MEG-Generalbevollmächtigter

Vincent Ho: Aufstieg und Fall von Gökers Erfüllungsgehilfen

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Damals lachte man noch: Mehmet Göker (links) und Vincent Ho guckten sich Klaus Sterns Film „Versicherungsvertreter“ im Kasseler Bali-Kino an. 

Kassel. Er war in der MEG so schnell aufgestiegen wie kaum ein anderer - vom unbekannten, kleinen Versicherungsvertriebler bis zum Generalbevollmächtigten. Jetzt folgte der tiefe Fall.

Vincent Ho (26), der als rechte Hand und Vertrauter Mehmet Gökers galt, sitzt in Untersuchungshaft. Die frühere Chefetage der MEG musste er nun mit der Gefängniszelle in Kassel-Wehlheiden tauschen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Betrug, Verrat von Betriebs- und Geschäftsgeheimissen und das Beiseiteschaffen von Geschäftsdaten vor.

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Vincent Ho war als 20-Jähriger zu MEG gekommen. Dass der junge Mann so schnell Karriere machte, wunderte nicht wenige in der MEG, die zu Spitzenzeiten mehrere Hundert Mitarbeiter hatte. Denn eigentlich, so wurde bei dem Versicherungsvermittler getuschelt, tat sich Vincent Ho nicht durch herausragendes Können hervor.

Mehmet Göker hatte Vincent Ho schnell zum Direktor im Vertrieb gemacht. Doch Ho hatte seinen Laden nicht im Griff, Mitarbeiter liefen ihm weg, erzählen Ex-MEGler. Er scheiterte grandios.

Doch statt im hohen Bogen hinauszufliegen, wurde er von Göker sogar noch befördert. Dass Vincent Ho zum Generalbevollmächtigten ernannt wurde, schlug damals bei der MEG wie eine Bombe ein. Denn als Generalbevollmächtigter hatte Vincent Ho das Recht, alle Verträge zu unterschreiben.

Mehmet Göker schien zu schmeicheln, dass Vincent Ho eine Art Klon von ihm selbst war - nur nicht so intelligent. Er war ein Erfüllungsgehilfe, der nie aufbegehrte, der stets das machte, was sein Chef anordnete. Er biss nie die Hand, die ihn fütterte.

Frühere MEGler schildern, dass Vincent Ho oft schlecht von Göker behandelt worden sei. Einer Anekdote zufolge habe Vincent Ho eines Tages Mehmet Göker seine Freundin vorgestellt. Doch die gefiel Göker offensichtlich nicht. Die Folge: Vincent Ho soll sich schnell wieder von der Frau getrennt haben.

Hintergrund: Das droht Mehmet Göker

Dem früheren MEG-Chef Mehmet Göker drohen zwei Gerichtsverfahren. Zum einen sind die Ermittlungen in dem Hauptverfahren unter anderem wegen Insolvenzverschleppung und dem Handel mit Datensätzen noch nicht abgeschlossen.

Wie aus Justizkreisen zu hören ist, sei man aber auf einem guten Weg. Sollte Göker wegen dieser Delikte verurteilt werden, droht ihm Gefängnis. Für eine weitere mögliche Verhandlung gibt es ebenfalls noch keinen Termin. Hier lautet die Anklage gewerbsmäßiger Betrug. Die Anklageschrift ist bereits fertig, ob und wann es eine Verhandlung gibt, hat das Gericht noch nicht entschieden.

Neben Göker sind auch der frühere MEG-Fuhrparkleiter Thomas H. und dessen Ehefrau angeklagt. H., der auch Sportdirektor beim von Göker geförderten VfB Süsterfeld war, steckte laut Staatsanwaltschaft in der Insolvenz. Göker half und stellte ihn ein. Wegen des Insolvenzverfahrens durfte H. aber offiziell nicht viel verdienen, er wäre gepfändet worden. Er bekam als Fuhrparkleiter nur 1500 Euro. Seine Ehefrau wurde ebenfalls eingestellt - sie erledigte für 6000 Euro im Monat Büroarbeiten.

Von Frank Thonicke

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