Luxuskino? Glänzende Ideen fürs alte Kaskade

Kassel. Was wäre, wenn der Kinobetreiber Hans-Joachim Flebbe das ehemalige Kaskade-Kino wiederbeleben und zu einem historischen Luxuskino umbauen würde? Der Unternehmer aus Hamburg hatte das Kino mit Kultstatus als Investitionsobjekt ins Auge gefasst.

Doch die Eigentümerin, die Anlagengesellschaft Aachener Grundvermögen, hat andere Pläne. Sie will das Gebäude umbauen, um dort Einzelhandel anzusiedeln.

Das Kaskade im RegioWiki

Flebbe hat für sein Kinoprojekt einen Korb erhalten. „Gespräche sind seitens der Eigentümerin ohne Resonanz geblieben, sodass wir davon ausgehen, dass an einer Vermietung zu diesem Zweck kein Interesse besteht“, heißt es vonseiten der von Flebbe beauftragten Projektentwicklungsgesellschaft. Das Amt für Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz sei über die Pläne Mitte 2011 telefonisch informiert worden.

Jetzt wird das ehemalige Kaskade erst einmal von der documenta 13 bespielt. Im Oktober sollen dann die Umbauarbeiten beginnen. Nach den Plänen der Aachener Grundvermögen soll ein waagerechter Boden eingezogen und markante Bereiche des Kinos wie die Wasserorgel vor der Leinwand durch eine Panzerglasplatte hindurch sichtbar gemacht werden. Christian Presche, Sprecher des Arbeitskreises Denkmalschutz und Stadtgestalt, ist besorgt: „Das kommt einer Vernichtung der denkmalgeschützten Raumwirkung gleich.“ Er befürwortet „jede Nutzung als Kino und Veranstaltungssaal“. „Flebbe wäre ein Glücksfall.“ Neue Perspektiven bietet nach Ansicht Presches die documenta-Nutzung. Dafür müssten zwangsläufig Umbauten wie Fluchtwege vorgenommen werden. Das Fehlen etwa von Fluchtwegen war stets als Hinderungsgrund für einen Veranstaltungssaal vorgebracht worden.

Die Kino-Zukunft unter einer gläsernen Decke finden die CDU-Stadtverordneten Marcus Leitschuh und Dr. Jörg Westerburg angesichts der Alternative, die Flebbe bietet, ebenfalls bedauerlich. „Es wäre für die Belebung des Königsplatzes besonders in den Abendstunden zuträglicher, die Immobilie als Kino zu betreiben“, sagt Leitschuh. „Wäre die Stadt aktiv geworden, hätten wir die Chance, das wunderbare Kino neu zu beleben“, sagt Westerburg.

Zur Kritik an der Stadtverwaltung sagt Stadtsprecher Hans-Jürgen Schweinsberg: „Uns ist kein Kontakt zu Herrn Flebbe in Erinnerung.“ Alles sei nur gerüchteweise über Dritte geschehen.

Auch Guido Franke, Leiter der Bauabteilung bei der Aachener Grundvermögen, sagt: „Mit mir hat niemand Gespräche geführt.“ Man habe jetzt eine Baugenehmigung für ein Einzelhandelsgeschäft. Generell sei die Gesellschaft an einer nachhaltigen Nutzung interessiert. „Wir sind in keine Richtung festgelegt.“ Flebbe könne ihm seine Pläne gern vorlegen, sagt Franke.

Von Christina Hein

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