Geschäfte von der Türkei aus: Göker bestreitet Vorwürfe der Ermittler

Mehmet Göker

Kassel. Der Mann redet sich in Rage, und da sagt man zuweilen Unbedachtes. Etwas, was bisher nur vermutet wurde, erfährt so die Bestätigung aus erster Hand: „Ja, ich habe Beschwerde beim Oberlandesgericht Frankfurt gegen den Haftbefehl gegen mich eingelegt“, sagt Mehmet Göker am Dienstag am Telefon.

Er bestätigt damit, dass es einen Haftbefehl gegen den Ex-Chef des Versicherungsvermittlers MEG gibt. Auch gegen die Fortdauer der Untersuchungshaft seines Vertrauten Vincent Ho gingen seine Anwälte vor: „Wir haben Anzeige wegen Freiheitsberaubung gestellt.“ Mit diesem Thema wird sich ebenfalls das Oberlandesgericht befassen.

Lesen Sie auch:

- HNA-Kommentar: Die Katze maust weiter

Göker-Kunden: Polizei durchsuchte Büros

- Sehnsucht nach dem Herkules: Göker will Zweitwohnsitz in Kassel nehmen

Von den gestrigen Durchsuchungen habe er von Vertrauten erfahren, sagt der 33-Jährige. Die hätten berichtet, dass Beamte bei Maklern und Versicherungen erschienen seien. „Die haben nur Fragen gestellt und nichts mitgenommen“, sagt Göker. Dass er beschuldigt wird, Geschäftsdaten verraten zu haben, verstehe er nicht. „Ich habe niemals alte MEG-Daten an Dritte weitergegeben“, sagt er. Das sei der Staatsanwaltschaft seit Monaten bekannt.

Er mache „natürlich“ mit Daten potenzieller Versicherungskunden Geschäfte, sagt Göker. Als Angestellter in der Firma seiner Mutter. Damit habe er in den vergangenen drei Jahren zwischen 1,4 und 1,6 Millionen Euro Umsatz gemacht. Als Grundlage nutze er aber ausschließlich neue Datensätze, nicht alte der MEG.

HNA-Lexikon

Mehr über Mehmet Göker erfahren Sie im Regiowiki der HNA

Doch auch wenn er die MEG-Daten, die in die Insolvenzmasse gehörten, weiterverkaufen würde, hätte er sich seiner Meinung nach nicht strafbar gemacht, sagt Göker. Denn: Die Daten seien so alt, dass sie nichts mehr wert seien. Göker nennt ein Beispiel für seine Einschätzung der Rechtslage - und wählt dazu ein Produkt, das in die prahlerische Luxuswelt der MEG gepasst hätte: „Wenn ich bei Rolex eine Uhr klaue, die, sagen wir mal, null Euro wert ist, und die Uhr dann für 100.000 Euro verkaufe, dann ist doch Rolex überhaupt kein Schaden entstanden.“ Man darf bezweifeln, dass die Staatsanwaltschaft dieses Beispiel für ein gutes Argument hält.

Fotos: Mehmet E. Göker - einst mal schillernder Unternehmer

Mehmet E. Göker - einst schillernder Unternehmer

Von Frank Thonicke

Mehr zum Thema am Mittwoch in der gedruckten Ausgabe.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.