Gewalt auf offener Straße

Dritter Prozess gegen Ehefrau des führenden Kasseler Neonazis Bernd T.

Kassel. Es ist der dritte Versuch des Kasseler Amtsgerichts, die Gewaltausbrüche einer heute 26-jährigen Frau aus Kassel auf offener Straße zu ahnden: Gestern begann die dritte Hauptverhandlung gegen die ehemalige Ehefrau des führenden Kasseler Neonazis Bernd T.

Der zweite Prozess war im März dieses Jahres abgebrochen worden, weil zunächst geprüft werden sollte, in welchem Umfang die junge Frau durch Alkohol, Angst und Abhängigkeit von ihrem damaligen Ehemann vermindert schuldfähig gewesen sei.

Dazu gab es gestern noch keine Aussagen. Die schlanke, gleichwohl kräftige junge Frau mit den langen hellblonden Haaren und den vielen Piercings im Gesicht hockte zusammengesunken auf der Anklagebank und äußerte sich nur mit leiser, stockender Stimme zu den Vorwürfen.

Bei allen vier Gewalttaten, die der Staatsanwalt der zweifachen Mutter vorwirft, war reichlich Alkohol im Spiel. Im Juni 2011 soll sie in der Neuen Fahrt einen damals 29-Jährigen zu Boden gebracht, geschlagen und getreten haben. Im September 2011 soll sie eine 15-Jährige auf dem Friedrichsplatz getreten und geschlagen, einen Tag später einen unbekannt gebliebenen Jugendlichen vom Rad gerissen und verprügelt haben. Bernd T. soll sie auf den Jungen gehetzt haben, weil der die rechtsextreme Kameradschaft „Sturm 18“ beleidigt habe.

Bei den Taten trug sie drei schwere Ringe mit Adler, Wolf und Eisernem Kreuz an den Fingern der Schlaghand sowie Springerstiefel mit Stahlkappen.

Obwohl sie sich angeblich inzwischen von Sturm 18 losgesagt hat, besuchte sie im Januar dieses Jahres die Feier in einer Wohnung an der Fiedlerstraße, die der Staatsanwalt als eine Art „Clubhaus“ der inzwischen zum Verein mutierten Kameradschaft bezeichnete. Dort traf sie auf ihren gerade aus der Haft entlassenen Noch-Ehemann Bernd T. Als die Polizei die Feier auflöste und die Angeklagte mit auf die Wache nahm, habe sie die Beamten dort angegriffen und übel beschimpft.

Arbeitslos, ohne Ausbildung, starker Alkoholkonsum und bis vor Kurzem verheiratet mit einem Mann, der sie von Beginn an schlug und der derzeit wieder in Untersuchungshaft sitzt, gab die junge Frau gestern Einblick in eine desolate Lebenssituation. Der Prozess wird am kommenden Freitag, 21. November, um 9 Uhr vor dem Kasseler Amtsgericht fortgesetzt. (tom)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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