Jugendamt: "Grausamkeiten gab es immer"

Kassel. Der Fall, dass mehrere Jugendliche in Lohfelden zwei Enten als Fußball missbraucht und dabei getötet haben, war auch Thema im Kasseler Jugendamt.

Ein Mitarbeiter habe in diesem Zusammenhang davon berichtet, dass Jugendliche in seiner Heimat früher Frösche mit Strohhalmen aufgeblasen haben, bis die Tiere geplatzt sind, sagt Dr. George von Soest, Abteilungsleiter im Jugendamt der Stadt Kassel. Er will den Lohfeldener Fall damit nicht rechtfertigen, sondern nur deutlich machen, dass es „Grausamkeiten dieser Art“ schon immer gegeben hat. „Die Menschen reagieren heute nur sensibler auf diese Vorfälle.“ Und das sei gut so.

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Auch wenn die Jugendkriminalität in Stadt und Landkreis Kassel seit drei Jahren leicht rückläufig ist, so spricht von Soest nach wie vor von einem „hohen Niveau“.

Kooperationen zwischen Schule, Jugendhilfe und Polizei sowie zahlreiche Angebote, um Jugendliche von der Straße zu holen, hätten vermutlich zu dem leichten Rückgang geführt. Daran müsse man weiterarbeiten. „Ich habe den Eindruck, dass wir die Jugendlichen erreichen. Wenn alle sich kümmern, dann wird das Erfolge zeigen.“ Natürlich gebe es immer wieder „hammerharte Einzelfälle“, mit denen die Mitarbeiter des Jugendamtes zu tun haben. Fälle, die die Öffentlichkeit erschüttern. Von Soest erinnert an einen Zwölfjährigen, der sein Opfer auf der Königsstraße zusammengeschlagen hatte.

George von Soest

Dass Jugendliche straffällig werden, das komme auch in gutbürgerlichen Familien vor. Die Wahrscheinlichkeit sei allerdings in Familien mit wenig Einkommen und geringem Bildungsstand höher. Für das Jugendamt ist die Kasseler Nordstadt ein Brennpunkt. In diesem Stadtteil komme hinzu, dass viele Jugendliche Brüche in ihrer persönlichen Geschichte erlebt hätten, als sie von ihrem Heimatland nach Deutschland gekommen seien, sagt von Soest.

Keine Brennpunkte

Brennpunkte verzeichnet die Polizei nicht. Da Jugendliche heutzutage mobiler seien und alle ein Handy hätten, wechselten die Treffpunkte ständig, sagt Polizeihauptkommissar Michael Grieneisen, Jugendkoordinator im Polizeipräsidium Nordhessen. In fremden Stadtteilen, wo sie niemand kenne, falle es Jugendlichen unter Umständen auch leichter, eine Straftat zu begehen. Wenn junge Menschen straffällig würden, dann sei oft Alkohol im Spiel.

32 Jugendliche verschiedener Nationalitäten werden von der Kasseler Polizei in dem Projekt BASU 21 (Besonders auffällige Straftäter unter 21 Jahren) betreut. Das sind Kandidaten, bei denen eine dauerhafte kriminelle Karriere verhindert werden soll. Dass Jugendliche von Gleichaltrigen systematisch „abgerippt“ werden, dieses Problem sei in Kassel nicht mehr vorhanden, sagt Grieneisen. Zwar begingen Jugendliche auch gemeinsam Straftaten, aber „Jugendbanden im klassischen Sinn“ existierten in der Stadt nicht.

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