Interview: „Gibt keine Brennpunkte“

Ordnungsamt äußert sich zu Hundevorfällen an der Prinzenquelle

Kassel. Nach unseren Berichten über Konflikte zwischen Hundehaltern, Spaziergängern, Joggern und Radfahrern im Bereich Prinzenquelle an der Ochsenallee wollten wir vom Ordnungsamt wissen, wie groß das Problem dort tatsächlich ist.

Denn auch der Ortsbeirat Kirchditmold ist mit dem Thema befasst. Eine Antwort darauf und zur Frage, zu welchen Vorfällen mit Hunden es im sonstigen Stadtgebiet kommt, gab Ordnungsamtsmitarbeiter Lothar Pflüger.

Wie viele Vorfälle mit Hunden wurden dem Ordnungsamt in den vergangenen Jahren gemeldet?

Lothar Pflüger

Lothar Pflüger: Verglichen mit 7000 angemeldeten Hunden werden relativ wenige Tiere auffällig, aber es gibt durchaus auch Probleme. 2013 haben wir 120 Vorfälle bearbeitet. Davon waren 91 Anzeigen von Bürgern, und 29 Fälle hat unser Vollzugsdienst registriert. Die Zahl hat sich im Vergleich zu 2012 kaum verändert, damals waren es 115 Vorfälle. Zu Vorfällen an der Ochsenallee sind uns in den beiden Jahren jeweils zwei Anzeigen eingegangen.

Was für Vorfälle sind das?

Pflüger: In den Jahren 2012 und 2013 waren es in 30 Fällen Raufereien zwischen Hunden, bei denen Tiere verletzt wurden. Aber die Anzeigen kommen auch von Spaziergängern, Joggern und Radfahrern. So kam es in den beiden Jahren insgesamt zu 13 Hundebissen gegen Menschen. Wegen Verstößen gegen die Leinenpflicht haben wir im gleichen Zeitraum 20-mal ein Bußgeld verhängt. Wird ein Halter zum ersten Mal erwischt, lassen wir es mit 50 Euro bewenden.

20 Verstöße gegen die Leinenpflicht in zwei Jahren, das sind relativ wenige.

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Pflüger: Unser Außendienst muss eine ganze Palette von Aufgaben erledigen. Es gibt keine gezielten Kontrollen der Leinenpflicht. Das können wir gar nicht leisten. Zudem nehmen viele Halter ihre Hunde an die Leine, wenn sie eine blaue Uniform sehen. Genauso ist es mit der Beseitigung von Hundekot. Deshalb werden die meisten Vorfälle von anderen Bürgern gemeldet. Es geht schließlich um Gefahrenabwehr. Und die Hundeverordnung hat ihren Sinn.

Wann wird das Ordnungsamt noch tätig?

Pflüger:  Wir werden immer dann tätig, wenn von einer Hundehaltung Gefahren für Leben oder Gesundheit von Menschen oder Tieren ausgehen. Wir hatten Fälle, bei denen Hunde Menschen angesprungen haben. Manche, insbesondere Kinder und Ältere, können dann das Gleichgewicht verlieren und stürzen. Auch zwischen Radfahrern und Hunden kam es schon zu Unfällen.

Häufen sich die Vorfälle in einem bestimmten Bereich?

Pflüger: Es gibt keine Brennpunkte. Die Probleme verteilen sich gleichmäßig über das Stadtgebiet. Allerdings lässt sich beobachten, dass die größere Anzahl der Vorfälle in Bereichen ohne Leinenpflicht stattfindet.

Wie lässt sich das Problem an der Ochsenallee lösen?

Pflüger:  Eine Anleinpflicht fordert dort weder Kirchditmolds Ortsbeirat noch sehen wir einen Anlass dafür. Es ist gegenseitige Rücksichtnahme gefordert. Wir haben viel Verständnis für Hundehalter, aber wenn etwa Kinder oder ältere Menschen gefährdet werden oder Angst haben müssen, dann geht der Mensch vor.

Im Ortsbeirat Kirchditmold wurde angeregt, es sollten in der Stadt weitere Flächen von einer Anleinpflicht befreit werden, um die Konflikte an der Ochsenallee zu entschärfen.

Pflüger: Es gibt in Kassel 37 Flächen, auf denen Anleinpflicht gilt. Dies ist jeweils auf Wunsch der Ortsbeiräte geschehen. Auf allen anderen Flächen dürfen Hunde frei laufen. Ich weiß, dass niemand seinen Hund an der Frankfurter Straße laufen lassen möchte, aber es gibt auch genug Grünzüge, auf denen Hunde von der Leine dürfen. Zum Beispiel an Losse und Ahne.

Von Bastian Ludwig

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