Experte im Interview

Greenpeace nahm Bäume an der Heinrich-Heine-Straße unter die Lupe

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Greenpeace hatte zum Spaziergang durch die Heinrich-Heine-Straße eingeladen: Unter anderem nahmen Anwohner von der Bürgerinitiative „Rettet unsere Lindenallee“ teil. Es führte Reinhard Stein (stehend rechts vom Baum).

Für die Sanierung der Heinrich-Heine-Straße sollen 90 von 137 der Linden gefällt werden. Darüber hat sich eine große Kontroverse mit Protesten von Baumschützern entwickelt. 

Gegen die geplante und von der Unteren Naturschutzbehörde genehmigte Fällung hatte die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Beschwerde eingelegt und sich eine Klage vorbehalten. Unterstützung kommt auch von den Umweltverbänden BUND und Nabu. 

Am Wochenende hatte Greenpeace zusammen mit dem BUND sowie einer Bürgerinitiative, die schon 1000 Unterschriften für den Erhalt der Bäume gesammelt haben will, zu einem „kritischen Spaziergang durch die Heine-Straße“ eingeladen. Die rund 20 Teilnehmer wurden geführt von dem Greenpeace-Baumexperten Reinhard Stein (77), der 40 Jahre lang als Forstwirt bei Hessen Forst gearbeitet hat.

Herr Stein, wie ist der Spaziergang verlaufen?

Wir haben uns die Linden genau angeguckt, und ich habe den Teilnehmern erklärt, woran man das Alter und den Gesundheitszustand von Bäumen erkennt.

In welchem Zustand befinden sich denn die Bäume?

Man kann sagen, dass von den rund 140 Bäumen zehn eine Gefährdung darstellen, die eine Fällung rechtfertigt. Mehr als die Hälfte ist in einem sehr guten Zustand. 35 Bäume haben leichte Schäden, können aber noch Jahrzehnte überleben.

Können Sie darüber hinaus das Vorhaben, alte Linden fällen zu lassen, nachvollziehen?

Nein. In der Stadt können Linden Hunderte Jahre alt werden. Es handelt sich bei den Bäumen um die Bienenweide Sommerlinden mit einem sehr reichhaltigen Nektarangebot für Bienen. Diese Bäume sorgen zudem für ein angenehmes Stadtklima.

Es sollen ja mehr Bäume – auch klimaresistentere – nachgepflanzt werden. Ist das eine Lösung?

Dass die Stadt für die gefällten Bäume 122 junge Bäume nachpflanzen will, ist ein schwacher Trost. Der ökologische Wert eines großen, älteren Baumes ist wesentlich höher als der eines Exemplars, das frisch aus der Baumschule kommt. Alte Bäume sind weitaus bessere Kohlenstoffspeicher als Jungbäume. Die größten Bäume weisen die höchste Leistungsfähigkeit in Sachen Kohlendioxidspeicherung und -aufnahme auf. Sie haben vielfältige ökologische und soziale Funktionen.

Wie lautet Ihr Fazit?

Der Großteil der alten Linden an der Heinrich-Heine-Straße ist schützenswert. Die Bäume bilden einen wichtigen Lebensraum und Schutz für verschiedenste Tiere.

Was raten Sie der Stadt?

Ebenso wie Greenpeace fordere ich eine umweltgerechtere Planung, in der die Bäume stehen bleiben können. Seit dem 1. März bis 30. September gilt aus Vogelschutzgründen ohnehin die gesetzlich vorgeschriebene Schonzeit, während der nicht gefällt werden darf.

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