Ausstellungsstätte auf Weinberg

Grimm-Rätsel als Türöffner

Susanne Völker

Kassel. Über Bau und äußere Form der Grimm-Welt auf dem Weinberg wird seit längerem leidenschaftlich debattiert. Jetzt schärft sich die Vorstellung davon, was die geplante Ausstellungsstätte inhaltlich bieten wird:

Viel zum Staunen und Erleben, eine Reise in den Grimm’schen Fantasie- und Wörterkosmos, bei der alle Register zeitgemäßer Präsentationstechnik und Wissensvermittlung gezogen werden. Im städtischen Kulturausschuss stellten die Planer am Donnerstag ihre Überlegungen vor.

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Projektleiterin Susanne Völker sagte, statt eines Museums im hergebrachten Sinn sei „eine moderne Wissenswelt“ geplant, die konkurrenzfähig mit anderen Freizeit- und Erlebnisorten sei. Das Ganze werde gleichwohl wissenschaftlich fundiert sein, betonte sie. Das Vorzeigen von Sammlungsbeständen werde aber eher eine Nebenrolle spielen, auch würden Leben und Wirken der Märchenbrüder nicht in zeitlicher Reihenfolge abgehandelt. Vielmehr sollten Besucher – ob Kulturtouristen, Experten, Schulklassen oder Märchenfans – eine breite Auswahl an Zugangsmöglichkeiten bekommen, um jeweils erkunden zu können, was sie speziell interessiert.

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Wie das aussehen könnte, erläuterten die Kuratorinnen Nicola Lepp und Annemarie Hürlimann sowie Roland Lehnen vom Büro Holzer Kobler Architekturen (Zürich/Berlin), die für die inhaltliche Konzeption und Gestaltung verantwortlich zeichnen. Wirken und Welten der Grimms wollen sie anhand von fünf Themenschwerpunkten vorstellen:

• Fantasiewelten: alles rund ums populäre Märchen-Repertoire der Grimms;

• Papierberge: die Arbeitsweisen der Brüder beim Märchen- und Wörtersammeln;

• Wohngemeinschaften: Lebkuchenhäuser, verwunschene Schlösser und wie die Grimms selbst wohnten und lebten;

• Wortspiele: die Bedeutung der Brüder als Germanisten;

• Bildungswege: Einflüsse der Grimms auf die Pädagogik und ihr eigener Erziehungsgang.

Weiter gegliedert werden sollen diese Bereiche durch 29 lexikalische Einträge aus dem Deutschen Wörterbuch der Grimms. Unter U wie „Unding“ würde etwa die magische Macht der Dinge im Märchen inszeniert – der vergiftete Apfel oder die mordende Nähnadel.

Anhand beispielhafter Bildimpressionen zeigte Planer Lehnen, wie sich all dies erlebnisreich inszenieren ließe: Rätsel, die man als Zugang für bestimmte Kabinette lösen muss. Räume, in denen man sich däumlingsklein oder riesengroß vorkommt. Mystische Lichtstimmungen und Lexikonwörter, die als Lichtprojektionsregen durch den Raum schneien. Überall Interaktives, nur wenig museal Geschütztes in Ehrfurcht gebietenden Vitrinen.

Die Besucher, so Susanne Völker, sollen das Erlebte stets auch in die eigene Lebenswirklichkeit übersetzten können. Gegenüber den sonst eher sammlungsbezogenen Kasseler Museen werde die Grimm-Welt ein weithin ausstrahlendes Alleinstellungsmerkmal haben.

Hintergrund: Baustart im August hängt von Gericht ab

Für die Grimm-Welt mit1200 Quadratmetern Ausstellungsfläche sollen im August die Bauarbeiten beginnen, für 2015 ist die Eröffnung geplant. Der Zeitplan für das 21-Millionen-Euro-Projekt ist eng, denn eingeplante Fördermillionen von der EU gibt es nur, wenn das Bauvorhaben bis Ende 2014 abgerechnet ist. Eine Hürde steht noch für den 20. Juni bevor: Dann entscheidet das Verwaltungsgericht über die Zulässigkeit eines Bürgerbegehrens, mit dem Gegner des Vorhabens die Bebauung auf dem Weinberg stoppen wollen. Oberbürgermeister Bertram Hilgen äußerte sich im Kulturausschuss überzeugt, dass sich die Stadt dabei mit ihrer Rechtsposition durchsetzen werde und grünes Licht für den Baustart bekomme. (asz)

Von Axel Schwarz

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