitsunfähigkeitszeiten?

Der Gesundheitsreport unterscheidet zwischen vier Krankheitsarten: Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems (Rückenschmerzen), psychische Störungen (Burnout, Depressionen), Erkrankungen des Atmungssystems (Erkältungen, Schnupfen, Husten) und Verletzungen.

Warum waren Kasseler besonders oft krankgeschrieben?

Wegen psychischer Probleme und Rückenschmerzen. Thorsten Bauer, Regionalgeschäftsführer der Barmer in Kassel, glaubt, das habe vor allem mit dem Leistungsdruck zu tun. „Aber nicht nur im Job“, sagt Bauer. „Stress haben die Menschen auch zu Hause immer mehr. Dieses Gesamtpaket belastet die Psyche.“ Insgesamt ist der Krankenstand 2017 im Vergleich zum Jahr 2016 leicht gestiegen. „Die Menschen gehen heute jedoch mit psychischen Erkrankungen viel offener um, als noch vor einigen Jahren“, sagt Barmer-Pressesprecherin Brigitte Schlöter.

Welche Berufsgruppen sind neben Altenpflegern und Bus- und Straßenbahnfahrern noch betroffen?

Auf 28 Fehltage im vergangenen Jahr kamen Beschäftigte im Objekt-, Werte- und Personenschutz. Auch Zusteller, Reinigungskräfte und Pfleger kommen mit durchschnittlich 28 und 27 Fehltagen auf einen ähnlichen Wert.

An welchem Wochentag wurden die meisten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen eingereicht?

„Anders als viele vielleicht annehmen, melden sich die wenigsten Beschäftigten an einem Montag krank“, sagt Schlöter. Damit bleibe der „Blaue Montag“ ein Mythos. Nur ein Drittel aller Krankmeldungen beginnt an diesem Wochentag. Die Krankenstände liegen laut Report in der zweiten Wochenhälfte hoch – besonders freitags sind die Fehlzeiten am höchsten.

Ist der Freitag also der neue „Blaue Montag“?

Das könne man so nicht unbedingt sehen, sagt Schlöter. Wann ein Arbeitgeber einen gelben Schein einreiche, hänge von den vertraglichen Regelungen und den Öffnungszeiten einer Arztpraxis ab. Wer an einem Mittwoch erkranke, könne je nach Arbeitgeber auch erst am Donnerstag oder Freitag den AU-Schein abgeben.

Wie häufig ließen sich die Menschen in anderen nordhessischen Landkreisen krankschreiben?

Im Landkreis Kassel (18,8 Fehltage), Kreis Hersfeld-Rotenburg (20), Schwalm-Eder-Kreis (19,1) und Kreis Waldeck-Frankenberg (18) waren die Beschäftige häufiger krankgeschrieben als die in Kassel. Mit 21,3 Fehltagen ist die Zahl der Fehltage im Werra-Meißner-Kreis besonders hoch. Knapp sechs Tage blieben die Menschen hier wegen Rückenschmerzen zu Hause.

Gibt es auch einen hessenweiten Vergleich?

Ja, und hier gibt es Auffälligkeiten. „Bei den Fehlzeiten gibt es in Hessen ein starkes Nord-Südgefälle“, sagt Bauer. Die Beschäftigen in Frankfurt kamen 2017 laut Gesundheitsreport auf nur 13,3 Fehltage. Auch in den anderen Kreisen schwankt die Zahl zwischen 13 und 16,9. In Nordhessen liegt der Schnitt zwischen rund 19 und 21 Tagen. „Dieses Gefälle besteht schon seit Jahren“, sagt Schlöter. Sie vermutet, das habe mit den Berufsgruppen und den vielen jungen Menschen zu tun, die in Südhessen arbeiten und weniger krank sind.

Woher nimmt Barmer diese Zahlen?

Für den Report wurden rund 300 000 AU-Scheine ausgewertet. Hessenweit sei das 11,5 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten.

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