Weitere Angriffe befürchtet

Nach Massenschlägerei auf Sportplatz: „Jagdszenen“ wie im Film

Kassel. Nach der Massenschlägerei während eines Fußballspieles auf den Waldauer Wiesen befürchten Spieler und Trainer des Kreisoberliga-Vereins Hajduk Kassel weitere Angriffe.

„Er hat nur versucht zu schlichten“, sagt Leon P. (25), Verteidiger beim Fußballverein Hajduk Kassel, über seinen 24-jährigen Mitspieler, der am Sonntag von zwei Angreifern auf dem Spielfeld schwer verletzt worden ist. Mit einem Teleskopschlagstock waren die beiden Männer, ein 27-Jähriger aus Kassel und ein 24-Jähriger aus Niestetal, auf den Fußballspieler losgegangen. Daraufhin hatte sich eine Massenschlägerei entwickelt, mehrere Funkstreifen der Polizei kamen zum Einsatz.

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Polizeisprecher Torsten Werner machte am Montag noch keine Angaben zu den Hintergründen der Tat. Dafür äußerte sich der Spieler Leon P., ein Kosovo-Albaner, der seit 20 Jahren in Kassel lebt und einen deutschen Pass hat. Eigentlich hätten die Angreifer, die albanische Wurzeln hätten, ihn attackieren wollen. Seine Mitspieler hätten sich aber vor ihn gestellt. Deshalb sei der andere Verteidiger, dessen Unterarm gebrochen wurde, angegriffen worden.

Die Schlägerei habe eine Vorgeschichte, sagt Leon P. Sein älterer Bruder spiele Fußball in Kaufungen. Vor zwei Wochen habe es ein Spiel gegen den Albanischen FC Kassel gegeben. Bei dieser Begegnung sei sein Bruder „angemacht“ worden, warum er nicht für den AFC, sondern für eine deutsche Mannschaft spiele, sagt Leon P. Er sei seinem Bruder zur Seite gekommen, um zu schlichten.

Als er am Sonntag zum Spiel auf den Waldauer Wiesen gekommen sei, habe ein Anhänger des AFC auf dem Parkplatz auf ihn gewartet und ihn angegriffen, sagt Leon P. „Der wollte sich schlagen, und ich habe mich gewehrt.“ Leon P. trug von der Schlägerei eine Schramme davon, der Angreifer sei geflüchtet.

Der Co-Trainer des AFC weist die Vorwürfe zurück. „Unser Verein hat damit nichts zu tun.“ Die Mannschaft habe am Sonntag auf einem Nachbarplatz gespielt, als es zu der Massenschlägerei gekommen sei. Das war um kurz vor 15 Uhr. Leon P. berichtet, dass sechs Angreifer aus dem Umfeld des AFC auf den Platz gestürmt seien.

Sein kroatischer Trainer Zoran Zeljko, früherer Torwart des KSV Hessen Kassel, erzählt, dass er mehrere Leute beobachtet habe, die mit Baseballschlägern und Teleskopstöcken auf den Platz gekommen seien. „Das waren Jagdszenen wie aus Hollywood-Filmen. Bekloppte, die bewaffnet waren.“

Seine Mannschaft, in der Albaner, Russlanddeutsche, Bosnier, Serben, Kroaten, Italiener und Kameruner spielten, habe aber zusammengehalten. Wenn sich die Mitspieler nicht dermaßen vor Leon P. gestellt hätten, hätte das alles in einem Debakel geendet, ist sich Zeljko sicher. Das Schlimme sei, dass Spieler seiner Mannschaft von den Angreifern auch bedroht worden seien. Nun habe man die Befürchtung, beim Training auf dem Platz erneut angegriffen zu werden. Zudem habe die „hochgradig unangenehme“ Schlägerei eine negative PR zur Folge. „So etwas braucht niemand.“

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Spieler nach Tritt gegen Kopf bewusstlos

Noch ein Abbruch bei Bosna i Hercegovina gegen CSC 03

Kassel. Etwa eine Stunde nach der Attacke von sieben Angreifern auf einen Kreisoberliga-Fußballer von NK Hajduk (siehe Text oben) kam es keine 100 Meter entfernt auf einem Nebenplatz der Waldauer Wiesen zu einem zweiten Eklat. Zwei Kreisliga-A-Kicker von Bosna i Hercegovina Kassel sollen zwei am Boden liegende Spieler vom CSC 03 Kassel gegen den Kopf getreten haben. Beide Gäste-Akteure brachte der Rettungsdienst ins Krankenhaus, ein Verletzter war kurzzeitig bewusstlos.

Es lief die dritte Minute der Nachspielzeit: Bosna führte nach einem Tor in der 70. Minute gegen den Titelanwärter. Nach einem Zweikampf an der Seitenlinie vor den Anhängern der Platzherren lagen CSC-Spieler Benjamin Fraoui (26) und sein Gegenspieler am Boden. Dann sei der Akteur der Gastgeber aufgesprungen und habe Fraoui mit voller Wucht gegen den Kopf getreten, berichtet CSC-Trainer Lothar Alexi (57): „Ein Tritt mit dem Vollspann. Es gab einen dumpfen Schlag. So etwas habe ich in 50 Jahren als Fußballer noch nicht erlebt.“ Bosna-Spielertrainer Camil Arslanovic (42) bestätigte Alexis Aussagen nicht.

„Es ging so schnell. Ich habe nur gesehen, wie beide Kopf an Kopf standen. Dann gab es schon ein Handgemenge, und ich habe versucht zu schlichten.“ Die Gastgeber werfen Fraoui vor, zuvor beleidigt und mit dem Kopf gestoßen zu haben. „Sollte mein Spieler ihn gegen den Kopf getreten haben, ist das aber mit nichts zu rechtfertigen“, stellte Arslanovic klar, der den 19-jährigen Beschuldigten erstmals aufgestellt hatte.

Nach Angaben von Alexi stießen der mutmaßliche Täter und ein weiterer Bosna-Akteur mit Stefan Sostmann (28) dann noch einen zweiten CSC-Spieler erst zu Boden, um auch ihn dann gegen den Kopf zu treten. „Stefan wollte Benjamin nur helfen“, erklärt Alexi. Sowohl der kurzzeitig bewusstlose Fraoui als auch sein Mitspieler Sostmann erlitten Schädel-, Rippen- und Wirbelsäulenprellungen. Schiedsrichter Bernd Jäckel brach die Partie ab – laut den Trainern der beiden A-Kreisligisten offiziell wegen einbrechender Dunkelheit. Die Polizei, die mit mehreren Funkstreifen angerückt war, bestätigte den Vorfall und gab an, dass sie wegen „gefährlicher Körperverletzung“ ermittle.

Von Sebastian A. Reichert

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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