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Gründer der Kasseler Vätergruppe über die Nöte nach Trennungen: „Grabenkämpfe belasten die Kinder“

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Von: Bastian Ludwig

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Bei einer der zahlreichen Aktivitäten: die Vätergruppe Kassel bei einem Waldwochenende in einem Waldpädagogikzentrum bei Hann. Münden. Damals wurden mit den Kindern Wildholzmöbel gebaut.
Bei einer der zahlreichen Aktivitäten: die Vätergruppe Kassel bei einem Waldwochenende in einem Waldpädagogikzentrum bei Hann. Münden. Damals wurden mit den Kindern Wildholzmöbel gebaut. © privat

Der Gründer der Kasseler Vätergruppe kennt die Probleme, die nach Trennungen auftauchen. Im HNA-Interview spricht er über alte und neue Herausforderungen für Trennungsväter.

Kassel – Bevor die Vätergruppe Kassel vor 25 Jahren gegründet wurde, waren viele getrennt lebende Väter verzweifelt. Es gab einfach keine Anlaufstelle, bei der sie sich über ihre damals noch wenigen Rechte in Bezug auf den Umgang mit ihren Kindern informieren konnten. Wir sprachen mit dem Vereinsgründer und Vorsitzenden Achim Mathusek über die Entwicklung und die Probleme heutiger Väter .

Herr Mathusek, in was für einer Situation haben Sie die Gruppe gegründet?

Das waren noch ganz andere Zeiten. Es war 1995, ich war gerade von der Mutter meiner damals zweijährigen Tochter getrennt und stellte fest, dass es in Kassel keine Anlaufstelle für Trennungsväter gibt. Also schaltete ich kurz darauf in der HNA eine Kleinanzeige: ‘Suche sorgerechtsgeschädigte Väter zum Aufbau einer Vätergruppe’. Sie erschien witzigerweise in der Rubrik „Verkauf“, weil es damals noch keine passende Rubrik gab. Dennoch meldete sich ein alleinerziehender Vater, gemeinsam vereinbarten wir, eine Selbsthilfegruppe aufzubauen. Es meldeten sich immer mehr Väter und wir beschlossen 1997 einen eigenen Verein zu gründen.

Welche Rechte hatten Trennungsväter damals?

Es waren keine guten Zeiten damals. Es gab nur ein gemeinsames Sorgerecht, wenn die Mutter diesem zustimmte. Bei nicht ehelichen Partnerschaften hatten die Väter gar keine Chance, das Sorgerecht zu erhalten – selbst wenn die Mutter einverstanden war. Erst seit einer Gesetzesreform im Jahr 1998 sind beide Eltern nach einer Trennung generell sorgeberechtigt. Nun konnten auch nicht verheiratete Paare das gemeinsame Sorgerecht beantragen. Es gab im Vorfeld viel Widerstand gegen die Reform.

Wieso das?

Manche waren der Meinung, Väter sollten der Mutter bei wichtigen Fragen nicht reinreden können. Es wurden da zum Teil abstruse Argumente ins Feld geführt: Es galt als unvorstellbar, dass Erzeuger sich nach einem One-Night-Stand bei der Erziehung des Kindes einmischen dürfen.

Wie waren Ihre persönlichen Erlebnisse?

Die Mutter meiner Tochter und ich versuchten, uns nach der Trennung, über das Umgangsrecht und allgemeine, das Kind betreffende Angelegenheiten zu einigen. Aber ich hatte kein Sorgerecht und war somit beispielsweise auf keinem Elternabend.

Wie waren die Reaktionen damals auf Ihren Verein?

Viele waren dankbar. Endlich gab es einen Ort, wo es Austausch und Informationen gab.

Mit welchen Nöten kommen die Väter?

Es ist eine große Herausforderung, die elterliche Verantwortung als getrenntes Paar aktiv zu gestalten. Es gibt Fälle, in denen die Kooperation der Eltern gut funktioniert und Fälle, wo es gar nicht klappt. Oft schwankt das auch im Laufe der Zeit. Nicht selten spielen neue Partner und finanzielle Fragen dabei eine wesentliche Rolle.

Sind die Position und die Rolle der Väter aber nicht gestärkt worden?

Tendenziell ist das glücklicherweise zu beobachten. Es gibt ein größeres Bewusstsein dafür, dass es für Kinder nach einer Trennung wichtig ist, einen guten Kontakt zu beiden Eltern zu haben. Es erleichtert die Situation für das Kind, wenn es nicht in Loyalitätskonflikte gerät. Grabenkämpfe belasten die Kinder, das sollten sich die Eltern bewusst machen. Wir raten in solchen Fällen zur professionellen Paarberatung, die wir nicht leisten können.

Gibt es gesetzliche Vorgaben für den zeitlichen Umfang des Umgangs?

Es ist nicht gesetzlich geregelt, wie die Eltern das Umgangsrecht praktizieren. Eltern können das beliebig gestalten, einige tendieren mittlerweile auch zum Wechselmodell. In Streitfällen gibt es Urteile. Da werden häufig Besuchsregelungen alle 14 Tage am Wochenende und einmal unter der Woche festgelegt. Es ist aber immer besser, wenn sich getrennte Eltern – vielleicht auch mithilfe von Beratungsstellen – außergerichtlich einigen. Gerichtsbeschlüsse werden mindestens von einer Seite oft als Benachteiligung empfunden.

Haben Sie den Eindruck, dass Eltern in solchen Streitfragen das Kindeswohl vorne anstellen?

In hochstrittigen Fällen bin ich mir nicht immer sicher, ob das so ist. Wir kennen aber zugegebener Weise natürlich nur die eine Seite.

Ihr Verein ist aber längst nicht mehr nur für Trennungsväter da.

Das ist richtig, der Verein hat sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt. Wir bieten eine breite Palette von Angeboten für alle Väter. Dazu zählen Beratungs- und Austauschangebote für junge Väter. Außerdem bieten wir ein breites Spektrum an Vater-Kind-Wochenenden an. Auch eine Segelwoche auf der Ostsee gehört zum Programm. Somit haben wir Angebote für Väter mit Kindern in jedem Alter. Uns ist es wichtig, Angebote für Väter in allen Lebenslagen anzubieten, und sie bei einer aktiven Vaterschaft zu unterstützen. (Bastian Ludwig)

Festakt: Am Freitag, 7. Oktober, findet ab 19 Uhr eine Jubiläumsfeier im Sandershaus statt.

Kontakt zur Gruppe: vaetergruppe-kassel.de, Tel. 0561/ 97 91 53 33, info@vaetergruppe-kassel.de

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