Geselle ist "keinesfalls" zufrieden

GNH legt Bilanz vor: Rückzahlung für Mitarbeiter fällt deutlich geringer aus

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Die schwarze Null steht: Trotz leichtem Plus ist man bei der Gesundheit Nordhessen nicht zufrieden mit dem Ergebnis für 2018.

Die Gesundheit Nordhessen Holding AG  hat das Jahr 2018 zwar mit einem leicht positiven Ergebnis abgeschlossen. Zufrieden ist der Aufsichtsrat damit aber nicht. 

Die Freude über die Ergebnisse des Vorjahres hält sich in Grenzen, mit der Bilanz für 2018 der Gesundheit Nordhessen Holding AG sei man „keinesfalls zufrieden“, sagt Oberbürgermeister und GNH-Aufsichtsratsvorsitzender Christian Geselle.

Einige verzichten seit 2007 freiwillig auf ihr Gehalt

Der Klinikkonzern hat das Jahr zwar mit einem leicht positiven Ergebnis von 0,27 Mio. Euro (2017: 2,0 Mio. Euro) abgeschlossen und damit seinen Umsatz um rund 2,8 Prozent auf 401 Mio. Euro gesteigert. Möglich war das aber nur durch die Hilfe des Zukunftssicherungstarifvertrages. Nicht-ärztliche und außertariflich Beschäftigte verzichten seit 2007 vorsorglich auf einen Teil ihres Gehalts. Im Gegenzug sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Im Vorjahr wurde bereits im März die gute Nachricht verkündet, dass 5,5 Mio. Euro an die Beschäftigten zurückgezahlt werden. Für 2018 erhalten sie nur noch 730 000 Euro.

Ein Grund ist fehlendes Personal

Nicht nur wegen dieser Zahlen sei der Aufsichtsrat unzufrieden, sagt Geselle, sondern insgesamt wegen der Tendenz. „Bereits im Jahr 2017 hat es die Forderung gegeben, dass strukturelle Änderungen her müssen. Nun haben wir einen deutlichen Leistungsabfall.“ Man wolle keine Gewinnmaximierung betreiben, aber das Unternehmen müsse wirtschaftlich funktionieren, sagt Geselle. Änderungen folgten dann in diesem Jahr mit einer ersten Personalentscheidung: Karsten Honsel verließ Ende Mai das Unternehmen, ab dem 1. August übernimmt der gebürtige Wolfhager Dr. Michael Knapp die Verantwortung für den Konzern.

Ein weiterer Grund für das Bilanzergebnis liege im Personalmangel, sagt Birgit Dilchert, GNH-Personalvorstand. Die seit Jahren bestehende Unterfinanzierung der Krankenhäuser könne nur schwierig durch eine Steigerung der Leistung ausgeglichen werden. Außerdem seien die Personalkosten deutlich stärker gestiegen als die Preise für die Krankenhausleistungen, sagt Dilchert.

Dennoch habe die GNH gegenüber dem Vorjahr 30 Kräfte in Vollzeit eingestellt. Ziel sei es, das neue Pflegepersonalstärkungsgesetz auszuschöpfen und noch 80 weitere Vollzeitkräfte zu beschäftigen. Maßnahmen wie die Erhöhung der Pflegeausbildungsplätze hätten sich nun ausgezahlt, sagt Dilchert.

Weiterhin habe sich in einigen Bereichen die Wettbewerbssituation in der Region verstärkt, sagt Harald Geipel, Leiter der Finanzen der GNH. Außerdem belasten die Vorgaben des gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) durch Strukturvorgaben alle Krankenhäuser. Diese schreiben Ressourcen von Personal und Technik vor, die wiederum nicht vollständig über die Fallpauschale gedeckt werden können, so Geipel. Die Folge: ein Kostenauftrieb ohne ausreichende Gegenfinanzierung.

Die Gesundheit Nordhessen Holding AG beschäftigt rund 4800 Mitarbeiter. Neben dem Kasseler Klinikum, den beiden Kreiskliniken in Wolfhagen und Hofgeismar gehören unter anderem auch das Krankenhaus Bad Arolsen, die Seniorenwohnanlagen SWA Kassel und das Reha-Zentrum im Klinikum zur Holding.

Mitarbeiter gehen fast leer aus

2018 wurde noch Geld ausgezahlt, wie jedes Jahr seit der Erstauflage im Jahr 2007. Die Erfolgswelle des Zukunftssicherungstarifvertrages hat ein Ende: Von den zuvor einbehaltenen 5,2 Mio. Euro gibt es nun nur noch 730 000 Euro zurück.

Aufsichtsrat Honsel musste Posten räumen

Offiziell heißt es, der Aufsichtsrat und Honsel waren sich uneinig über einen Folgevertrag. Uneinig war man sich wohl auch über die Strukturen. Die Mehrheit im Aufsichtsrat entschied sich daher wohl gegen Honsel, er räumte seinen Posten.Kreiskliniken machen Verluste

Erneut machten die Kreiskliniken in Wolfhagen und Hofgeismar 2018 einen Verlust von 3,3 Millionen Euro. Die beiden Krankenhäuser hatten bereits 2017 ihren Verlust im Vergleich zum Jahr zuvor schon verdoppelt – auf 2,4 Mio. Euro.

Klinikum Kassel ist der Motor des Konzerns

Wie in den Vorjahren erwirtschaftete das Klinikum Kassel als Flaggschiff der Gesundheit Nordhessen wieder einen Gewinn. Mit einem Anteil 77 Prozent bleibt es der Hauptumsatzträger aller Beteiligungen des Unternehmens.

Krankenhaus Bad Arolsen mit erneut positivem Ergebnis

Erneut schließt Krankenhaus Bad Arolsen das Jahr 2018 mit einem leicht positiven Ergebnis. Im Vergleich zum Vorjahr hat das Krankenhaus mit 157 Betten und jährlich rund 6000 Patienten sein Ergebnis auf 200 000 Euro nahezu verdoppelt.

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