Er soll Gefangener in einem Kurden-Lager sein

Sie gingen zum IS: Kasseler Vater findet einen seiner Söhne in Syrien

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Erinnerungen: Joachim Gerhard vermisst seine Jungs. Das Foto auf dem Bildschirm zeigt ihn (Mitte) mit seinen Söhnen Fabian (links) und Manuel im Jahr 2013 während eines Urlaubs in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate).

2014 schlossen sich zwei Kasseler Jugendliche dem IS an. Zwei Jahre später hieß es, sie seien tot. Ihr Vater gab dennoch nicht auf, sucht seine Söhne - und hat nun einen von beiden lebend gefunden.

Mindestens einer der beiden Brüder aus Kassel, die sich im Oktober 2014 dem Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben, soll am Leben sein. Joachim Gerhard, der Vater der beiden, will seinen Sohn Fabian in einem Gefangenenlager der kurdischen Miliz YPG nahe der Stadt Qamischli im Nordosten Syriens gefunden haben.

2016 hatten die Sicherheitsbehörden dem Kasseler Unternehmer mitgeteilt, dass es Hinweise auf zwei Brüder aus Kassel gebe, die in der Nähe von Kobane getötet worden sein sollen. Beweise für den Tod der beiden gab es seither aber nicht.

Gerhard suchte weiter, reiste etwa 30 Mal ins syrische Grenzgebiet. Vergangene Woche machte er sich in Begleitung zweier Journalisten nach Syrien auf, nachdem er einen Hinweis auf den Aufenthaltsort des inzwischen 26-jährigen Fabian erhalten hatte. „Ein anonymer Anrufer sagte, dass sich mein Sohn mit einer Gruppe von etwa 20 weiteren IS-Anhängern ergeben habe und festgenommen worden sei“, schildert Gerhard.

In Syrien angekommen hätten die Behörden ihm zunächst nicht erlaubt, das Gefängnis in der Stadt Derik, in dem sein Sohn sich aufhalten soll, aufzusuchen. Einige Tage später sei es ihm aber doch gestattet worden. Sein Sohn habe sich auf einer umzäunten und bewachten Fläche im Freien aufgehalten. „Ich bin hundertprozentig sicher, dass es Fabian war“, sagt Gerhard. Er habe abgenommen und gehumpelt, nach Angaben der kurdischen Miliz in Folge einer Verletzung, die er sich bei der Verhaftung zugezogen habe. Sprechen durfte Gerhard seinen Sohn nicht. Der Kasseler hat nun zwei Frankfurter Anwälte beauftragt, die Auslieferung seines Sohnes nach Deutschland zu beantragen.

Weder die Staatsanwaltschaft Frankfurt noch der Staats- und der Verfassungsschutz machten Angaben zu dem Fall. Aus Kreisen des Auswärtigen Amtes hieß es, es habe zwar Kenntnis von Fällen deutscher Staatsangehöriger, die sich in Nord-Syrien in Gewahrsam befinden sollen, eigene Erkenntnisse lägen ihm dazu aber nicht vor. Das Bundesinnenministerium teilte mit, ihm seien „die Bemühungen des Herrn Gerhard bekannt. Er wurde durch die örtlich zuständigen Behörden auf die Gefährlichkeit seiner Unternehmung hingewiesen.“

Lesen Sie auch: Verzweifelter Kampf gegen den IS: Die Suche eines Vaters nach seinen Söhnen

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