Täter bestreitet Absicht, jemanden zu verletzen

„Gleich gibt’s Tote“: Bankräuber steht in Kassel vor Gericht

„Ich wäre gegangen, wenn sie mir das Geld nicht gegeben hätten. Es hätte keine Toten gegeben.“ So schildert es ein Bankräuber vor Gericht. Während seines Überfalls hatte das noch ganz anders geklungen.

Wenn der 26-jährige 1,90-Meter-Mann am Freitag vor dem Kasseler Landgericht schildert, wie er am 18. Dezember vergangenen Jahres die Sparkassen-Filiale an der Friedrich-Ebert-Straße in Kassel mit einem Küchenmesser bewaffnet überfallen hat, spricht er mit einer geradezu fröhlich anmutenden Offenheit.

Für die beiden jungen Frauen, die am Freitag vor der 5. Strafkammer als Zeuginnen aussagten und die den Überfall als Mitarbeiterinnen der Sparkasse erleben mussten, war das Geschehen allerdings alles andere als harmlos.

Immer wieder von Weinkrämpfen erschüttert schilderte die 24-jährige Bankkauffrau, wie der hünenhafte Mann mit Sturmhaube maskiert und einem Küchenmesser in der Hand in die Bank gekommen war und Geld geforderte hatte. „Sonst gibt’s gleich Tote“, habe er dabei gesagt.

Während Räuber und Angestellte darauf warteten, dass die Zeitsicherung des Tresors ablief, füllte der Filialleiter einen Mülleimer mit Münzgeldrollen. Später packte er 180.000 Euro in eine Einkaufstasche aus Plastik und übergab sie dem Räuber, der die ganze Zeit einen ruhigen und kontrollierten Eindruck gemacht habe. Nur eine Viertelstunde später wurde der in Marsberg (Hochsauerlandkreis) lebende Mann von der Polizei festgenommen.

Seitdem sitzt er in der Klinik für forensische Psychiatrie in Haina ein, denn Gutachter diagnostizierten „paranoide halluzinatorische Schizophrenie“ bei dem jungen Mann.

Bei der Befragung durch Richter Stanoschek war davon nichts zu spüren. Mit Eifer und ohne jeden Versuch von Ausflüchten beantwortete er jede Frage.

Das Küchenmesser hatte er sich nach eigenen Worten am Tag zuvor in Kassel gekauft. Dann habe er ein Hotel direkt neben der Sparkasse bezogen, der Überfall am nächsten Morgen sei eine spontane Eingebung gewesen. Warum? Das habe er vergessen, sagte er und verwies immer wieder auf seine Psychose.

Keinesfalls habe er jemanden verletzen oder gar töten wollen: „So weit unten war ich dann doch nicht“, sagt er. Freimütig erzählt er, wie er schon früher unstet durchs Land gezogen sei, Schlägereien anzettelte mit Leuten, die er für sein Unglück verantwortlich machte. Wie er sich anabole Steroide gespritzt hat, von denen bei seiner Festnahme einige gefunden wurden. Warum Kassel? Er kannte die Stadt ein bisschen, weil er in Warburg in einem Heim gelebt habe, sagt er.

Zur Frage des Motivs hielt Richter Stanoschek dem Angeklagten seine Aussage vor der Polizei unmittelbar nach dem Banküberfall vor. Damals hatte er gesagt, er habe „nichts auf die Reihe gekriegt“, weder mit Abi noch Job habe es geklappt. Mit dem Geld habe er ein ganz normales Leben „mit Haus und allem“ führen wollen.

Das Verfahren wird am kommenden Montag ab 9 Uhr im Saal D 130 fortgesetzt, vermutlich mit dem Urteil.

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