Das rät der Rechtsanwalt

Grillen ist kein Grundrecht: Wichtige Tipps, um Ärger zu vermeiden

Kassel. Frühlingszeit - Grillzeit. Viele Kasseler holen jetzt ihren Grill aus dem Keller. Im Garten raucht es. Zuweilen zieht der Qualm zum Nachbarn hinüber – das gibt Ärger.

Damit es gar nicht erst zum Streit kommt, sind ein paar Spielregeln zu beachten.

Laut Rechtsanwalt Ulrich Bartke, Geschäftsführer des Eigentümerverbandes Haus und Grund, ist erlaubt, was andere nicht gefährdet oder belästigt. Das heißt: Nachbarn dürfen nicht durch Geruch und Rauch belästigt werden. Oft hilft es auch schon, die Nachbarn rechtzeitig vor der Grillparty zu informieren. Rechtsanwalt Ulrich Bartke: „Man sollte nicht nach 22 Uhr grillen. Und auch wenn sich eine Geruchsbildung beim Grillen nicht ganz vermeiden lässt – bitte immer an den Nachbarn denken.“

Es kommt mitunter schon vor, dass Streitigkeiten auf Bartkes Tisch landen. So gab es den Fall, dass ein Mann Gartenabfälle und Pflanzenreste auf den Grill schmiss. Das sei, so Bartke, gesetzlich nicht erlaubt. Außerdem empfiehlt es sich, die Anzahl der Grillabende zu beschränken – eine Faustregel für die zulässige Zahl gebe es aber nicht. Ein moderater Lärmpegel und Respekt vor nächtlichen Ruhezeiten helfen.

Haus und Grund weist darauf hin, dass auf Balkonen von Mehrfamilienhäusern schon aus Gründen des Brandschutzes nur Elektrogrills verwendet werden dürfen. Das Grillen könne dort individuell durch die Hausordnung verboten oder beschränkt sein.

Auch der Mieterbund Kassel hat Tipps, damit der Grillspaß nicht durch Nachbarschaftsstreitigkeiten getrübt wird. Wie auch beim Eigentümerverband wird betont: „Zunächst gilt der Grundsatz der gegenseitigen Rücksichtnahme. Man muss sich von dem Gedanken verabschieden, dass Grillen ein Grundrecht ist“, sagt Geschäftsführer Folker Gebel vom Mieterbund Kassel. Er rät, immer einen Blick in die Hausordnung zu werfen. Ist es dort nicht erlaubt, sollten Grillwütige vorsichtig sein. Wenn es zu heftig qualmt, kann auch schon mal die Polizei anrücken.

Beachtet der Mieter die Grundregeln der gegenseitigen Rücksichtnahme nicht, kann vom Hauseigentümer eine Abmahnung und – schlimmstenfalls bei Zuwiderhandlung – eine fristlose Kündigung drohen. Eine gute Alternative zum Holzkohlegrill ist daher ein Elektrogrill: „Das ist schon der erste Schritt, um eine störende Rauch- und Geruchsentwicklung zu vermeiden“, sagt Gebel. Hierbei sollte man darauf achten, aus welcher Richtung der Wind weht und wo der Grill aufgestellt wird. Der beste Weg, um Problemen aus dem Weg zu gehen? Gebel meint: „Man kann die Nachbarn auch einfach zum Grillen mit einladen, dann gibt es bestimmt keine Beschwerden.“

Hintergrund: Öffentliche Grillplätze

Mit handelsüblichen Kleingrills ist Grillen mit Familie und Freunden auch in städtischen Grünanlagen wie der Goetheanlage erlaubt. Ebenso in der Fuldaaue zwischen dem Uferweg und der B83. Ansonsten ist laut Parkordnung das Grillen in Karls- und Fuldaaue verboten. Glut und Asche müssen mit Wasser gelöscht werden. In Kassel gibt es öffentliche Grillplätze in Nordshausen, Niederzwehren sowie im Naturpark Habichtswald.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.