Gremmels wehrt sich gegen Vorwürfe

Schwere Vorwürfe: SPD-Bundestagsabgeordneter aus Kassel soll Teil der Gas-Lobby sein

Kampagne gegen Timon Gremmels: Unbekannte versahen Wahlplakate des Kasseler SPD-Bundestagsabgeordneten mit Pappschildern.
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Kampagne gegen Timon Gremmels: Unbekannte versahen Wahlplakate des Kasseler SPD-Bundestagsabgeordneten mit Pappschildern.

Schwere Vorwürfe gegen SPD-Bundestagsabgeordneten Timon Gremmels: Der Energieexperte soll Teil der Gas-Lobby sein. Eine Grünen-Politikerin nimmt ihn in Schutz.

Kassel – Die Energiewende ist eines der großen Themen, mit denen Timon Gremmels im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2021 punkten will. Als SPD-Bundestagsabgeordneter hat er sich in den vergangenen vier Jahren einen Namen als Experte für Erneuerbare Energien gemacht. Doch nun tauchen neben seinen Wahlplakaten in Kassel Pappschilder auf, auf denen steht: „Gremmels, Kumpel der Klimakiller-Industrie: Wintershall Dea, Shell, Gazprom ...“

Vor allem im Vorderen Westen haben Unbekannte die Hinweise angebracht. Auch bei einer Diskussion mit den Direktkandidaten beim Klima-Camp auf dem Friedrichsplatz in Kassel geriet Gremmels in die Kritik. Umweltschützer warfen dem 45-Jährigen vor, als Beiratsmitglied des Vereins Zukunft Gas die Interessen von Unternehmen wie Wintershall Dea und Wingas zu vertreten.

Bundestagswahl 2021: „Gremmels benimmt sich wie ein Gesundheitspolitiker“

In der Lobby-Organisation haben sich mehr als 140 Firmen zusammengeschlossen, um Erdgas als „innovativen, kostengünstigen und klimaschonenden Energieträger“ zu bewerben, wie es auf der Webseite hieß. Klimaaktivist Arvid Jasper sagt: „Gremmels benimmt sich wie ein Gesundheitspolitiker, der mit der Tabakindustrie kungelt.“ Bei den Erneuerbaren Energien habe er nur wenig erreicht. Immer wieder verweise der Sozialdemokrat auf Studien, die von der Gasindustrie finanziert seien. Jasper fordert, dass Gremmels seinen Beiratsposten aufgibt.

Auch andere üben Kritik. Amelie Steneberg (Fridays for Future) findet den Beiratsposten „höchst bedenklich“. Für Gregor Anselmann (Extinction Rebellion) vertritt Gremmels die „extrem klimaschädlichen Positionen der Erdgaslobby: neue Pipelines, neue Kraftwerke, klimaschädlicher Wasserstoff aus Erdgas“.

Vorwürfe gegen Gremmels: SPD-Bundestagsabgeordneter setzt in erneuerbare Energien

Tatsächlich befürwortet Gremmels den umstrittenen Ausbau von Nord Stream 2. Wenn Deutschland zügig aus Atom und Braunkohle aussteige, brauche man Erdgas noch für eine Übergangszeit, sagt der Niestetaler. Die Vorwürfe überraschen ihn, denn seine Tätigkeit im Beirat von Zukunft Gas habe er von Anfang an transparent gemacht: „Man muss mit den Firmen im Dialog bleiben und kritische Diskussionen führen, wie auch Gas bis spätestens 2045 klimaneutral werden kann – gerade in unserer Region, wo es vier große Unternehmen aus der Branche mit mehr als 1000 Beschäftigten gibt.“

95 Prozent seiner Zeit im Bundestag habe er sich für den Ausbau von Photovoltaik und Erneuerbarer Energien eingesetzt. „Jeder, der mich und meine Biografie kennt, weiß, dass die Vorwürfe abstrus sind“, sagt Gremmels, der gegen die Schilder nicht vorgehen will. Mittlerweile wurden sie jedoch abgenommen.

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Trotz Kritik an SPD-Bundestagsabgeordneten: Ehemalige Grünen-Chefin lobt Gremmels

Auch auf seiner Webseite stellt sich Gremmels der Kritik. Dort zitiert er Simone Peter, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energien. Die ehemalige Grünen-Chefin lobt Gremmels: „Als Stimme für eine Energieversorgung auf Basis 100 Prozent Erneuerbarer Energien hat er die Zukunft im Blick.“

Mittlerweile haben die Scientists for Future einen Fakten-Check zur Diskussion der Direktkandidaten beim Klima-Camp veröffentlicht. Anders als Gremmels sehen die Wissenschaftler den Ausbau der Erdgas-Infrastruktur kritisch: „Eine Erhöhung der Erdgasmenge zur Kompensation des Kohle- und Klimaausstiegs ist aus energiewirtschaftlicher Sicht nicht notwendig und klimapolitisch nicht sinnvoll.“ (Matthias Lohr)

In Kassel kommt es bei einer Grünen-Wahlkampfveranstaltung zu einer Auseinandersetzung. Dabei schlägt ein Mann einer Frau ins Gesicht. Zudem deutet sich in der Region im Rahmen der Bundestagswahl 2021 ein neuer Rekord an: In Kassel sind vor der Wahl am Sonntag (26. September) schon knapp 47.000 Anträge auf Briefwahl eingegangen.

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