Fragen und Antworten rund um das öffentliche Gratis-Internet

Gratis WLAN in Kassel: In fremden Netzen ist Vorsicht angesagt

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Unitymedia geht voran: Der Kabelnetzbetreiber hat die ersten fünf öffentlichen WLAN-Einwahlpunkte in Kassel in Betrieb genommen. Weitere sollen folgen. Unser Bild entstand in Düsseldorf.

Kassel. Kostenloses mobiles Internet im städtischen Raum – was in anderen Städten bereits Standard ist, kommt jetzt auch nach Kassel. Fragen und Antworten zum neuen Angebot:

Der Kabelnetzbetreiber Unitymedia hat mit fünf Einwahlpunkten einen Anfang gemacht, ab September wird auch das regionale Unternehmen Netcom Kassel einsteigen. Einige Fragen und Antworten zum Thema:

Über gängige Smartphones kommt man auch ohne öffentliche WLAN- oder auch Wifi-Netze ins Internet. Für wen ist die neue Infrastruktur zum Surfen eigentlich interessant?

Nicht nur für Vielsurfer, sondern für all jene, die in ihrem Handyvertrag nur ein begrenztes Datenvolumen haben. Die im WLAN genutzte Datenmenge geht nicht von diesem Volumen ab, so werden die Handykosten geschont. Zudem ist das WLAN meist schneller.

Was versprechen sich die Anbieter vom Aufbau einer solchen Gratis-Infrastruktur, die sie ja einiges Geld kostet? 

Da geht es zunächst einmal um Standortvorteile bei der Marktaufteilung. Die Firmen agieren natürlich nicht uneigennützig. Aus ihrer Sicht funktioniert öffentliches WLAN in zwei Richtungen: Wer noch nicht ihr Kunde ist, bei dem bekommen sie werblich einen Fuß in die Tür. Die tägliche Datenmenge und -geschwindigkeit ist für solche Nutzer in der Regel beschränkt – bei Unitymedia auf 10 Mbit/s Tempo und auf 100 Megabyte Surfvolumen pro Tag. Wer bereits Kunde ist, der surft schneller und ohne Volumenbeschränkung. Das kann man Bestandskunden als Mehrwert und Gelegenheitsnutzern als Grund zum Vertragsabschluss verkaufen.

Kann man die Einwahlpunkte ohne weiteres nutzen? 

Dazu muss man sich bei Unitymedia einmalig mit seiner Handynummer anmelden und bekommt dann per SMS einen Freischaltcode. Bei Netcom dürfte das ebenso funktionieren. Der Hintergrund ist die sogenannte Störerhaftung, die etwa auch Ferienwohnungsvermieter zu beachten haben: Falls nämlich das Netz für illegale Zwecke genutzt wird wie das unerlaubte Hoch- und Herunterladen urheberrechtlich geschützter Musik oder Filme, so wäre der Betreiber des WLAN-Netzes rechtlich haftbar. Durch die Identifizierbarkeit per Handynummer sind die Anbieter aus dem Schneider.

Und wie steht es um die Sicherheit der Nutzerdaten? 

Man muss sich klar darüber sein, dass man in einem offenen, freien WLAN gemeinsam mit einer unbekannten Zahl fremder Nutzer unterwegs ist. Wer bösen Willens ist und über das technische Wissen verfügt, könnte Datenströme im gemeinsamen Netz abfangen und ausspionieren. Auf Online-Banking-Geschäfte sollte man daher in solchen Netzen besser verzichten, ebenso auf das Senden von Passwörtern für E-Mail-Konten.

Sollte man dann nicht besser völlig auf die Nutzung solcher Netze verzichten? 

Zumindest bei Unitymedia kann man eine alternative Einwahl-Variante verwenden, die die Sicherheit deutlich erhöht. Neben dem offenen – also ungesicherten – „Unitymedia Public WifiSpot“ taucht in der WLAN-Netzliste von Smartphones und Tablets ein zweites Netz namens „Unitymedia WifiSpot“ (ohne Public) auf. Wer sich darin einwählen will, muss dies über einen eindeutigen Benutzernamen sowie mit einem Sicherheitszertifikat tun. Dadurch läuft die Kommunikation zwischen dem eigenen Handy und dem WLAN-Hotspot über eine individuelle, verschlüsselte Verbindung. Laut Unitymedia wird dabei der Sicherheitsstandard WPA2 verwendet, der auch in vielen häuslichen WLAN-Netzen gebräuchlich ist.

Warum errichtet Unitymedia seine Gratis-Hotspots nicht in der Innenstadt, wo die meisten Menschen sind? 

Das ist in der Tat nicht recht verständlich. Zwar ist die Abdeckung der Auestadion-Vorplatzes eine gute Idee, aber auf 200 Metern Bürgersteig im Blücherviertel oder an der Landgraf-Karl-Straße wurde öffentliches Internet bislang wohl kaum schmerzlich vermisst. Darin liegt eine Chance für die Netcom Kassel: Das Unternehmen aus der stadteigenen KVV-Gruppe will ab September ins WLAN-Geschehen einsteigen, kann díe Infrastruktur und Expertise der Städtischen Werke nutzen und hat möglicherweise leichteren Zugang zu öffentlichen Gebäuden in zentraler Lage, von denen aus man ein öffentliches Netz aufspannen kann.

Gibt es neben Unitymedia und Netcom noch weitere Akteure in Kassel rund ums öffentliche, freie Internet? 

Ja, die nichtkommerzielle Freifunk-Initiative hat auch einen Ableger in Kassel (www.freifunk-kassel.de). Die Aktivisten stellen in ihren eigenen Räumen dezentrale WLAN-Router auf, die sich einmal zu einem stadtweiten Netz verbinden sollen. Bisher gibt es 58 Einwahlpunkte.

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