„Grandprix Caracciola“: Parade der Autoveteranen in Kassel

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Peter Boll aus Kaufungen mit seinem Jaguar XK120DHC bei der Caracciola-Rallye in Kassel.

Kassel. 1949 war der Jaguar XK 120 DHC das schnellste Auto der Welt. Am Donnerstag startete der 1953 gebaute Oldtimer mit rund 60 Konkurrenten bei der historischen Rallye „Grandprix Caracciola“ in Kassel.

Der Kaufunger Peter Boll wusste, was bei der 1000 Kilometer langen Strecke, die es in drei Tagen zu bewältigen gilt, auf ihn zukommt: Ein solch altes Auto zu steuern, sei nicht nur anstrengend, „man muss sich auch sehr konzentrieren.“

Bereits im vergangenen Jahr hat Peter Boll seinen Schatz auf vier Rädern, den er seit zehn Jahren besitzt, bei der Rallye gesteuert. Der 160 PS starke Sechszylinder hat ihn nicht enttäuscht. „Länge läuft gut“, erläutert der 72-Jährige. Bei 100 bis 120 Stundenkilometer laufe die alte Maschine ganz ruhig. Den Wagen bis Tempo 170 auszufahren, mache aber keinen Spaß, berichtete er interessierten Zuschauern: „Dann rumpelt und poltert es doch.“

Tausende Schaulustige kamen am Fronleichnamstag in die Innenstadt, um die historischen Autos zu bewundern und beim Start dabei zu sein. Sie bestaunten auch Wagen aus der Vorkriegszeit, wie den Austin 10 Special Racer mit 35 PS aus dem Jahr 1932. Walter Nicklas aus Rosenheim ging mit diesem seltenen Exemplar englischer Automobilkultur an den Start. „Das ist Oldtimersport“, sagte der stolze Besitzer, „am Abend weiß man, was man getan hat.“ Da die Lenkung sehr direkt reagiere und die Seilzugbremsen verzögert entschleunigen, sei die ganze Aufmerksamkeit des Fahrers gefragt.

Glücklicherweise wurde das Übernachtungsgepäck extra transportiert, denn auch im Austin kommt gerade mal noch Werkzeug für alle Fälle unter.

Die erste Station der Rallye, die mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 bis 50 Stundenkilometern angesteuert wurde, ist Eisenach. Danach geht es weiter nach Dresden und anschließend wieder nach Kassel. „Die Vorkriegsautos bekommen etwas mehr Zeit“, erläuterte Eduard Neitzke von der Fahrergemeinschaft „Scuderia Rudolf Caracciola“, die die Rallye zur Erinnerung an den erfolgreichsten Autorennfahrer der Vorkriegszeit organisiert.

Komfortabel ausgestattet ging Raimund Will aus Edermünde an der Start. Sein Buick Riviera ist nicht nur ein geräumiges und glänzendes Prachtstück, das 1958 gebaute, 221 PS starke Auto verfügt sogar über ein Automatikgetriebe, elektrische Fensterheber, Klimaanlage und Servolenkung. Durch Zufall habe er dieses Straßenschiff mit der Luxus-Sonderausstattung gefunden und vor sieben Jahren einem Museum in Las Vegas abgekauft. „Wenn man herumstochert, findet man schon etwas“, sagt er lächelnd.

Bilder vom "Grandprix Caracciola"

„Grandprix Caracciola“: Autoveteranen in Kassel

Allein der Blick auf das chromblitzende Armaturenbrett erfreut auch den Kasseler Claudio Stepane, wenn er in seinem Mercedes 190 SL, Baujahr 1962, sitzt. Die alte Technik und die tollen Formen faszinieren ihn, verrät er.

Die Rallyeteilnehmer werden am Samstag gegen 19 Uhr auf dem Gutshof am oberen Ende der Wilhelmshöher Allee zurückerwartet.

Von Martina Heise-Thonicke

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