Insekt in Bettenhausen aufgetaucht

Seltene Grille verwirrt Gärtner

Die Maulwurfsgrille: Sie sieht aus wie eine Grille und klingt auch so ähnlich. Allerdings gräbt sie Gänge in die Erde und ernährt sich von Insektenlarven und wirbellosen Tieren. Foto: dpa

Bettenhausen. Im Eichwald macht sich zurzeit ein exotisch anmutender, unterirdischer Bewohner breit, der bei Gartenfreunden offenbar für Verwirrung sorgt.

Irmgard Lochner aus Bettenhausen hatte in ihrem Garten ein Loch in etwa der Größe eines Fünf-Mark-Stücks mit gewölleartigen Auswürfen am Rand entdeckt. Auch Bekannte der 77-Jährigen, die im Umbachsweg wohnt, hatten von ähnlichen Entdeckungen berichtet.

Wie sich herausstellte, handelt es sich bei dem Erdbewohner um eine Maulwurfsgrille. Sie gehört zu den Insekten, hat große Grabschaufeln und lebt in der Erde wie Maulwürfe. Die Körperform und die Laute, die sie von sich geben, ähneln denen von großen Grillen. Das städtische Umwelt- und Gartenamt wurde über den ungewöhnlichen Fund in Bettenhausen nicht informiert. „Man sieht sie nicht so oft, aber eine Maulwurfsgrille ist auch kein völliger Exot“, sagt Dr. Jürgen Drewitz, stellvertretender Amtsleiter. Die Tiere seien nicht geschützt und wurden früher von Gärtnern bekämpft, bis sich herumgesprochen hatte, dass sich die Grillen nicht von Pflanzen ernähren und auch keine Wurzeln anknabbern.

In Mitteleuropa seien die im Boden lebenden Grillen weit verbreitet, erklärt Drewitz: „Sie mögen es gern feucht und sandig“. Deshalb fühlten sich die Tiere vermutlich am Umbachsweg recht wohl. Von den Maulwurfsgrillen gehe keine Gefahr aus, es sei ein Zeichen intakter natürlicher Lebensbedingungen, wenn die Grillen auftauchten: „Schön, dass die da sind“, sagt Drewitz.

Eher in wärmeren Regionen

Beim Naturschutzbund (Nabu) hat die Nachricht allerdings für Erstaunen gesorgt. „In unseren Breiten habe ich Maulwurfsgrillen noch nicht erlebt“, sagte Peter Lorenz vom Vorstand der Nabu-Gruppe Kassel. Die Insekten kommen Laut Lorenz eher in wärmeren Regionen, beispielsweise am Neusiedler See an der ungarisch-österreichischen Grenze vor. Es sei allerdings denkbar, dass sich das Verbreitungsgebiet durch klimatische Veränderungen nach Norden verschoben habe. So kämen mittlerweile auch wärmeliebende Arten die Holzbiene, die in Baumlöchern brütet, die Wespenspinne oder Falter wie das Taubenschwänzchen zu bestimmten Zeiten bei uns vor. Überrascht von der Sichtung der Maulswurfsgrille zeigte sich auch Hartmut Spohn, Fachberater des Stadt- und Kreisverbandes Kassel der Kleingärtner: „Eigentlich kommt sie nicht in unserer Region vor. “ Allerdings habe die feucht-warme Witterung in diesem Jahr ideale Bedingungen für die Vermehrung vieler Arten geschaffen.

Irmgard Lochner, die seit 1975 im Umbachsweg wohnt, hat zum ersten Mal in ihrem Leben das bis zu sechs Zentimeter lange Insekt gesehen. (mkx/ach)

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