Bund müsste jedoch Zuschüsse in Millionenhöhe leisten

Gratis Bus und Bahn fahren in Kassel wäre machbar 

Kassel. Man könnte in Kassel den Nahverkehr mit Bus und Bahn kostenlos machen. Doch was würde das am Ende kosten? Und wer müsste dafür aufkommen?

Um Busse und Straßenbahnen kostenlos anzubieten, sind laut KVG zusätzliche Bundesmittel in mindestens zweistelliger Millionenhöhe nötig.

Mit finanzieller Unterstützung des Bundes wäre in der Stadt Kassel ein kostenfreier Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) machbar. Dies erklärt die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) zu den Überlegungen der Bundesregierung, einen kostenfreien Nahverkehr zur Luftverbesserung einzuführen. Getestet werden soll das Angebot in den fünf Modellstädten Bonn, Essen, Herrenberg, Reutlingen und Mannheim.

Um Busse und Straßenbahnen in Kassel kostenlos anzubieten, sind laut KVG zusätzliche Bundesmittel in mindestens zweistelliger Millionenhöhe nötig. Schon jetzt beträgt das jährliche Defizit zwischen 25 und 30 Millionen Euro. Rund 50 Millionen werden durch Fahrgastentgelte eingenommen. Fallen diese Einnahmen weg, würde sich das Defizit auf rund 80 Millionen Euro erhöhen. Zudem lasse ein Gratis-ÖPNV einen erheblichen Zuwachs an Fahrgästen erwarten, der weitere Investitionen etwa in dichtere Takte, zusätzliche Fahrzeuge und gegebenenfalls Linien erfordere. Diese könne die Stadt allein nicht schultern, betont die Verkehrs-Gesellschaft.

„Wir freuen uns, dass auf diesem Wege die hohe Bedeutung des ÖPNV diskutiert wird“, sagt KVG-Vorstandsvorsitzender Dr. Michael Maxelon zu den Überlegungen des Bundes. Beim Kraftfahrzeugverkehr sei die kostenlose Nutzung öffentlicher Infrastruktur normal. Daher lohne es sich, das auch für den ÖPNV zu durchdenken. Maxelon: „Die hohen Klimaschutzziele sind nur durch gut ausgebauten und attraktiven ÖPNV erreichbar. Energiewende heißt auch Verkehrswende.“

Die KVG verweist auf die Studie des Verkehrsforschers Prof. Carsten Sommer (Universität Kassel), nach der der Kfz-Verkehr die Städte dreimal mehr kostet als der ÖPNV-Zuschuss. „Würden also in den ÖPNV die gleichen Mittel investiert wie in den Kfz-Verkehr, wäre eine kostenlose ÖPNV-Nutzung denkbar“, sagt Maxelon.

Kosten für Autos und andere Verkehrsmittel

Forscher untersuchten Kosten, die Autos und andere Verkehrsmittel in Kassel und anderswo verursachen. Denn Mobilität hat ihren Preis. Welchen genau, dieser Frage ist der Verkehrswissenschaftler Prof. Carsten Sommer der Uni Kassel nachgegangen. Hier eine Auflistung für Kassel.

Autoverkehr 

• Öffentlicher Zuschuss (Investitionen in Straßen, Ampeln, Winterdienst, Entwässerung etc.): 26 Mio. Euro pro Jahr 

• Externe Kosten (Unfälle, Lärm, Luftbelastung und Klimaschäden): 57,5 Mio. Euro pro Jahr 

• Eine kostendeckende Citymaut müsste 12 Cent pro gefahrenem Kilometer betragen. 

Lkw-Verkehr 

• Öffentlicher Zuschuss: 5 Mio. Euro pro Jahr 

• Externe Kosten: 9,6 Mio. Euro pro Jahr 

• Eine City-Maut für LKW müsste 56 Cent betragen.

Nahverkehr 

• Öffentlicher Zuschuss: 29 Mio. Euro pro Jahr 

• Externe Kosten: 3,5 Mio. Euro 

Radverkehr 

• Öffentlicher Zuschuss: 600.000 Euro pro Jahr. 

• Externe Kosten (Unfälle): 2,1 Mio. Euro. Dem stehen 12,6 Mio. Euro geringere Gesundheitskosten gegenüber.

Fußverkehr 

• Öffentlicher Zuschuss: 10,5 Mio. Euro pro Jahr 

• Externe Kosten (Unfälle): 0,7 Mio. Euro. Aber: 67,7 Mio. Euro geringere Gesundheitskosten.

Rubriklistenbild: © dpa

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