Jubiläum

150 Jahre Jacob-Grimm Schule Kassel: Höhere Töchter machten den Anfang

Moderne Schule: Ein luftiges, funktionales, architektonisch ansprechendes Schulgebäude entstand in den 1950er-Jahren, nachdem die alte Jacob-Grimm-Schule im Krieg zerstört worden war.

Das Kasseler Oberstufengymnasium Jacob-Grimm-Schule wurde vor 150 Jahren als Höhere Töchterschule gegründet.

Sie gehört zu den ältesten Gymnasien Kassels und kann nach 150 Jahren ihres Bestehens auf eine rasante Geschichte und schulpolitische Entwicklung zurückblicken: von der „Standesschule für Töchter des gehobenen Bürgertums“ über den Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Jacob-Grimm-Schule, einem modernen Oberstufengymnasium, das von Schülerinnen und Schülern aus der gesamten Stadt besucht wird.

Der Eröffnung einer Höheren Töchterschule am 1. Mai 1869 – mit 226 Schülerinnen, 8 Lehrern und 4 Lehrerinnen – waren Jahrzehnte vergeblicher Versuche vorausgegangen, Mädchen eine geregelte Bildung zu ermöglichen. Erst die Frauenvereine, die auch in Kassel aktiv waren, führten in der 1866 preußisch gewordenen Residenzstadt zur Veränderung des Denkens. So wurde Ende der 1860er-Jahre in der Innenstadt, am heutigen Scheidemannplatz (damals Friedrich-Wilhelms-Platz), die Schule gebaut. „Das Erscheinungsbild entsprach dem einer Kaserne“, schreibt Reinhold Lütgemeyer-Davin in der Jubiläumspublikation (Preis 12 Euro). Entsprechend sollten den Schülerinnen neben Rechnen und Lesen vor allem gute Manieren beigebracht werden.

Nach dem Bombardement Kassels im Oktober 1943 war von dem Schulgebäude nicht mehr viel übrig. Intakt geblieben war ein Stein über dem ehemaligen Portal mit der Inschrift „Jacob-Grimm-Schule“ – diesen Namen hatte die Schule erst 1938 erhalten. Der Stein wurde gerettet und später in die Umfassungsmauer der neuen Schule an der Wilhelmshöher Allee 35 - 39 eingebaut.

Juni 1918: Das Foto zeigt Lehrerin Elise Westphal mit Schülerinnen auf der Ruderpritsche an der Jahnstraße am Fuldaufer. Schülerin Hanna Müller (Zweite von links) wurde später selbst Lehrerin an der JGS.

Hier entstand auf den Grundmauern des ebenfalls zerstörten Realgymnasiums I nach Entwürfen von Werner Noell und Wilhelm Greiner die neue architektonisch ansprechende JGS. Ab 1954 war sie nicht mehr städtisch, sondern staatlich. Erst von 1971 an wurde die Koedukation eingeführt; die ehemalige Mädchenschule wird seitdem auch von Jungen besucht.

JGS: Standort war vor der Kriegszerstörung der Ständeplatz (heute Raiffeisenbank).

Schule mit „beeindruckender Vielfalt“

Breit aufgestellt ist das städtische Oberstufengymnasium, das einen Namen trägt, der bereits eine Bildungsverpflichtung in sich trägt: Jacob-Grimm-Schule. Die JGS, die von 640 Schülern besucht wird, kann Spitzenleistungen im musischen Bereich aufweisen (etwa mit den ehemaligen Schülern der Band Milky Chance, des Jentzen-Groh-Sommerfeld-Trios oder mit der bekannten Schauspielerin Katharina Wackernagel).

Ebenso spitze ist die JGS aber auch in den Naturwissenschaften: Im vergangenen Jahr sind Annalena Bödiker, Felicia Walter und Jessica Grabowski im Fach Biologie als Bundessiegerinnen beim Wettbewerb Jugend forscht ausgezeichnet und anschließend von Bundeskanzlerin Angela Merkel empfangen worden.

„Die Jacob-Grimm-Schule ist ein Ort, an dem junge Menschen im Sinne ihrer individuellen Begabungen, Neigungen und Fähigkeiten gefördert werden“, schreibt Kultusminister Prof. Dr. Alexander Lorz im Grußwort der Jubiläumsschrift: „Dies wird nicht nur durch qualifizierten Fachunterricht erreicht, sondern auch durch vielfältige schulische Aktivitäten und Einrichtungen, die der Schule ein besonderes Profil geben.“

Hervorzuheben seien „das außergewöhnlich umfangreiche Angebot an Leistungskursen und die beeindruckende Vielfalt an freiwilligem Unterricht“, schreibt der Minister. Besonders sind auch die Schulaustausche der JGS, etwa mit der französischsprachigen Insel im Indischen Ozean, La Réunion. Die Big Band feierte ihr 25-jähriges Jubiläum im Rahmen eines internationalen Festivals mit Besuch aus Finnland und Dänemark.

Was Schulleiter Arnulf Hill vor allem zufrieden macht: das „gute Schulklima, engagierte Kollegen und eine starke Schülervertretung“. Ihn habe gefreut, dass die Schulinspektion eine „positive Atmosphäre und ein gutes Lehrer-Schüler-Verhältnis“ konstatiert habe. „Unsere Schule ist lebendig und vielfältig.“

Chronik: Weg zum Gymnasium

  • 1869 Eröffnung als Höhere Töchterschule, Standesschule für Töchter des gehobenen Bürgertums, am Friedrich-Wilhelms-Platz, heute Ständeplatz, Standort Raiffeisengebäude am Philipp-Scheidemann-Platz;
  • 1885 Umbenennung in Höhere Mädchenschule;
  • 1911 Lyzeum mit Oberlyzeum als Ausdruck der Eingliederung der Schule in das höhere Schulwesen Preußens;
  • 1918 reformpädagogische und demokratische Ansätze in der Schule (z. B. Landschulaufenthalte, Schülermitbestimmung, Elternabende);
  • 1933 reformpädagogische Ansätze werden vollständig zurückgenommen, der Unterricht wird auf nationalsozialistische Doktrinen ausgelegt;
  • 1938 Schule erhält den Namen Jacob-Grimm-Schule;
  • 1943 Zerstörung des Gebäudes beim Bombenangriff;
  • 1945 Wiederaufnahme des Lehrbetriebs ohne eigenes Schulgebäude;
  • 1954 Einzug in das neue Gebäude Wilhelmshöher Allee;
  • 1971 wird die Koedukation für die Klassen 5 und 11 eingeführt;
  • 1975 formelle Umwandlung zur selbstständigen gymnasialen Oberstufenschule.

Service: Die Jacob-Grimm-Schule feiert vom 14. bis 16. Juni ihr 150-jähriges Bestehen. Am Freitag, 14. Juni, gibt es einen Festakt für geladene Gäste, ab 19 Uhr findet ein Open-Air-Konzert mit den Jazz-Ensembles der JGS und dem Jentzen-Groh-Sommerfeld-Trio statt. Das große Jubiläumsfest mit Aktionen, Aufführungen, Präsentationen und Gelegenheit zu Jahrgangstreffen findet am Samstag, 15. Juni, ab 11 Uhr auf dem Schulhof statt. Es spielt die Bigband von HSS/JGS, ab 19 Uhr: Open-Air-Konzert mit „Who killed the Lynx“ und Gästen.

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