Von der Stadt an Uni-Bibliothek übergeben

Grimm-Schätze für alle im Internet sichtbar: Ein Blick in die Bestände

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In Stein gemeißelt: Das Kasseler Denkmal der Brüder Grimm. Ihr Werk ist Gegenstand der Forschung und wird nach und nach im Internet zur Verfügung stehen.

Kassel. Auf der Internetseite der Uni Kassel kann man die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm in der von Ludwig Emil Grimm illustrierten Erstausgabe von 1825 Seite für Seite ansehen.

Tausende weiterer Dokumente, Bücher, Briefe und Zeichnungen sollen in den kommenden zwei Jahren dazukommen. Das wird die für alle sichtbare Folge eines Kooperationsvertrages sein, den die Stadt Kassel und die Kasseler Universität gestern geschlossen haben. Oberbürgermeister Bertram Hilgen und Uni-Präsident Prof. Dr. Reiner Finkeldey unterzeichneten den Vertrag gestern in der Murhardschen Bibliothek.

Damit stellt die Stadt Kassel ihre Grimm-Bestände der Universitätsbibliothek zur Erschließung zur Verfügung. Sie sollen der Forschung dienen – und die wichtigsten Dokumente sollen über das Online-Archiv der Uni-Bibliothek frei zugänglich gemacht werden.

Die Bestände

Bei den Beständen der Stadt, zu denen auch die von der Grimm-Gesellschaft zugekauften Objekte gehören, handelt es sich um rund 7500 Bücher, von denen allerdings der Großteil aus Sekundärliteratur besteht, die nicht digitalisiert werden muss. Etwa 100 sehr wertvolle Bücher, teils mit handschriftlichen Einträgen, mehr als 300 Briefe, 1700 Handzeichnungen (davon 1000 von Ludwig Emil Grimm) und 1000 Druckgrafiken aus den Beständen der Stadt ergänzen nun die vorhandenen Bestände der Uni-Bibliothek.

Die Aufarbeitung

Das Material wird von der Universitätsbibliothek zunächst aufbewahrt und katalogisiert. Für Forschungszwecke werden die Originale zugänglich gemacht. Das wichtigste Projekt ist die Digitalisierung der bedeutenden Original-Dokumente. Sie werden mit Hochleistungs-Scannern eingescannt, mit den nötigen Informationen (Metadaten) versehen und über ein eigenes Portal in das Online-Archiv ORKA der Uni-Bibliothek integriert. Das soll bis zu zwei Jahre in Anspruch nehmen. Im kommenden Jahr soll mit einem neuen Bibliotheksbau begonnen werden. Darin sollen dann die Grimm-Bestände vereint und präsentiert werden.

Eigentumsfragen

Ausdrücklich ausgeklammert wurden die Fragen der Eigentumsrechte, die bei einigen Objekten nicht geklärt sind. Durch die Übergabe der städtischen Bestände an die Unibibliothek ändert sich an der Eigentumsverhältnissen nichts. Wichtige Grimm-Dokumente wie die Erstausgabe der Kinder- und Hausmärchen, die gestern präsentiert wurden, werden auch weiterhin in der Grimmwelt gezeigt.

Die Bedeutung

Mit der Kooperationsvereinbarung wird nach den Worten von Oberbürgermeister Hilgen die Stellung Kassels als Grimm-Hauptstadt gestärkt. Nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für die Bürger verbessere sich der Zugang zu den Grimmbeständen, betonte Uni-Präsident Finkeldey. Insgesamt gebe es nun eine sinnvolle Arbeitsteilung: Die Stadt sammelt, die Uni bewahrt und forscht, und die Grimmwelt präsentiert die Schätze der Grimms.

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