Jährliche Verlustübernahme

Grimmwelt: Stadt rechnet mit Zuschussbedarf von bis zu einer Million Euro

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Sie wird – wie jedes andere Museum – der Stadt Kassel Verluste bescheren: die neue Grimmwelt auf dem Weinberg. Das Ausstellungshaus soll am 4. September feierlich eröffnet werden.

Kassel. Selbst Märchen kosten die Stadt Kassel Geld. So wird auch die neue Grimmwelt am Weinberg einen Zuschuss aus dem Stadtsäckel benötigen.

Für 2015 und 2016 sind Beträge in Höhe von 928.000 Euro beziehungsweise eine Million Euro zur Verlustübernahme in den Etat eingestellt, sagte der künftige Kämmerer Christian Geselle (SPD).

Diese im Etat eingestellten Beträge sind nach seinen Angaben gegenzurechnen mit Pachterträgen, Personalkosten-Erstattungen und sonstigen Dienstleistungen, wodurch sich das Ergebnis verbessere. Beziffern lasse sich diese Ergebnisverbesserung aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Geselle: „Der laufende Betrieb ist hierfür abzuwarten.“

Der rund 20 Millionen Euro teure Neubau wird am 4. September feierlich eröffnet (siehe Hintergrund) Was der Betrieb des dem Leben und Wirken der Brüder Grimm gewidmeten Ausstellungshauses tatsächlich kosten wird, ist offen. Dafür spielten die Besucherzahlen (erwartet werden 80.000 bis 100.000 pro Jahr), das Personal, mögliche Sponsoren und andere Faktoren eine Rolle. Die Stadt strebe einen möglichst geringen jährlichen Zuschussbedarf an, auch im Vergleich zum bisherigen Brüder-Grimm-Museum.

Laut Geselle lag der Zuschuss fürs Grimm-Museum in den beiden vergangenen Jahren mit eingeschränkter Nutzung und verringertem Personal bei jeweils etwa 800.000 Euro. Zuvor habe er etwa in der jetzt für die Grimmwelt kalkulierten Höhe gelegen.

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Die Grimmwelt in Kassel

Die Kosten für die Grimmwelt sollen sich an denen für das deutlich kleinere Grimm-Museum orientieren. Geselle: „Wünschenswert wäre natürlich, dass der Zuschussbedarf geringer ausfällt. Aus diesem Grund hat für die Stadt das Marketing einen hohen Stellenwert bei der Grimmwelt.“

Alle Museen kosten Geld 

Auch alle anderen Museen kosten der Stadt Kassel Geld. Für das Naturkundemuseum wird pro Jahr ein Zuschuss von etwa 950 000 Euro fällig. Nach Ausstellungsfläche, prognostizierter Besucherzahl und Umfang des eingesetzten Personals könne die Grimmwelt mit dem Naturkundemuseum zum Teil verglichen werden, meinte der künftige Kämmerer. Der Aufwand pro Besucher sei beim Naturkundemuseum geringer als beim Stadtmuseum (jährliche Kosten: 550 000 Euro). Dies erwarte er auch bei der Grimmwelt.

Allerdings wäre es verkürzt, bei den Museen im Allgemeinen und bei der neuen Grimmwelt im Besonderen nur auf den Zuschuss zu schauen, stellte Christian Geselle klar. Kassel profitiere von seinem Image als Kulturstadt im Wettbewerb um Touristen, Tagungsgäste und letztendlich auch um qualifizierte Arbeitskräfte. Geselle: „Von Jahr zu Jahr steigen die Besucher- und Übernachtungszahlen, damit einhergehen Zuwächse an Arbeitsplätzen im Gastronomie-, Hotelgewerbe und im Einzelhandel.“

Neubau soll rund 20 Millionen Euro kosten

Insgesamt sind für die Grimmwelt in Kassel Kosten von 20 Millionen Euro veranschlagt, davon werden zwölf Millionen von der Stadt getragen. Das Projekt wird mit europäischen Zuschüssen (EFRE) in Höhe von sechs Millionen Euro gefördert. Das Land Hessen schießt dem neuen Ausstellungshaus auf dem Weinberg zwei weitere Millionen Euro hinzu.

Nach dem symbolischen Spatenstich am 21. August und dem Baubeginn am 3. September 2013 ist die feierliche Eröffnung der Grimmwelt für Freitag, 4. September, terminiert. (aha)

Von Andreas Hermann

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