Initiative gestaltet ehemals tristen Ort mit Graffiti

Ausstellungsreihe in Kellerraum an Weinberg-Unterführung: Grimassen im Untergrund

Ein Ort verändert sein Gesicht: Marcel de Medeiros zeigt „Gesichter & Grimassen“ in dem Lagerraum unter der Treppe zur Frankfurter Straße. Die Ausstellung ist heute, Samstag, ab 18 Uhr bis Mitternacht geöffnet. Foto:s Schachttschneider

Kassel/Südstadt. Wer lange nicht mehr durch die Unterführung am Weinberg gekommen ist, sollte mal einen Spaziergang dorthin verlegen. Der ehemals triste und schmuddelige Ort ist zu einem riesigen Graffiti-Kunstwerk geworden.

Vor gut einem Jahr hat sich die studentische Initiative „Raum für urbane Experimente“ (RUE) dieser und der Unterführung am Holländischen Platz angenommen.

Seitdem verändern die Wände regelmäßig ihr Gesicht. Mit dem Beginn der warmen Jahreszeit soll auch die künstlerische Arbeit unter Tage wieder losgehen. Auch einen der Öffentlichkeit bislang verschlossenen Raum in der Weinberg-Unterführung wird die Gruppe künftig bespielen: In einem Lagerraum des Straßenverkehrsamts, der unter der Treppe zur Frankfurter Straße liegt und zur „Galerue“ umfunktioniert wurde, sollen ab sofort regelmäßig Ausstellungen stattfinden.

Weinberg-Unterführung kaum wiederzuerkennen: Der ehemals triste Ort kommt dank kunstvolle Graffiti jetzt farbenfroh daher.

Den Auftakt macht Marcel de Medeiros, der zum RUE-Team gehört und an der Kunsthochschule Produktdesign studiert. Der 31-Jährige, der aus São Paulo in Brasilien stammt, hat die Betonwände mit hunderten von Grimassen-Gesichtern gestaltet. Ein pockenübersäter Mann mit Hakennase im Profil, ein Punk mit Irokesenschnitt, eine kurzhaarige Frau mit überdimensionierten Zähnen, auf denen Brackets prangen: Die Gesichter sind wie Karikaturen, beziehen sich aber nicht auf lebende Vorbilder. „Oft sagen Betrachter spontan: Der sieht aus wie mein Nachbar oder wie mein Mathelehrer. Dieser Wiedererkennungswert freut mich zwar, ist aber nicht beabsichtigt“, sagt de Medeiros.

Seine Gesichter entstehen stattdessen nach einer selbst entwickelten Methode: Zunächst legt er zwei geometrische Formen zusammen - etwa Raute und Ellipse oder Quadrat und Dreieck. Aus der neu entstehenden Figur entwickelt er ein einzigartiges Gesicht.

Die Ausstellung ist am heutigen Samstag ab 18 Uhr geöffnet. Ab 21 Uhr wird ein Film über „Pixacão, die urbane Typographie aus São Paulo“ gezeigt.

Die nächste Ausstellung in der unterirdischen Galerie eröffnet am 4. April. Unter dem Titel „Kasseler Sprühsahne“ zeigen örtliche Graffiti-Künstler ihre Werke. Infos und Termine unter:

www.facebook.com/raum. fuer.urbane.experimente

Von Katja Rudolph

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