Treppenstraße leidet unter häufigen Geschäftswechseln

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Große Sprünge: Jan Zindler steuert regelmäßig den Skateboardladen „Titus“ an. Der ist mit der Resonanz zufrieden.

Kassel. Die Treppenstraße ist im ständigen Wandel. Auch wenn keine hohen Leerstände zu beklagen sind, fallen die häufigen Wechsel ins Auge. Neben einigen wenigen alteingesessenen Geschäften eröffnen dort im schnellen Wechsel immer wieder neue Läden.

Nun verlässt mit der Unterhaltungselektronik-GmbH Sound Brothers ein großes Unternehmen die Einkaufsstraße. Es zieht an die Wolfsschlucht/Ecke Theaterstraße.

Dabei war der Standort laut Inhaber Wolf Tauer nicht der Grund, sondern eine fehlende Klimaanlage. „Das Problem ist die Hitze“, sagt er. Im Sommer heizten sich die Geschäftsräume hinter der 50-Meter-Südfront bis zu 55 Grad auf. Nach zwölf Jahren ist deshalb für ihn an der Treppenstraße Schluss. Mit 30 000 Kunden im Jahr sei sein Geschäft schon ein Zugpferd gewesen, sagt der 56-Jährige. Noch ist unklar, wie die weitläufigen Räume künftig genutzt werden. Nach Angaben von Hauseigentümer Eon Mitte laufen Verhandlungen mit verschiedenen Interessenten.

Viele Stammkunden: Seit 32 Jahren ist Reinild Deiselmann mit ihrem Spielwarengeschäft „Schöner Spielen“ an der Treppenstraße.

Reinild Deiselmann von dem Spielwarengeschäft „Schöner Spielen“ befürchtet einen längeren Leerstand. „Die goldenen Zeiten sind vorbei“, sagt sie über die Treppenstraße. „Die gute Mischung von Fachgeschäften gibt es nicht mehr.“ Stattdessen gebe es ein Kommen und Gehen. Viele Läden seien nach einem halben Jahr wieder weg, sagt die Geschäftsfrau. Sie selbst ist seit 32 Jahren vor Ort und setzt auf Stammkunden. Viel Laufkundschaft gebe es nicht mehr, sagt sie, auch wenn sich die Situation mit der Regiotram etwas gebessert habe. Die einstige Vorzeigestraße verarme immer mehr. Auch die Interessengemeinschaft der Kaufleute an der denkmalgeschützten Einkaufsstraße habe sich vor Jahren aufgelöst. „Wir kriegen nicht mal die Weihnachtsbeleuchtung zusammen“, sagt sie.

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Die Treppenstraße, bei ihrer Anlage in den 50er-Jahren Sinnbild für fortschrittliche Stadtplanung, würde heute wohl nicht mehr so gebaut, meint die Kauffrau. Ob Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen - die Treppen seien eben eine zu große Barriere.

Andere sind mit dem Standort durchaus zufrieden. „Hier ist mehr Laufkundschaft“, sagt etwa Christian Nowakowski vom Skateboardladen „Titus“. Der ist vor drei Jahren von der Neuen Fahrt an die Treppenstraße gezogen und hat es nicht bereut. Im Gegenteil: „Viele Kids, die von außerhalb kommen, gehen hier vorbei.“

Im unteren Teil der Treppenstraße zwischen Neuer Fahrt und Königsstraße gebe es genügend Laufkundschaft, heißt es auch bei „Schuh Geiz“. Allerdings muss der Laden bald schließen. Das Geschäftshaus wird umgebaut. „Wir wollen es attraktiver gestalten für die Zukunft“, sagt Alexander Kropf von der Kropf Immobilienverwaltung. „Es wird eine schöne Ecke.“

Von Ellen Schwaab

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