Stadtmuseum: Fassade wird nach Sanierung einfarbig - Zusammenspiel von Alt und Neu

Goldrand hat ausgedient

Einst in Klinkeroptik: Das Gebäude des heutigen Stadtmuseums wurde 1869-71 als Kunsthaus erbaut. Damals hatte die Fassade die Farbe der Ziegelsteine. Diese undatierte Aufnahme entstand vermutlich in den 1920er-Jahren. Foto: Stadtmuseum Kassel / nh

Kassel. Wer das eingerüstete Stadtmuseum in diesen Tagen genauer betrachtet, könnte vermuten, dass es nach der Sanierung gestreift sein wird. In der Ecke am Eingang sind in breiten Streifen verschiedene Rot- und Ockertöne aufgebracht. Doch sie dienten nur der Entscheidungsfindung. Die Fassade wird künftig einen einfarbigen Anstrich in Hellbeige oder Hellgrau erhalten.

Bei der gestreiften Ecke handelt es sich lediglich um eine Art Testfeld. Weil der 1869-71 errichtete Bau ursprünglich eine Klinkerfassade hatte, wollte man ausprobieren, ob der Farbton in der neu gestalteten Fassade wieder aufgenommen werden könnte. Das wurde aber verworfen. Stattdessen wird einer der beiden oberen hellen Streifen der Testecke dem künftigen Farbton des Stadtmuseums, das Anfang 2015 wiedereröffnen soll, nahekommen.

Einfarbig ist übrigens wörtlich zu nehmen: Die Goldverzierungen an den Rosetten und anderen Schmuckelementen der klassizistischen Fassade werden bald der Geschichte angehören. Das Blattgold sei erst nach dem Zweiten Weltkrieg angebracht worden, erklärt Axel Jäger, Leiter des städtischen Hochbauamts. „Das ist absolut nicht historisch.“ Der edle Glanz kam erst nach der Wiederherstellung des Gebäudes, das im Zweiten Weltkrieg massiv beschädigt wurde, ins Spiel. „In den 50er-Jahren hatte man alles gern ein bisschen niedlicher“, sagt Jäger. Wenn Ende März - sofern es das Wetter zulässt - die Fassadengestaltung beginnt, wird das Gold übertüncht.

Die Stadt, die in die Sanierung des Museums nach enormen Kostensteigerungen 11,9 Millionen Euro steckt, verspricht sich davon eine schlichte Eleganz der Fassade. Allein das einfallende Licht und die Schatten auf den Reliefs erzeugten schon attraktive Effekte, sagt Jäger. Während die gesamte Fassade des Altbaus also in einer hellen Farbe erstrahlen soll (die Fensterrahmen setzen sich dagegen dunkel ab), wird das ursprüngliche Element Klinker in dem Neubauturm im rückwärtigen Bereich wieder aufgenommen. Der Turm wird aber nicht ziegelsteinrot, sondern sandfarben verklinkert.

Die bereits zugemauerten Fensterbögen an der Seite zum ehemaligen Bundesbankgebäude werden in demselben Stein ebenfalls verklinkert, sagt Axel Jäger. „So verzahnt sich Neues mit Altem.“ Auch in dem ursprünglichen Gebäude, das als Galerie genutzt wurde, waren übrigens die Fenster teilweise zugemauert. Heute seien die meisten Museumsbauten fensterlos, erklärt der Hochbauamtsleiter, um die Ausstellung im Innern besser durch besondere Lichteffekte oder auf Monitoren zu inszenieren.

Aber auch ein attraktives Äußeres soll das grundsanierte Stadtmuseum eben haben. Wenn das Wetter keinen Strich durch die Rechnung macht, soll die erneuerte Fassade (Kosten dafür: 76 000 Euro) Ende Mai fertig sein.

Von Katja Rudolph

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