Glinicke holt die Bagger – Tierschützer auf Katzensuche

Alte Petzing-Fabrik am Leipziger Platz wird abgerissen

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Rund 320 Kubikmeter Müll, Gerümpel und Abfall liegen in den alten Petzing-Fabrikhallen herum. Überall in den Haufen können Katzen versteckt sein.

Bettenhausen. In spätestens drei Wochen werden die alten Fabrikgebäude der ehemaligen Bandsägenfabrik Petzing am Leipziger Platz abgerissen. Die Glinicke-Firmengruppe mit inzwischen 18 Autohäusern in ganz Deutschland möchte das Gelände für die Ausweitung des Standorts HessenKassel nutzen.

Vorgesehen sind Stellflächen für Neu- und Gebrauchtwagen. Auch der Bau weiterer Kundenparkplätze ist geplant. Zudem soll im Zufahrtsbereich der Ochshäuser Straße ein kleiner Info-Container für den Verkauf von Nutzfahrzeugen aufgestellt werden.

„Auf jeden Fall werden auf dem rund 4000 Quadratmeter großen Gelände keine neuen Gebäude entstehen“, sagt Glinicke-Bauleiter Yousef Salamah. Mit dem Bau der Stellflächen werde im Frühjahr 2014 begonnen. „Wir gestalten alles attraktiv mit Grünflächen und Baumpflanzungen“, sagt Salamah. Im Sommer soll alles fertig sein.

Domizil für wilde Katzen

Indessen ruft der Abriss der alten Fabrikhallen Tierschützer auf den Plan. Grund: Auf dem Gelände leben zwischen 30 bis 40 verwilderte Katzen. Schon im August hatte Tierschützerin Renate Pöthen von der Aktion Sorgentier auf das Problem hingewiesen. „Werden die Gebäude abgerissen, verlieren die Tiere ihre Unterkunft“, sagt Pöthen. Seither ist sie auf der Suche nach einem Ersatzgelände für die Katzen – bislang ohne Erfolg.

„Bleibt uns jetzt nur noch das Fangen der Tiere“, sagt sie. 15 Katzen seien ihr und ihrer Mitstreiterin Karolina Teune bislang in die Falle gegangen. Aber noch immer seien in den Hallen versteckte Jungkatzen unter Bergen von Unrat zu vermuten. „Gefundene Katzen bringen wir zu Tierärzten oder Tierschutzorganisationen, um sie dort kastrieren zu lassen“, sagt Pöthen. Anschließend werde nach Unterbringungsmöglichkeiten gesucht.

Stadt sitzt mit im Boot

Eingeschaltet ist mittlerweile auch die Stadt. „Wir wissen um die Wildkatzen auf den Petzing-Gelände“, sagt Dr. Heiko Purkl, Leiter des städtischen Veterinärdienstes. „Nur dass der Abriss der Gebäude schon jetzt bevorsteht, hat uns überrascht.“ Zunächst sei der Sommer 2014 vorgesehen gewesen. So würden nun im Sinne des Tierschutzes alle Räume nach Katzen abgesucht. Indirekte Hilfe leistet dabei die von Glinicke beauftragte Abbruchfirma Schnittger, die in den kommenden Wochen zunächst mit dem Entkernen und Entrümpeln der Gebäude beschäftigt ist.

„Weil es sich bei dem Abfall um verschiedenste Materialien handelt, müssen wir alles im Sinne der Mülltrennung per Hand einsammeln“, sagt Schnittger-Bauleiter Arne Lengemann. Das werde zwar lange dauern, habe jedoch den Vorteil, dass den Arbeitern keine Katze entginge. Auch das Veterinäramt werde regelmäßig Kontrollgänge machen, kündigt Purkl an. „Wenn die Abrissbagger kommen, können wir relativ sicher sein, dass keine Katzen mehr in den Gebäuden sind“, sagt Purkl.

Hintergründe zum Thema im Regiowiki unter http://regiowiki.hna.de/Glinicke

Von Boris Naumann

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