Unter dem A.R.M.

Das Gewölbe ist erwacht

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Keller

Kassel. Tief unter der Erde hat ein 150 Jahre altes Stück Stadtgeschichte die Bombennächte fast unbeschadet überstanden. 1863 wurde der neogotische Weinkeller der früheren Weinhandlung Gundelach an der Werner-Hilpert-Straße gebaut.

Nachdem er für Jahrzehnte in Vergessenheit geraten war, hat ihn der Kasseler Clubbetreiber Ralph Raabe für 1,5 Mio. Euro restauriert.

Raabe will die so genannte „Weinkirche“ zunächst vier Mal monatlich für eigene Veranstaltungen öffnen, vor allem aber für Firmenfeste und Familienfeiern sowie an Konzert- und Kulturveranstalter vermieten. Gestern öffnete er das Gewölbe zum ersten Mal für geladene Gäste.

Am ersten Dezember wird der Betrieb offiziell gestartet. Dort, wo einst die Weinhandlung ihren Sitz hatte, feiert heute die Jugend in den Clubs A.R.M. und Lolita Bar. Als der heute 46-jährige Raabe 1994 gerade damit begonnen hatte, die Clubkultur an der Werner-Hilpert-Straße zu etablieren, stieß er im Kellergewölbe des Clubs A.R.M. hinter einem Müllberg auf eine Tür. Dahinter verbarg sich der Weinkeller, der in den vergangenen Jahren nur sporadisch für einige Sonderveranstaltungen geöffnet wurde. Weil Fluchtwege fehlten und das Bauwerk in einem schlechten Zustand war, dauerte es Jahre, bis der Weinkeller nun vollständig restauriert und mit Fluchtwegen versehen eröffnet werden kann. Allein 300.000 Euro musste Raabe ausgeben, um ein neun Meter tiefes Treppenhaus im Biergarten des Partytreffpunktes zu bauen.

Zuletzt aktualisiert um 17:01 Uhr

 Der zukünftige Eingangsbereich zur „Weinkirche“ wird aber derzeit noch inklusive Lobbybar eingerichtet. Er liegt dann etwas oberhalb von Arm und Lolita Bar, dort wo es früher zur Galerie Loyal ging. Auch in das Gewölbe – der große Saal ist etwa 300 Quadratmeter groß – wurde viel investiert. Der Boden hat ein Betonfundament erhalten unter dem sich eine Fußbodenheizung verbirgt. Bodenlichter illuminieren das sakral anmutende so genannte Kreuztonnengewölbe. Auch Lüftungstechnik wurde installiert, damit Frischluft unter die Erde kommt. Finanziert hat er sein Vorhaben, mit dem er auch auf eine ältere Zielgruppe zielt, mit Hilfe von Banken.

„Es ist nicht üblich, dass Banken für gastronomische Abenteuer so viel Geld geben. Aber dieses Risiko ist gut kalkulierbar. Kassel fehlt es an interessanten Veranstaltungsorten und dieser hat keine 120 Betten, die man voll kriegen muss“, sagt Raabe mit Blick auf sein früheres Hotelprojekt Reiss.  (bal)

Fotos aus dem Keller

Gewölbe öffnet wieder nach über 150 Jahren

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