Graffiti-Schmierereien verursachen Schäden in Millionenhöhe

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Serie in Kassel: Die Ermittlerin Sylvia Paar geht davon aus, dass die Verursacher dieser Tags (hier Wilhelmsgymnasium) bereits mit dem Gesetz in Konflikt geraten und auch von der Polizei erwischt worden sind. Damit könne man die Wut und den Hass auf die Ermittler erklären. Foto:  Polizei (nh)

Kassel. Durch Graffiti-Schmierereien ist in den vergangenen fünf Jahren ein Millionenschaden in der Stadt Kassel entstanden. Das sagt Polizeioberkommissarin Sylvia Paar, die im Polizeipräsidium Nordhessen für die Ermittlung der Straftäter zuständig ist.

Auch wenn die Zahl der angezeigten Sachbeschädigungen durch Graffiti im vergangenen Jahr in Stadt und Landkreis Kassel leicht rückläufig gewesen ist, stieg die Schadenssumme in Kassel auf 273 795 Euro (2012: 236 391 Euro). Der Schaden richte sich nach der Größe der Schmierereien, sagt Paar.

Die Täter zeigten auch keinerlei Respekt mehr vor historischen Gebäuden. Das sehe man an den Graffiti am Weinberg oder dem Frühstückstempel an der Schönen Aussicht. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr in der Stadt 484 Anzeigen wegen Sachbeschädigung durch Graffiti erstattet (2012: 561) und im Landkreis 128 (2012: 165). Die Dunkelziffer ist höher, weiß Paar.

Der Eindruck, dass es immer mehr Schmierereien an Fassaden in der Stadt gibt, werde auch dadurch verstärkt, dass viele Eigentümer die Schäden nicht mehr beseitigten, sagt Paar. Teilweise seien sie frustriert, weil überstrichene Flächen erneut besprüht würden, manchmal fehle aber auch einfach das Geld für einen neuen Anstrich.

Auch wenn die Täter ermittelt würden, sei die Chance, sich das Geld wiederzuholen, sehr gering. Dafür müsse nachgewiesen werden, dass ein Täter für ein bestimmtes Graffiti verantwortlich ist. Die meisten Verdächtigen würden die Schmierereien abstreiten. Oft seien die Täter auch in Gruppen unterwegs. Es gebe die Tendenz, dass nicht nur Jugendliche, sondern mittlerweile auch verstärkt Heranwachsende (18 bis 21 Jahre) mit Sprühdosen unterwegs seien.

Von mehreren Tätern geht die Polizeioberkommissarin bei zwei Serien aus, in denen sie aktuell ermittelt. Seit Ende 2013 haben Unbekannte an zahlreichen Fassaden das Tag (Schriftzug) „FTP“ (das steht für „Fuck the Police“) hinterlassen. Zum Beispiel an der Frankfurter Straße und am Wilhelmsgymnasium. Seit März sei an vielen Fassaden zudem „TOSP“ zu lesen. Laut Paar sind es bereits 120 Fälle. In der Brückenhofsiedlung in Oberzwehren sprayen darüber hinaus Unbekannte derzeit das Tag „BKH“ an die Hochhäuser.

Paar, die bei großen Fällen auf die Unterstützung ihrer Kollegen und der Bundespolizei setzen kann, hofft, diese Täter zu überführen. Schließlich wurden im vergangenen Jahr auch drei Studenten geschnappt, die für 90 Graffiti in Kassel und Marburg verantwortlich gewesen sein sollen.

Wie kommt die Polizei ihnen auf die Schliche? Die Sprayer würden bei Kontrollen, durch Fingerabdrücke oder DNA-Spuren ermittelt. Zudem gebe es oft auch anonyme Hinweise, sagt die Ermittlerin. Weil die Täter in erster Linie mit ihren Schmierereien Ruhm erlangen wollten, seien sie bei vielen Altersgenossen bekannt. Wer mit seinen Taten prahle, laufe eben auch Gefahr, verraten zu werden.

Im vergangenen Jahr wurden für die Beseitigung von Vandalismusschäden an städtischen Gebäuden und Denkmälern 181 892 Euroausgegeben, davon 38 665 Euro für die Entfernung von Graffiti, sagt Ingo Happel-Emrich, Sprecher der Stadt. Im Jahr 2012 lag die Gesamtsumme bei 258 587 Euro, der Anteil für Graffiti bei 44 117 Euro. (use)

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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