Grünen-Politikerin wird als „Pendler-Senatorin“ bezeichnet

Ehemalige Kasseler Dezernentin Ulrike Gote in Berlin in der Kritik

Ulrike Gote in Berlin: Der Screenshot zeigt einen Ausschnitt des Artikels im Tagesspiegel.
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Ulrike Gote in Berlin: Der Screenshot zeigt einen Ausschnitt des Artikels im Tagesspiegel.

Noch bevor sie in ihrer neuen Funktion als Gesundheits- und Wissenschaftssenatorin von Berlin auch nur zu arbeiten anfangen konnte, war die ehemalige Kasseler Dezernentin Ulrike Gote schon das Ziel von aufgeregter Kritik.

Kassel. Nur wenige Tage nach Amtsantritt der Grünen-Politikerin hatten ihr die Medien bereits den Spitznamen „Pendler-Senatorin“ (Berliner Zeitung) verpasst. Journalisten und auch Politiker kaprizierten sich darauf, dass sich Ulrike Gote gegenüber der HNA Anfang Dezember für ihr Abschiedsporträt dahingehend geäußert hatte, dass sie in Kassel nahe des ICE-Bahnhofs wohne und zunächst problemlos nach Berlin pendeln könne. Das Haus in Wehlheiden hatten sich Ulrike Gote und ihre Familie erst Monate zuvor gekauft und waren dort eingezogen.

Schon am 31. Dezember schrieb die Berliner Zeitung: „Neue Gesichter prägen den Senat, auch eine Fern-Pendlerin ist darunter.“ Die Überschrift lautete „Fernbeziehung: Gesundheitssenatorin Ulrike Gote pendelt nach Berlin“. Im Artikel heißt es: „Ulrike Gote pendelt zu ihrem Arbeitsplatz wie Millionen anderer Menschen in Deutschland auch. Das wäre also nicht der Rede wert, wäre Gote nicht neue Berliner Gesundheitssenatorin und läge ihr Wohnort nicht 300 Kilometer Luftlinie von Berlin entfernt.“

Allerdings schreibt die BZ dann fälschlicherweise, dass Gote gerade erst ein Haus in Kassel gebaut habe, „weshalb ein Umzug sich nicht anbiete“. Doch weder hat Gote in Kassel ein Haus gebaut, noch hat sie gegenüber der HNA gesagt, dass sie nicht umziehen werde. Eine Art Stille Post, bei der am Ende Fakten auch schon mal Fake werden können.

In dem viel zitierten HNA-Artikel vom 7. Dezember zitieren wir am Ende Ulrike Gote, dass sie und ihre Familie in Kassel wohnen bleiben werde: „Die fußläufige Nähe zum ICE-Bahnhof mache ein Pendeln vorerst möglich.“ Mit Betonung auf „vorerst“. Alles andere war zu dem Zeitpunkt ja auch noch nicht machbar, hatte sie doch gerade erst eine Woche zuvor die Anfrage aus Berlin bekommen und zugesagt, noch vor Weihnachten ihre Ämter anzutreten.

Wir haben Ulrike Gote zuletzt am 15. Dezember in ihrer Funktion als Schuldezernentin in Kassel gesprochen. Da erzählte sie uns freudestrahlend, dass sie innerhalb von wenigen Tagen über ein Immobilienportal eine Wohnung in Berlin gefunden und angemietet habe.

Doch den Stempel Pendlerin hatten ihr die Berliner bereits aufgedrückt. Der Tagesspiegel berichtete, dass die Berliner CDU wissen will, ob Ulrike Gotes Wohnort in Hessen mit ihrem Job in Berlin vereinbar sei.

Die Grünen und Gote hätten „eine Debatte am Hals, wie ernst es Gote denn meint, mit dem Amt in der Metropole“, schreibt der Tagesspiegel zuletzt und fragt: „Kann sie überhaupt Berlin?“ Gote fühlte sich verpflichtet, öffentlich zu erklären, dass sie die meiste Zeit, auch an Wochenenden, in Berlin sei und „hin und wieder in Kassel, das ihr Hauptwohnsitz bleibe – wegen des Gatten“, wie der Tagesspiegel schreibt. Ob das Spiegelfechten der Berliner Presse damit zu Ende ist? Wohl kaum. (Christina Hein)

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