Krankmeldung von Arbeitgeber angezweifelt

Gewerkschaft: Pentahotel überwacht eigenen Betriebsrat mit Detektivbüro

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Schlechte Stimmung hinter den Kulissen: Im Penta-Hotel am Bahnhof Wilhelmshöhe brodelt es. Erst wurde die Betriebsratswahl vom Arbeitgeber angefochten, dann soll der Betriebsratsvorsitzende überwacht worden sein. Das Kasseler Hotel ist nach Angaben der Gewerkschaft das einzige der Penta-Kette, das einen Betriebsrat hat.

Kassel. Der Betriebsratsvorsitzende des Pentahotels am Bahnhof Wilhelmshöhe ist offenbar im Auftrag des Arbeitgebers von einem Detektivbüro überwacht worden. Dabei sollen auch seine minderjährigen Kinder an der Haustür von einem Detektiv befragt worden sein.

Die Gewerkschaft NGG (Nahrung - Genuss - Gaststätten) kritisiert dieses Vorgehen der Hotel-Betreibergesellschaft als „skandalös.“

Hintergrund der Aktion ist vermutlich eine Krankmeldung, die vom Arbeitgeber angezweifelt wird. Der Betriebsratschef und Nachtportier im Wilhelmshöher Pentahotel, Mehmet Gür wurde während seines Türkeiurlaubs 20 Tage wegen Rückenbeschwerden krankgeschrieben, weshalb er nicht wie geplant an die Arbeit zurückkam. Nach der Rückkehr nach Kassel stellte Gür fest, dass der Arbeitgeber sein Gehalt um die Hälfte gekürzt hatte.

Die Begründung erhielt Gür, der bis Anfang der Woche krankgeschrieben ist, erst auf Nachfrage: Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit. Dagegen will Gür mit Rechtsbeistand der Gewerkschaft klagen. „Wir haben den Eindruck, dass der Betriebsratsvorsitzende gezielt eingeschüchtert werden soll“, sagt Andreas Kampmann, Geschäftsführer der NGG Nordhessen. Dazu passe, dass die Betreibergesellschaft des Hotels derzeit versuche, auf dem Rechtsweg die Wahl des Betriebsrats für ungültig erklären zu lassen.

Hier liegt das Pentahotel in Kassel

Vor dem Arbeitsgericht Kassel hatte das Hotel Erfolg, die NGG will jetzt in Berufung gehen. Nach Angaben der Gewerkschaft ist das Kasseler Hotel das einzige der Penta-Kette mit Betriebsrat. Die Pentahotels GmbH lehnte eine Stellungnahme zu dem Fall „aus Datenschutzgründen“ ab. Grundsätzlich sei es zulässig, wenn ein Arbeitgeber bei Zweifeln an einer Krankschreibung einen Detektiv einschalte, sagt der Kasseler Anwalt Dr. Axel Braunholz. Bei begründeten Zweifeln könne der Arbeitgeber auch die Lohnfortzahlung einstellen. Um sich dagegen zu wehren, müsse der Beschäftigte klagen.

Von Katja Rudolph

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