Glühweintest auf dem Weihnachtsmarkt: Drei Kenner fällen ihr Urteil

Zum Wohl: Daniel Werner, Meike Wieringa und Gianluca Magnesa (von links) sind unsere Weinexperten für den Test. Alle Fotos: Koch

Kassel. Dieser Test ist nicht zur Nachahmung empfohlen. 17 Tassen Glühwein - so viele muss man trinken, wenn man alle Stände auf dem Weihnachtsmarkt abklappert - bereut man spätestens am nächsten Morgen, wenn sich der Kater meldet.

Meike Wieringa hat vorgesorgt und einen Sektkühler als Spucknapf mitgebracht. Und natürlich nehmen die drei Tester immer nur einen winzigen Schluck. Als Erstes aber ist die Nase als Testorgan gefragt. Der weihnachtlich-würzige Geruch ist beim Glühwein ein wichtiges Qualitätskriterium. Erst dann wird gekostet.

Erst probieren, dann notieren: Daniel Werner beim Bewerten des Glühweins.

Daniel Werner spitzt die Lippen und bewegt den Schluck im Mund hin und her, damit alle Geschmacksnerven angesprochen werden. „Bei einem heißen Getränk ist aber Vorsicht angesagt, damit man sich nicht verbrennt“, sagt der 34-Jährige.

Glühweinprobe ist eben nicht gleich Weinprobe. „Ich trinke es gern, weil es gut zu Weihnachten und zum Winter passt“, sagt Meike Wieringa, „aber es ist ein ganz anderes Getränk.“ Neben dem Erhitzen macht allein schon das Probieren aus der Tasse einen Unterschied, erklärt Gianluca Magnesa. Einen Wein im bauchigen Glas könne man schwenken, damit das Bouquet gut zur Geltung kommt. „In die Tasse kannst du den besten Rotwein geben und schmeckst trotzdem fast gar nichts raus.“

Spucknapf statt Schwips: Damit den Testern - hier Gianluca Magnesa - der viele Glühwein nicht zu Kopf steigt, haben sie einen Eimer mitgebracht.

Trotzdem sind sich die Weinexperten einig: Wenn die Grundsubstanz nicht stimmt, kann der Glühwein trotz der besten Rezeptur nicht schmecken. „Es muss schon ein guter Wein sein“, sagt Daniel Werner, „das schmeckt man auch heiß noch heraus.“ Dementsprechend verziehen die Tester an manchen Glühweinständen das Gesicht oder rümpfen die Nase. Die Negativurteile reichen von „zu wenig Frucht“ über „total künstlich“ bis „riecht nach Pferdeäpfeln“.

Bei den wirklich guten Glühweinen geizen die Experten aber auch nicht mit Lob: „Den würde ich jetzt am liebsten austrinken, wenn ich heute Abend nicht arbeiten müsste“, sagt Gianluca Magnesa am Finnenstand auf dem Königsplatz, der sich nachher als Nummer 1 des Rundgangs herausstellt.

Ziel des Tests sei nicht, jemanden schlechtzumachen, sagt Andrea Behrens von Kassel Marketing. Mit der Auszeichnung der ersten drei Plätze wolle man besondere Qualität aber hervorheben. Das Fazit der Experten: Wer Spaß haben will, kommt nach ein oder zwei Tassen überall auf seine Kosten. Wer aber den Weingenuss sucht, für den gibt es jetzt drei heiße Tipps.

Von Katja Rudolph

Das Ergebnis

Selbst überrascht waren die Tester, wie groß die Qualitätsunterschiede beim Glühwein auf dem Kasseler Weihnachtsmarkt sind. Das Notenspektrum reichte von einer 1,4 bis zur glatten 5. Der Durchschnittswert auf dem Markt liegt bei 3,4. Eine Eins oder Zwei vor dem Komma hatten nur vier der 17 Stände.

Platz 1: Finnenstand: Die Finnen können’s am besten: Für den Glühwein am Stand von Annika Salonen auf dem Königsplatz (vor der Commerzbank) gibt es mit 1,4 die mit klarem Abstand beste Bewertung. Er wird nach einer geheimen Rezeptur aus Dornfelder-Wein hergestellt. Das besondere sind die Nüsse und Rosinen in der Tasse, die auf Wunsch aber auch weggelassen werden können.

Heiße Quelle Nr. 1: Gut geschmeckt hat den Experten auch der Glühwein, der auf dem Friedrichsplatz bei der Heißen Quelle Nr.1 ausgeschenkt wird (zwischen Kö-Galerie und Parkhauszugang). Er bekommt eine glatte 2,0.

Rupperts Almhütte: Empfehlenswert ist außerdem der Wein aus den Stiefel-Tassen bei Rupperts Almhütte im Märchenwald am Rande des Friedrichsplatzes (neben Leffers). Note: 2,4. Viertbester mit der Note 2,9 wurde der Stand an der Pyramide auf dem Königsplatz. (rud)

(Die Gesamtnote setzt sich aus den Einzelnoten für Geruch, Geschmack, Aussehen und den Gesamteindruck des Standes zusammen. Bewertet wurde nach dem Schulnotensystem von 1 bis 6.)

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