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Gotteshäuser sind Energie-Sorgenkinder: Evangelische Kirche treibt Klimaschutz voran

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Von: Katja Rudolph

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Kassel – Die evangelische Erlöserkirche in Fasanenhof ist mit ihrer Photovoltaikanlage auf dem Dach Vorreiterin und Ausnahmefall unter den Kasseler Gotteshäusern. Seit 2009 ist die Kirche, die nach dem Krieg neu errichtet worden war, mit Solarmodulen ausgestattet. Weil die meisten Kirchen denkmalgeschützt sind, ist eine solche Nachrüstung meist nicht möglich.

Neben den 33 Kirchen und Kapellen besitzt der evangelische Stadtkirchenkreis aber 116 weitere Gebäude: Pfarrhäuser, Kitas, Gemeindezentren und Wohnhäuser. Auf deren Dächern sollen nun, wo möglich, nach und nach PV-Anlagen installiert werden. Mit dieser und vielen weiteren Maßnahmen will die evangelische Kirche in Kassel einen möglichst großen Beitrag für das von der Stadt ausgegebene Ziel leisten, 2030 klimaneutral zu sein.

In einem Rahmenplan, den die evangelische Stadtsynode kürzlich beschlossen hat, sind konkrete Empfehlungen und Selbstverpflichtungen festgeschrieben. Dabei sei der Gebäudesektor das komplexeste Handlungsfeld für den Klimaschutz, sagt Gabriele Heppe-Knoche, Umweltbeauftragte des Stadtkirchenkreises. Wie hoch die durch kirchliche Gebäude in Kassel verursachten CO2-Emissionen sind, lasse sich schwer errechnen. Man warte derzeit auf das Ergebnis einer in Auftrag gegebenen Energiebilanz für fünf exemplarische Gebäude, so die Pfarrerin. Unterdessen hat der Stadtkirchenkreis bereits eine Partnerschaft mit der Bürgerenergiegenossenschaft Kassel & Söhre geschlossen. Diese wird nach und nach auf allen kirchlichen Gebäuden die Installation von Solaranlagen prüfen und umsetzen. Erstes Beispiel ist die Ev. Kita Kirchditmold, deren Anlage in Kürze ans Netz gehen soll. Sechs weitere Projekte sind in Planung, berichtet Stadtdekanin Barbara Heinrich, darunter mit der Immanuelkirche im Forstfeld auch ein weiteres Gotteshaus jüngeren Baujahrs.

Alle in Frage kommenden Gebäude des Stadtkirchenkreises sollen zudem schrittweise energetisch saniert werden und dabei die Wärmeerzeugung möglichst auf Fernwärme, Wärmepumpen oder Biomasse umgestellt werden. Was das Heizen betrifft, sind ebenfalls die Kirchen die Sorgenkinder. Denn das Hochheizen für den Sonntagsgottesdienst oder andere Veranstaltungen kostet viel Energie – und damit auch immer mehr Geld.

Daher sind Gemeinden angehalten, ihre Gottesdienste im Winter in besser heizbare Gemeinderäume auszulagern. Abzuwarten sei dabei allerdings, wie sich die Coronalage im Herbst entwickele, sagt Dekanin Heinrich. Abstandsregeln würden das Ausweichen auf kleinere Räume erschweren. Denkbar sei auch, dass in den übergemeindlichen Kooperationsräumen nur noch eine Kirche sonntags einlade.

Auf die Frage, ob die Kirchen angesichts dieser Problematiken überhaupt noch alle zu halten sind, sagt Heinrich: „So wie Corona die ohnehin anstehende Digitalisierung beschleunigt hat, werden Klimawandel und Energiekrise die Frage nach vorne bringen: Was können wir noch finanzieren und brauchen wir noch alle Kirchen?“ Es gelte in jeder Hinsicht, Dinge neu zu denken, statt alles so weiterzumachen, wie immer.

Die beschlossenen Klimaschutzmaßnahmen seien mit immensen Kosten und einem hohen Arbeitsaufwand verbunden, sagt Gabriele Heppe-Knoche. Klimaneutral werde die evangelische Kirche in Kassel bis 2030 wohl nicht sein, sagt die Pfarrerin. „Es kommt darauf an, dass wir möglichst nah an das Ziel herankommen. Jeder Schritt dahin ist ein Gewinn.“ Auch im Sinne der Bewahrung der Schöpfung seien alle Gemeinden sowie jeder Einzelne gefordert, sich einzubringen. (Katja Rudolph)

Die evangelische Erlöserkirche in Fasanenhof.
Eins der wenigen Gotteshäuser mit Solaranlage: die Erlöserkirche Fasanenhof. © Andreas Fischer

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