Überall neue Ankaufsläden

Goldrausch in Kassel: Hoher Börsenkurs lockt Händler von Schmuck und Altgold

Kassel. Bei „Goldankauf Kassel“ am Opernplatz ist der Laden voll: Sechs Kunden warten am Tresen, breiten nacheinander Armbänder, Ketten, alte Zahnkronen, Münzen und andere Goldartikel aus. Die beiden Mitarbeiter prüfen, wiegen den Kopf, machen schließlich ein Preisangebot. Gold bbomt derzeit.

Nichts deutet äußerlich darauf hin, dass ihre Kundschaft jeden Euro dringend nötig hätte. Aber informiert scheinen die Goldverkäufer zu sein. „Da habe ich woanders aber schon einen besseren Preis gehört“, sagt eine Dame, die für ihr kleines Sortiment gut 1000 Euro erwartet. „Das kann ich Ihnen auch anbieten“, lenkt der Ankäufer ein. Auch ein älterer Mann hat feste Vorstellungen: „Eine goldene D-Mark – was bringt die denn?“ 380 Euro? „Zu wenig! Und diese Uhr?“

Das Allzeithoch des Edelmetalls an der Börse reizt nicht nur immer mehr Menschen zur Schatzsuche in heimischen Schubladen. Auch die innerstädtische Geschäftswelt scheint vom Goldrausch erfasst: In nahezu jeder größeren Straße werben auffällige Schilder vor Ladengeschäften mit „Tageshöchstpreisen“ und Slogans wie „Sofort Bargeld“.

Ladenmiete lohnt sich

„Es scheint sich für diese Händler derzeit zu lohnen, ein Ladengeschäft anzumieten“, sagt Carsten Heustock von der Industrie- und Handelskammer Kassel. Die Gewerbeaufsicht bei der Stadt Kassel verzeichnet seit zwei Jahren eine rege Zunahme von Betrieben, die sich – Juwelier- und Schmuckgeschäfte eingeschlossen – mit dem Goldhandel beschäftigen. Von insgesamt 44 solcher Betriebe seien allein 20 im Jahr 2009 neu aufgemacht worden. 2010 kamen sechs hinzu, in diesem Jahr bereits weitere drei.

Ankaufspreise variieren

Vergleichen ist also einfach für jene, die mit Omas altem Armband ein paar Euro verdienen wollen. „Ich würde es ja genauso machen“, sagt Yavuz Doganay, der das Geschäft „Goldankauf 24“ an der Wolfsschlucht betreibt. Und das scheint sich für die Kunden zu lohnen: Bei der Marge, die die Ankäufer für sich selbst einbehalten, scheint es merkliche Unterschiede zu geben. Gegenüber der HNA sprachen manche Händler von 15 bis 20 Prozent des ermittelten Feingoldwerts, andere von lediglich 7 bis 8 Prozent.

In dem hart umkämpften Markt könne man sich auf Dauer nur durch seriöse Beratung behaupten, damit durch Mundpropaganda weitere Kunden kommen, sagt Doganay, der das Geschäft seit vielen Jahren kennt. Trotzdem, so bekennt er, sei auch er schon einmal Betrügern aufgesessen, die vom Goldboom ebenfalls angelockt würden. Die würden mit nicht massivem, sondern nur hartvergoldetem Schmuck von Laden zu Laden ziehen, bis sie einen Ankäufer finden, der sich täuschen lasse.

„Der Goldpreis steigt und steigt“, sagt Sami Erdinc, Geschäftsführer des Ankaufsladens am Opernplatz. Doch das Ende des Goldrauschs sei bereits absehbar. „Seit drei Jahren verkaufen die Leute ununterbrochen ihr Gold“, sagt Erdinc. Irgendwann würden die häuslichen Bestände erschöpft sein. Weitere Artikel

Von Axel Schwarz

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