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Gewinnerin des Tigerenten-Rennens lehnt Preis ab: Ist der Verzicht richtig?

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Von: Christina Hein, Frank Thonicke

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Keine Reise nach Kanada für sie: Mirl Redmann aus Kassel macht sich Gedanken wegen ihres CO2-Fußabdruckes.

Eine Flugreise nach Kanada, der Hauptpreis des Tigerenten-Rennens vom Verein "Soziale Hilfe", sorgt für Diskussionen in Kassel: Die Gewinnerin lehnt den Preis aus Umweltgründen ab. Ist das richtig?

Die Gewinnerin, die 35-jährige Mirl Redmann aus Kassel, hat den Preis im Wert von 5000 Euro am Montag bei der offiziellen Übergabe bei VW in Baunatal, Hauptsponsor des Rennens, abgelehnt. Aus ökologischen Gründen, wie sie angibt. Sie sei in der Vergangenheit schon so häufig geflogen, dass ihr CO2-Fußabdruck gigantisch sei, sagt Redmann. Stattdessen hat sie VW vorgeschlagen, den Preis umzuwidmen.

Die Ablehnung ihres Gewinns sorgt für Diskussionen in Kassel. Unser Pro und Kontra zum Thema:

Pro: Chapeau!

Mein erster Impuls, als ich vom Protest gegen eine Flugreise als Hauptgewinn gehört habe, war: Chapeau! Da reagiert endlich mal jemand und zwar – warum nicht? – öffentlichkeitswirksam auf die täglich

Christina HeinHNA Redakteure KommentarfotoPorträtFoto: Andreas Fischer
Findet die Reaktion gut: Redakteurin Christina Hein. © Andreas Fischer/nh

auf uns einprasselnden Appelle, gegen den Klimawandel aktiv zu werden. Verzicht, das dürfte sich herumgesprochen haben, ist ein besonders wirksames Mittel. Hätte ich auch so konsequent idealistisch reagiert? Kanada ist immerhin ein verführerisches Reiseziel.

Eine Preisträgerin, die selbstkritisch erkennt, dass ihr CO2-Fußabdruck – wie von uns allen übrigens – viel zu groß ist, und die daran etwas ändern möchte, beeindruckt. Alle reden – sie macht.

Mittels einer populären Preisverleihung eine Diskussion anfachen, Kritik aushalten und vielleicht den einen oder anderen mehr zum Nachdenken anregen? Super Sache.

Dass die Preisträgerin jetzt Ersatz für den Flug fordert, ist ein anderes Thema. Aber es mindert ein Stück den Helden-Nimbus. 

Kontra: Reisen gleich verbieten?

Natürlich können wir uns auch einen Kanadafilm im Fernsehen angucken, im Internet surfen oder bei einigem Training mit dem Fahrrad nach Hann. Münden in Urlaub fahren. Da ist es auch schön. 

Fast jeder würde sich

Frank ThonickeHNA Redaktion, HNA Redakteure, Kommentarfoto, Kopfbild, Portrait, PortraitfotoFoto: Andreas Fischer
Kann die Gewinnerin nicht verstehen: Lokalchef Frank Thonicke. © Andreas Fischer/nh

ein Loch in den Bauch freuen, wenn er eine Reise nach Kanada geschenkt bekommt. Aber natürlich kann man auch so korrekt sein, dass man gar keinen Spaß am Leben mehr hat. Wer zu Hause die Kerze anzündet, dessen Ökobilanz ist natürlich prima. Und wer nicht fliegen will, muss das auch nicht tun. 

Die Frage ist, ob er dann auch an einem Wettbewerb teilnehmen muss, bei dem der erste Preis eine Flugreise ist. Dumm, wenn man dann diesen Preis auch noch gewinnt. Dann verprellt man alle anderen Teilnehmer. 

Aber wir sind ja so korrekt, dass wir nun folgende Preise für alle Zeit ausschließen: Bus-, Schiffs- und Flugreisen sind verboten. Stattdessen verlost VW ein Auto. Natürlich einen E-Golf.

Was denken Sie?

Die Entscheidung der Preisträgerin, ihren Preis abzulehnen, schlägt auch auf Facebook hohe Wellen. Was denken Sie? Diskutieren Sie auf der Facebookseite der HNA mit!

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