Wingas-Zentrale im Königstor ist für künftiges Wachstum ausgelegt

Ein Riesenloch: Das alte Karl & Co.-Gebäude ist weg. Nur noch kleine Reste erinnern an das einstige Handelshaus. Im Frühjahr 2015 soll das Wingas-Gebäude stehen. Foto: Schachtschneider

Kassel. Noch ist nur ein großes Loch sehen. Doch schon bald wird am einstigen Standort des Sanitärgroßhändlers Karl & Co. im Königstor ein modernes Bürogebäude aus dem Boden wachsen. Die Investitionssumme von 20 Millionen Euro nimmt der künftige Nutzer, Kasseler Gasgroßhändler und Speicherbetreiber Wingas, nicht selbst in die Hand.

Bauherrin ist die OFB Projektentwicklung GmbH, eine Tochter der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die das Gebäude zunächst für 20 Jahre vermietet.

Anfang 2015 soll es bezogen werden. Dann bündelt die Wingas Holding GmbH, die noch je zur Hälfte dem Kasseler Öl- und Gasförderer Wintershall sowie dem russischen Energieriesen Gazprom gehört, ihre bislang auf mehrere Standorte verteilten Aktivitäten am neuen Firmensitz. Zunächst ziehen 330 Mitarbeiter ein, ausgelegt ist das Gebäude für 490 Beschäftigte.

Die Wingas GmbH, die – wie berichtet – zum Jahreswechsel ganz in Gazprom-Eigentum übergeht, befindet sich auf Wachstumskurs. Erst am zurückliegenden Mittwoch gab die EU-Kommission endgültig grünes Licht für die vollständige Übernahme durch die Russen.

Aktualisiert um 10 Uhr

Dass Wingas unter der neuen Führung in Kassel bleibt, war und ist keine Selbstverständlichkeit. Zeitweise wurde darüber spekuliert, ob das Unternehmen im Zuge des Gesellschafterwechsels nach Berlin oder gar nach Moskau zieht. Dass dies nicht eingetreten ist, hat vor allem einen Grund: Geschäftsleitung und Beschäftigte – ganz überwiegend gefragte Spezialisten – wollen hier bleiben. Der Gazprom-Konzern hätte bei einem Wegzug riskiert, dass ihm viele Profis weggelaufen wären. Und das kann er sich angesichts der Expansionspläne in Zentraleuropa nicht leisten.

Für die Stadt ist der Verbleib des Gasgroßhändlers in mehrerlei Hinsicht ein Gewinn: Wingas ist ein attraktiver Steuerzahler und Arbeitgeber, und mit dem Neubau im Königstor 20 verschwindet ein Schandfleck in bester Lage. Denn das mittlerweile abgerissene Karl & Co.-Gebäude wurde seit 1997 (zeitweise) nicht oder nur in Teilen genutzt und war somit dem Verfall preisgegeben. Städtebaulich ist der Wingas-Neubau ein Glücksfall für Kassel.

Der Gasgroßhändler wurde Ende 1990 von der BASF-Tochter Wintershall und Gazprom als Gemeinschaftsunternehmen gegründet. Von da nahm Wingas eine rasante Entwicklung. Heute gehört das Unternehmen zu den Größten der Branche in Europa. Die Kasseler haben Kunden im Inland, in Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien und Österreich sowie in den Niederlanden und Tschechien.

Von José Pinto

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