Gewerkschaft: Rheinmetall ist erstmals zu Verhandlungen bereit

Kassel. Die Streichpläne bei Rheinmetall Landsysteme sorgen seit Monaten für Unruhe in der Belegschaft. Am Donnerstag will die Geschäftsleitung bei einer Betriebsversammlung dazu Stellung nehmen. Nach Angaben der IG Metall hat die Unternehmensleitung erstmals Verhandlungsbereitschaft signalisiert.

Eine Bestätigung dafür gibt es bislang nicht. Dem Betriebsrat sei ein Drei-Standorte-Konzept vorgestellt worden, das den Erhalt des Standorts Kassel vorsehe. sagt Rheinmetall-Sprecher Oliver Hoffmann. Eine Reduzierung der Personalstärke sei aber unumgänglich. Nur so könne man das Unternehmen zukunftsfähig machen. Über Einzelheiten werde zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung verhandelt. Eine Forderung der Gewerkschaft ist ein Sozialtarif. In dem würden Abfindungen und Übergangsregelungen für Mitarbeiter festgelegt, denen gekündigt werden soll.

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Von den 410 Mitarbeitern in Kassel sollen angeblich 150 entlassen werden. Außerdem soll es Versetzungsangebote in etwa gleicher Größenordnung nach Unterlüß in der Lüneburger Heide (Landkreis Celle) geben. In der 3600-Einwohner-Gemeinde will das Unternehmen offenbar die Aktivitäten konzentrieren. Am Rheinmetall-Standort in Kiel droht ebenfalls ein massiver Arbeitsplatzabbau. Dort geht es um 320 von 500 Stellen. Die Auflösung des bayrischen Standortes Gersthofen (Landkreis Augsburg) mit 50 Entwicklungsingenieuren ist nach Angaben der Gewerkschaft bereits beschlossene Sache.

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Als Grund für die geplanten Sparmaßnahmen wird die rückläufige Auftragslage bei Rheinmetall Landsysteme im vergangenen Jahr genannt. Die Bundesregierung habe zum Beispiel ihren Großauftrag für den Schützenpanzer Puma von ursprünglich 405 Stück auf 350 reduziert. „Das ist aus unserer Sicht aber kein Grund für solch massive Einschnitte“, sagt Gewerkschaftssekretär Walter Brück (IG Metall). Rheinmetall habe viele gute Jahre hinter sich. Ein Ergebnis einer Unternehmensberatung sei, dass die Rendite auf zehn Prozent steigen solle. Das sei überzogen, kritisiert die Gewerkschaft. Zusammen mit dem Gesamtbetriebsrat wolle man jetzt auch darüber Verhandlungen führen, wie die Standorte optimiert werden können. Ziel sei es, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten und gleichzeitig für bessere Abläufe in der Entwicklung und der Produktion zu sorgen.

Die Gewerkschaft richtet sich auf harte Verhandlungen ein. Als Druckmittel halte man sich offen, zu Streiks in der Produktion aufzurufen, sagt Brück. Die Auftragsbücher bei Rheinmetall Landsysteme seien voll. Arbeitsniederlegungen würden das Unternehmen deshalb empfindlich treffen. (tos)

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