Stadt bereitet sich auf neues Kreislaufwirtschaftsgesetz vor

Südstadt-Projekt zur Mülltrennung beendet: Es gibt wohl eine Tonne mehr

Kassel. Es wird künftig kein Zwei-Tonnen-Abfallsystem, das nur zwischen trockenem und nassem Müll unterscheidet, in Kassel geben.

Das erklärten gestern Bürgermeister Jürgen Kaiser (SPD) und Gerhard Halm, Betriebsleiter der Stadtreiniger, bei der Präsentation des Abschlussberichts über das Projekt „Nasse-Trockene-Tonne“.

Knapp 2200 Haushalte hatten sich von Juli 2008 bis März 2010 an dem bundesweit einmaligen Mülltrennungsprojekt in der Südstadt beteiligt, das vom Fachgebiet Abfalltechnik der Universität Kassel wissenschaftlich begleitet worden ist. Bei dem Projekt waren trockener Müll (Verpackungen, Kunststoffe, Metall, Holz und kleine Elektrogeräte) und nasser Müll (Garten- und Küchenabfälle, Hygieneartikel, Restmüll) in zwei Tonnen gesammelt worden.

400.000 Euro Kosten

400 000 Euro hat das Projekt, das über vier Jahre lief, gekostet. Darin inbegriffen waren die Entsorgung des Mülls, die Beschaffung der Tonnen und die wissenschaftliche Betreuung.

Unter ökologischen Gesichtspunkten sei das Kasseler Modell sinnvoll gewesen, da über die Abfalltrennung in trockene und nasse Bestandteile deutlich mehr Sekundärrohstoffe als bislang zurückgewonnen werden konnten, sagte Prof. Arnd I. Urban. Aber das System verursache unter den heute geltenden Rahmenbedingungen noch 18 Prozent höhere Entsorgungskosten.

Gegen das Kasseler Zwei-Tonnen-System spricht zudem die Novellierung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes auf Bundesebene, das die flächendeckende Getrenntsammlung von Bioabfällen sowie eine Wertstofftonne fordert.

Man werde sich in Kassel jetzt umgehend auf das zu erwartende Drei-Tonnen-System einstellen, sagte Kaiser. Gleichzeitig bezeichnet er den beschlossenen Entwurf für das Gesetz als „katastrophal für die kommunale Abfallwirtschaft“. Während in Kassel ein ökologisch und ökonomisch optimiertes Abfallkonzept erarbeitet worden sei, „wird uns in Berlin die Grundlage für eine flächendeckende und zuverlässige Entsorgung der Abfälle entzogen“. Sollte die Wertstofftonne unter private Trägerschaft fallen, so befürchtet Kaiser, dass die Erträge, die durch die Vermarktung der Wertstoffe erzielt werden, für die Bürger verloren seien.

In Kassel wolle man für das Drei-Tonnen-System erreichen, dass die Abfälle, die bislang noch in den Gelben Sack kommen, zumindest dann in der Wertstofftonne entsorgt werden können, erklärte Halm.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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