Transgender bei Germany's next Topmodel

GNTM-Kandidatin Lucy: In Kassel wird sie überall erkannt

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GNTM-Kandidatin Lucy: In Kassel wird sie überall erkannt

Sie war unter den Top 15 bei Germany’s Next Topmodel: die Kasseler Studentin Lucy. Als Transgender-Model war sie eines der prägenden Gesichter der Sendung.

Wir haben mit ihr über ihre Pläne gesprochen und was sie aus der Show mitnimmt.

Von Los Angeles zurück nach Kassel: Sind Sie schon wieder in Ihrem Alltag hier angekommen?

Ich war die letzte Teilnehmerin, die vor der Winterpause gehen musste. Seit Mitte Dezember bin ich wieder zuhause. Die Sendung ist bereits seit einigen Wochen abgedreht. So ganz bin ich noch nicht wieder angekommen, das liegt vielleicht aber auch daran, dass sich meine Pläne hier etwas geändert haben.

Das heißt?

Ich hatte angefangen, in Kassel Lehramt zu studieren. Das habe ich auf Eis gelegt und das werde ich wahrscheinlich auch nicht mehr fortführen. Insgesamt habe ich mich im Studium nicht so wohl gefühlt, wie ich mir das erhofft habe. Ich werde jetzt einfach schauen, wie es konkret weitergeht. Ich will auf Social Media aktiv bleiben und schauen, was sich ergibt.

Sie könnten sich also auch vorstellen, in Zukunft weiter zu modeln?

Es ist weiterhin mein Traum, auch in Zukunft modeln zu können oder Person des öffentlichen Lebens zu bleiben. Aber das geht eben nicht von jetzt auf gleich. Ich bin auf jeden Fall bereit, alles dafür zu geben.

Waren Sie nach Ihrem Ausscheiden aus der Sendung sehr enttäuscht?

Natürlich war ich enttäuscht. Das ist jeder in dem Moment. Denn jeder Teilnehmer will gewinnen oder zumindest ins Finale kommen. Jeder Platz darunter ist automatisch eine Enttäuschung. Aber mittlerweile habe ich meinen Frieden damit gemacht.

Was war für Sie die größte Herausforderung?

Das Laufen auf dem Laufsteg – jede Woche aufs Neue. Ich weiß jetzt, dass ich nicht wie ein Model laufen kann. Die Sendung hat mir gezeigt, wo meine Stärken und Schwächen liegen. Darum werde ich mich aufs Fotomodeln konzentrieren.

Wie haben Sie Heidi Klum wahrgenommen?

Ich habe Heidi als superlustigen und netten Menschen empfunden. Sie hat immer gute Laune gehabt und versucht, das Positive in allen Kandidatinnen zu sehen. Man hat ihr angemerkt, dass es ihr schwer fällt, jedes Mal jemanden gehen zu lassen.

Sie sind als Junge geboren worden und haben sich vor drei Jahren entschieden, als Frau zu leben. Inwiefern war Ihr Geschlecht ein Thema in der Sendung?

Mit den Mädels hab ich am Anfang ganz viel über mich und meine Geschichte gesprochen. Aber nicht vor Kameras. Später war das kein Thema mehr.

Steht jetzt die geschlechtsangleichende Operation an?

Genau, dafür habe ich alle Anforderungen erfüllt, alle Anträge eingereicht. Für die Operation habe ich bereits einen Termin bekommen.

Nehmen auch Freunde und Bekannte Sie jetzt noch mal anders wahr?

Weil ich vom Dorf komme, wussten schon bei meinem Outing alle Bescheid. Es hat sich einfach herumgesprochen. Deshalb gab es durch die Sendung jetzt keine großen Überraschungen.

Wie haben Sie sich mit den anderen Teilnehmerinnen verstanden?

Mit vielen treffe ich mich auch jetzt noch regelmäßig. Die andere Kasseler Kandidatin Lijana habe ich beim offenen Casting kennengelernt. Wir haben uns dann in den Drehpausen regelmäßig getroffen und waren zusammen in der Stadt. Wir werden uns auch zukünftig noch öfter sehen.

Beim Umstyling haben Sie lange Haare bekommen. Haben Sie die immer noch?

Die Haare waren gut für die Sendung und für die Fotos, die damit entstanden sind. Aber im Alltag war das einfach nichts für mich. Da habe ich auch keine Profi-Stylisten, die die perfekt in Szene setzen können. Deshalb habe ich die Extensions wieder rausnehmen lassen. Meine Haare sehen jetzt fast wieder so aus wie vorher.

Sind Sie in Kassel schon oft erkannt worden?

Ja, in Kassel erkennt man mich ständig. Ich kann hier nicht mehr das Haus verlassen, ohne dass mich jemand erkennt und ein Foto machen will. Die Resonanz ist durchweg positiv. Es sind nette Gespräche entstanden.

Was sagt Ihr Freund zu Ihrem Traumjob?

Mittlerweile unterstützt er meinen Berufswunsch.

Das war nicht immer so?

Nein, am Anfang waren mein Freund und auch mein Vater der Ansicht, dass man eine vernünftige Grundlage braucht. So nach dem Motto: Abitur, Studium, Beruf. Aber in dieses Schema hab ich nie reingepasst. Mittlerweile haben sie das auch verstanden.

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