Schließung Ende Juli

Beliebter Grieche macht nach jahrelangem Streit dicht

Zurzeit nur abends zum Abholen geöffnet: Nach der Kündigung durch den Vermieter und einer gerichtlichen Auseinandersetzung in Folge muss das beliebte griechische Restaurant am Königstor in Kassel zum 31. Juli schließen.
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Zurzeit nur abends zum Abholen geöffnet: Nach der Kündigung durch den Vermieter und einer gerichtlichen Auseinandersetzung in Folge muss das beliebte griechische Restaurant am Königstor in Kassel zum 31. Juli schließen.

Viele Stammgäste bedauern das Aus für das Restaurant Orestis in Kassel. Andere beklagen, dass die Betreiber seit Jahren behördliche Auflagen ignoriert hätten.

Kassel – Viele Stammgäste bedauern die Nachricht, die sie auf der Facebook-Seite des griechischen Restaurants Orestis erfahren haben: Das beliebte Lokal am Königstor wird mit Ablauf des Monats Juli endgültig schließen. Seit 15 Jahren wird es von der Inhaberfamilie Tsirudis geführt, die derzeit wie andere Gastronomen mit Abhol-Angeboten durch die Pandemiezeit zu kommen versucht.

Doch die schwierige Corona-Lage ist nicht der Grund hinter der Aufgabe des Lokals. Vielmehr gibt es schon seit Jahren eine Kontroverse um den Gastgarten des Restaurants, der hinter dem Haus umgeben von mehreren Wohngebäuden liegt. Der fröhliche Betrieb dort in der warmen Jahreszeit hat sich offenbar regelmäßig lautstark und deutlich länger als behördlich gestattet hingezogen, wie die HNA von Gästen, Anwohnern und der Hausverwaltung des Lokals erfuhr.

Lärm im Gastgarten: Griechisches Restaurant in Kassel muss schließen

Der Konflikt über Lärm auch noch zu später Nachtstunde dauert bereits seit Jahren an. Wiederholt hatten sich Anwohner mit Unterschriftenaktionen an den Vermieter gewendet und die Einhaltung der Regeln angemahnt. Dass in diesem Bereich überhaupt der Betrieb eines Gastgartens möglich ist, hatte die zuständige Firma IS Immobilien-Service vor etlichen Jahren „in einem gerichtlichen Vergleich mit der Bauaufsicht“ erwirkt, sagte Geschäftsführer Stefan Kurz auf Anfrage der HNA.

Demnach sei ein Außenbetrieb behördlich nur bis 21 Uhr gestattet. Daran allerdings hätten sich die Betreiber „über Jahre nicht gehalten“, sagte Kurz. „Die Nachbarn sind richtig gequält worden“ – oft noch, als der Restaurantbetrieb längst vorüber war, mit lautstarken Geselligkeiten in kleinerem Kreis bis in die frühen Morgenstunden.

Kassel: Restaurant „Orestis“ ignorierte behördliche Anordnungen - Schließung Ende Juli

Da über Jahre keine Einsicht der Betreiber zu erlangen gewesen sei, habe der Vermieter schon Anfang 2020 eine reguläre Kündigung zum Sommer vergangenen Jahres ausgesprochen. Da diese von den Inhabern juristisch angefochten wurde, zog sich die Angelegenheit hin, bis jetzt vor Kurzem das Landgericht Kassel die Kündigung zum 31. Juli dieses Jahres bestätigte.

Die Inhaberfamilie Tsirudis ist einer Anfrage der HNA, zu den Vorwürfen ihre Sicht zu schildern, nicht nachgekommen und war auch telefonisch nicht zu erreichen. Auf Facebook schreiben die Betreiber, dass sie auf der Suche nach einem neuen Standort für ihr Restaurant seien.

„Räumungs-Rechtsstreit“ in Kassel: Vermieter berichtet über Verstöße und Corona-Partys des Restaurants

Die zunächst reguläre Kündigung habe sich zum „Räumungs-Rechtsstreit“ entwickelt, schilderte Vermieter Kurz. „Wir hätten das Restaurant eigentlich gern als Mieter behalten. Das Essen war gut, das Konzept war gut.“ Aber die Summe aus anhaltenden Regelverstößen, nachbarschaftlichem Unfrieden und Uneinsichtigkeit habe letztlich gegen eine Fortsetzung des Mietverhältnisses gesprochen.

Und da sei noch etwas Anderes, sagte Vermieter Kurz: Im Hinterhof des „Orestis“ hätten seit dem vergangenen Jahr auch in Lockdown-Zeiten einige Male „Corona-Partys“ mit etlichen Personen stattgefunden; die Polizei habe diese Zusammenkünfte unterbinden müssen. Ein Polizeisprecher bestätigte der HNA, dass es auf dem Grundstück zu mehreren Einsätzen „wegen Ruhestörung“ gekommen sei. Lautes Feiern allein ist aber nicht der Grund, weshalb Vermieter Kurz das nicht behagt. Er sagt: „Wir wollen hier auch keine Corona-Leugner.“

Beliebtes Restaurant in Kassel muss schließen: Juniorchef leugnet Corona-Pandemie auf Facebook

Aus dieser Perspektive ist ein Blick auf die Facebook-Seite von Juniorchef Alex Tsirudis vielsagend. Dort wird in heftigster Form zum Widerstand gegen die „Fake-Pandemie“ und die „Fake-Polizei“, gegen Impfen und Maskentragen aufgerufen, von einer Weltverschwörung fabuliert und Kanzlerin Merkel als Voodoo-Puppe herabgewürdigt. Leseprobe: „Einfach drauf scheißen auf Merkel & Co. und deren Ausgangssperre und weitere Diktatur-Maßnahmen. Hoffentlich wird sie und alle weiteren Drahtzieher bald zur Rechenschaft gezogen und gerecht bestraft!“

In vielen Solidaritätsbekundungen, mit denen Gäste des „Orestis“ auf die Schließungsnachricht reagieren, wird ein Bild gezeichnet von Lebensfreude, Gastfreundschaft und trauter Geselligkeit auf der einen, von denunziatorischen Nachbarn und einem kaltherzigen Vermieter auf der anderen Seite. Doch es scheint auch andere Sichtweisen darauf zu geben, welche Gründe zu dem Aus für das beliebte griechische Restaurant geführt haben.

Viele Restaurants in Kassel leben während der Corona-Pandemie vom Abhol-und Liefergeschäft.

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