„Frauen informieren Frauen“

Gewalt gegen Frauen nimmt zu: Beratungsstelle in Kassel macht auf Handzeichen aufmerksam

Handzeichen für häusliche Gewalt: von links Elke Lomb und Heike Upmann vom Kasseler Verein „Frauen informieren Frauen“ zeigen mit Praktikantin Elena Zaloha die drei Bewegungen des Handzeichens.
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Handzeichen für häusliche Gewalt: von links Elke Lomb und Heike Upmann vom Kasseler Verein „Frauen informieren Frauen“ zeigen mit Praktikantin Elena Zaloha die drei Bewegungen des Handzeichens.

Heute, am 25. November, ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Mit dem Handzeichen für häusliche Gewalt können Betroffene auf sich aufmerksam machen.

Kassel – Etwa jede vierte Frau hat bereits einmal in ihrem Leben häusliche Gewalt durch ihren Partner erlebt. Das zeigt eine Erhebung des Bundesamts für Familie.

Zum Anlass des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen weist der Kasseler Verein „Frauen informieren Frauen“ auf das weltweit geltende Handzeichen für häusliche Gewalt hin.

Das Zeichen besteht aus drei Handbewegungen (siehe Foto), die hintereinander gezeigt das Handzeichen für häusliche Gewalt ergeben.

Unauffällig können die Opfer so Außenstehenden ihre Notlage signalisieren – ohne dass es der gewalttätige Partner mitbekommt.

„Einigen Frauen fällt es schwer, über ihre Gewalterfahrungen zu reden. Es nur anzudeuten, ist für viele leichter“, sagt Heike Upmann vom Verein „Frauen informieren Frauen“, der Frauen nach Erfahrungen mit häuslicher Gewalt berät und unterstützt.

Noch sei das Handzeichen in Deutschland recht unbekannt. Das müsse sich ändern, damit Außenstehende den Hilferuf der Betroffenen auch wahrnehmen und helfen können.

Die Geste wurde vor etwa einem Jahr während des Corona-Lockdowns von der Organisation „Canadian Women’s Foundation“ entwickelt. Die Pandemie habe die Situation von Opfern von häuslicher Gewalt noch verschlimmert.

Das Stresspotenzial sei durch Corona und durch Existenzängste, Lockdown und Homeoffice enorm gestiegen. „Viele waren auf engem Raum zu Hause“, erklärt Elke Lomb vom Verein „Frauen informieren Frauen“.

Auch die Kriminalistische Auswertung vom Bundesministerium für Familie zeigt, dass für das Corona-Jahr 2020 die Gewalt in Partnerschaften um knapp fünf Prozent anstieg.

Laut Statistik wurden 148 031 Menschen Opfer von partnerschaftlicher Gewalt, mehr als 80 Prozent davon sind weiblich. „Wir vermuten aber, dass auch die Dunkelziffer wesentlich höher ist, als vor der Pandemie“, sagt Lomb.

„Corona ist nicht die Ursache, es hat sich dadurch aber beschleunigt“, sagt auch Upmann. Insgesamt beobachten die Sozialarbeiterinnen seit einigen Jahren, dass die Gewalt in der Gesellschaft stetig zunehme.

Zum einen gebe es mehr Betroffene, zum anderen sei das Ausmaß der Gewalt drastischer.

„Die Frauen werden systematisch gequält“, sagt Upmann. Opfer würden berichten, dass ihre Partner sie bis zur Bewusstlosigkeit würgen. „Das gab es vor zehn Jahren nicht“, sagt sie.

Auch Lomb stimmt dem zu. „Die Frauen haben so viel Angst, sie können gar nicht mehr klar denken.“ Dem Team vom Verein „Frauen informieren Frauen“ betont: „Keine Frau, die zu uns in die Beratung kommt, muss den Entschluss gefasst haben, sich zu trennen.“

Es gehe in ihrer Arbeit darum, die Frauen in ihren Wünschen zu unterstützen. Upmann sagt: „Es gibt auch Frauen, die in ihrer Partnerschaft bleiben möchten. Dann helfen wir dabei, ihnen mehr Sicherheit zu geben und schauen, welche Möglichkeiten es gibt.“ (Anna Weyh)

Kontakt zur Beratungsstelle unter 05 61/89 31 36 oder info@fif-kassel.de. Weitere Informationen unter fif-kassel.de

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