Die Grimmwelt ist mit einem 65 Mio. Jahre alten Kalkstein verkleidet worden

Grimmwelt: Fassade mit Geschichten

Eine Fassade, die viele Geschichten erzählt: Axel Jäger, Leiter des städtischen Hochbauamtes (von links), und Stadtbaurat Christof Nolda schauen sich die Ablagerungen in dem Kalkstein der Grimmwelt an. Fotos:  Koch

Kassel. Was haben das Jüdische Museum in München und die Galeria Kaufhof am Berliner Alexanderplatz mit der neuen Grimmwelt auf dem Kasseler Weinberg gemein? Die Fassade aller drei Gebäude ist mit dem Gauinger Travertinstein aus der Nähe von Reutlingen verkleidet worden. Bei Gauinger Travertin handelt es sich um einen Kalkstein, der durch Ablagerungen eines Süßwassersees am Rande der Schwäbischen Alb von rund 65 Millionen Jahren entstanden ist.

„Wir sind froh, dass der Stein aus Deutschland kommt. Auch aus ökologischen Gründen“, sagt Axel Jäger, Leiter des städtischen Hochbauamtes. 890 Tonnen des im Gauinger Steinbruch abgebauten Materials sind per Lkw auf die Baustelle nach Kassel transportiert worden. Das komplette Museum samt Dach ist mit den unterschiedlich großen Natursteinquadern umhüllt worden. Die gesamte Technik des Museums sei hinter der Fassade versteckt worden, sagt Jäger. „Wir haben nicht mal Klimageräte auf dem Dach. Das ist bei einem Gebäude dieser Größenordnung schon ungewöhnlich.“ Nach seiner Einschätzung seien das etwa 370 Kubikmeter Stein, 2100 Fassaden- und 1700 Dachquadratmeter, sagt Jäger. Die Gesamtkosten für den Stein betragen 1,7 Mio. Euro, insgesamt werden 20 Mio. Euro in die Grimmwelt investiert.

Ein Museum, das durch seine Fassade nicht nur für die Besucher von innen interessant ist. „In dem Muschelkalk gibt es überall etwas zu entdecken“, sagt Stadtbaurat Christof Nolda. Zig Ablagerungen zieren die hellen Flächen. Ein Umstand, der sicher auch den Märchensammlern Wilhelm und Jacob Grimm gefallen hätte.

Über die Treppen, auf denen ebenfalls der Kalkstein verlegt worden ist, können die Besucher auf das Dach des Museums gelangen und eine wunderbare Aussicht genießen. Laut Nolda ist das Dach für alle Menschen rund um die Uhr zugänglich. Schließlich habe man mit dem Bau des Museums den Bürgern keine Fläche vom Weinberg wegnehmen wollen.

Das Gebäude entwickele sich aus der Topografie des Weinberges als Fortführung der terrassierten Hänge und Treppenanlagen, sagt Architekt Oliver Venghaus von dem Architekturbüro kadawittfeldarchitektur. Gleichermaßen füge sich das Haus durch die Materialwahl gut in die vorhandene Struktur ein. Der Gauinger Travertin habe eine vergleichbare Anmutung wie die auf dem Grundstück vorgefundenen historischen Mauerreste und -fragmente.

Bis zur Eröffnung der Grimmwelt am 4. September veröffentlichen wir regelmäßig Beiträge zum Leben und Werk der Brüder Grimm.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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