Nummer gilt auch im EU-Ausland

Notruf 112: So arbeitet die Leitstelle in Kassel

Kassel. Autounfall, Herzinfarkt, Küchenbrand, Gasaustritt – im Notfall wählt man 112 und bekommt über den Notruf Hilfe. Die Kasseler Leitstelle ist in der Region für 440.000 Menschen in 30 Städten und Gemeinden in Stadt und Landkreis zuständig. Ein Blick hinter die Kulissen dieser Einrichtung.

Dass der kostenlose Notruf in Deutschland unter 112 zu erreichen ist, wüssten immerhin drei Viertel der Bevölkerung, sagte Bürgermeister und Brandschutzdezernent Jürgen Kaiser am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in der Leitstelle der Kasseler Feuerwehr. Allerdings sei nur jedem fünften Deutschen bekannt, dass Notrufe auch im europäischen Ausland über die 112 möglich sind.

Um die europäische Notrufnummer bekannter zu machen, findet am Montag, 11. Februar, der Tag des EU-Notrufs statt. Auch in Kassel sollen noch mehr Menschen erfahren, dass sie im Urlaub in Spanien, Portugal, Griechenland oder zum Beispiel Litauen im Notfall einfach die 112 wählen müssen.

Allerdings könne man im Ausland nicht davon ausgehen, dass die Mitarbeiter in der Leitstelle deutsch verstünden, sagt Norbert Schmitz, Leiter der Kasseler Berufsfeuerwehr. Dort müsse Hilfe über die Landessprache oder auf Englisch angefordert werden.

Im Notfall auch einmal auf Türkisch

In der Kasseler Leitstelle, die für 440 000 Menschen in 30 Städten und Gemeinden in Stadt und Landkreis zuständig ist, können die Mitarbeiter, die rund um die Uhr im Einsatz sind, ebenfalls auf Deutsch oder Englisch für Hilfe sorgen. Verstünde ein Anrufer zum Beispiel nur Türkisch, dann werde ein Dolmetscher eingesetzt, sagt Schmitz. „Solch einen Extremfall haben wir aber nur zwei Mal im Jahr“, sagt Thomas Schmidt, Leiter der Kasseler Leitstelle. Das ist in Hinblick auf die abgegebenen Notrufe so gut wie nichts. 500 000 Anrufe gingen im vergangenen Jahr bei der Kasseler Leitstelle ein. 93 000 Einsätze seien aufgrund der Anrufe eingeleitet worden. Warum gibt es so viele Fehlanrufe? Entweder wollten die Hilfesuchenden die Polizei erreichen (und würden natürlich weitergeleitet), hätten aus Versehen - trotz Tastensperre - auf dem Handy in der Hosentasche die 112 gewählt oder erlaubten sich einen Streich. Manche Menschen erhofften sich aber auch Hilfe von der Feuerwehr, weil sie zum Beispiel verzweifelt über ihre „zu hohe Handyrechnung“ seien, sagt Schmitz.

Von den 93 000 Einsätzen im Vorjahr seien etwa zwei Drittel für den Rettungsdienst gewesen. Während die Anzahl der Feuerwehreinsätze seit Jahren konstant sei, nähmen diese Notfälle zu, sagt Schmidt. Das habe zwei Ursachen: Zum einen würden die Krankentransporte zwischen den Kliniken aufgrund deren Spezialisierung zunehmen. Zudem führe die Reduzierung des kassenärztlichen Vertretungsdienstes dazu, dass abends und an den Wochenenden, wenn der Hausarzt nicht erreichbar sei, der Rettungsdienst alarmiert werde.

Bei der Leitstelle gilt das Motto: „Uns ist es lieber, dass wir einmal zu viel, als einmal zu wenig alarmiert werden und dadurch Menschen zu Schaden kommen“, sagt Schmitz.

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