Im Alter von 86

Goodbye, Discokönig: Klaus Richter, Chef des legendären „Club 21“, ist gestorben

Der letzte Drink: Klaus Richter steht kurz vor der Schließung seiner legendären Disco „Club 21“ im Jahr 2002 an der Theke.
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Der letzte Drink: Klaus Richter steht kurz vor der Schließung seiner legendären Disco „Club 21“ im Jahr 2002 an der Theke.

Der Besitzer des legendären Kasseler „Club 21“, Klaus Richter, ist gestorben. Wir erinnern uns an den „Discokönig“.

Kassel – Er war ein Mensch mit vielen Facetten: Klaus Richter hat das Leben ausgekostet und gern gefeiert, er hat viel Sport getrieben und in sich geruht, er war kreativ, sozial, war abenteuerlustig und ehrgeizig. Er kannte keine Langeweile. Er war beliebt, ein treuer Freund und hatte viele Freunde. Alter und Herkunft spielten für ihn dabei keine Rolle.

Er war ein Womanizer, ein Lebemann, ein Genussmensch, der gern und gut gekocht hat. Er war eine Granate, ein Original, sagen seine Wegbegleiter Eckhard Ochs und Dave Schmidt. Ob er mit dem „Club 21“ die erste Disco in der Welt oder in Deutschland hatte, darüber wird bis heute diskutiert. Fest steht: Er war Kassels Discokönig, der Erfinder der After-Work-Party und Pionier der Event-Gastronomie in Nordhessen. Das Glas war für ihn immer halb voll, nie halb leer.

Kassel: Besitzer des „Club 21“ war ein Lebemann

Und er hatte schwarzen Humor. Wenn Klaus Richter mit seinen Freunden vom Wanderclub ein Mal im Monat in die Natur zog, dann gab es für ihn nur eine Ausrede für eine Nichtteilnahme: „Die einzige Entschuldigung ist ein Totenschein.“

Im Alter von 86 Jahren ist Klaus Richter am 3. Mai gestorben. Er war seit vielen Jahren an Demenz erkrankt. Auch wenn es ihm nicht mehr so gut ging, so habe er immer noch den Wunsch gehabt, Menschen um sich zu haben, sagt seine Frau Jutta Lichtenrad, mit der er seit 2002 in dritter Ehe verheiratet war. Aus den ersten beiden Ehen hatte Richter drei Töchter und einen Sohn. Bis zum Schluss sei er zudem durch und durch Gastronom geblieben. Auch wenn es ihm schlecht ging, sagte er noch: „Der Tisch muss abgeräumt werden.“

Klaus Richter kam 1946 nach Kassel - 1959 folgte der erste eigene Club

Vor rund 60 Jahren begann Richters Gastro-Karriere. Der in Hirschberg (Schlesien) geborene Richter war 1946 mit seinen Eltern nach Kassel gekommen. Der Sohn der einstigen Awo-Geschäftsführerin und SPD-Kommunalpolitikerin Käthe Richter lernte zunächst Dekorateur. Allerdings stellte er Ende der 50er-Jahre fest, dass es in Kassel keine Begegnungsstätte für junge Leute gab.

In den Bars und Tanzcafés herrschte meist Garderoben- und Gedeckzwang. Da reichte das Taschengeld nicht aus, erinnerte sich Richter im Juli 2003 in einem HNA-Interview. So machte er 1959 kurzerhand seinen eigenen Club in den Kellerräumen des Autohauses Bierschenk am Friedrichsplatz auf. Der Laden brummte sofort. 1966 wurde es dort zu eng und Richter zog in die Friedrich-Ebert-Straße um. Zu der Zeit gab es hier nur das Café Lange. Nach und nach machten weitere Läden auf. Ohne Klaus Richter würde es das Bermudadreieck in seiner heutigen Form nicht geben.

Vom „Club 21“ bis hin zum Zissel - Richter stellte vieles in Kassel auf die Beine

Doch der „Club 21“ reichte dem innovativen Gastronomen nicht aus. 1965 eröffnete er die Standuhr in der Fünffensterstraße. Daneben organisierte er zig Veranstaltungen in der Stadt wie die Aufführung von „Schwanensee“ in der Löwenburg oder eine Modenschau an den Kaskaden. Er stellte das Stadtfest auf die Beine, veranstaltete Konzerte, rief das Straßenfest auf der Friedrich-Ebert-Straße ins Leben. Bis zur Schließung im Jahr 2002 war er mit seinem „Club 21“ auch immer auf dem Zissel und legte dort Platten auf. „Als DJ bin ich schon mal aus mir rausgegangen“, sagte Richter über diese Tätigkeit.

Auch wenn er bis morgens um 6 Uhr in seinem Laden stand, dann scheute sich Richter nicht, nach einer durchzechten Nacht 15 Kilometer zu wandern. „Feiern, aufstehen, arbeiten“ war genauso ein Motto von Klaus Richter wie „Lieber tot als Zweiter“. Dafür hat er dann auch schon mal mit dem Einsatz- und Fahndungskommissariat der Polizei trainiert. Die Beamten kannte er natürlich aus dem „Club 21“.

Ein Kenner der Musik: Klaus Richter legte auch Platten im „Club 21“ auf.

Klaus Richter findet seine letzte Ruhestätte im Reinhardswald im Kreis Kassel

Das war damals der Treffpunkt für alle. Viele sahen ihn nicht nur als Gastgeber, sondern er war wie ein großer Bruder oder Vaterersatz. Legendär waren Richters Einladungen am Vormittag des Heiligabends mit Champagner und Austern. Ob seine Gäste links waren oder konservativ, das sei ihm egal gewesen. Richter war selbst Mitglied der SPD, bis Gerhard Schröder Kanzler wurde. Dessen Agenda-Politik hat ihm zum Austritt bewegt.

Aus der katholischen Kirche musste er nicht austreten, aus der wurde er exkommuniziert, nachdem er kritisiert hatte, dass die Kirche Werbung für die CDU macht, erzählt seine Frau. „Da war er stolz drauf.“

Klaus Richter war kein Mensch, der darauf Wert legte, Reichtum anzuhäufen. Allerdings umgab er sich gern mit erfolgreichen Menschen. Ob erfolgreich oder nicht – für die vielen Gäste des „Clubs 21“ wird Klaus Richter unvergesslich bleiben. Seine letzte Ruhestätte findet er im Reinhardswald. (Ulrike Pflüger-Scherb)

Wenn Sie einen gerade Verstorbenen kennen, über den wir einen Nachruf schreiben sollten, melden Sie sich bei uns unter 0561/203-1431 oder per Mail an kassel@hna.de.

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