Grimm-Wohnung: Wilhelm lieferte die Skizze

Die Torwache. Hier lebten die Brüder Grimm.

Kassel. Vor 200 Jahren erschienen die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zum ersten Mal. Anlässlich dieses Jubiläums wird in der documenta-Halle die Ausstellung "Expedition Grimm" gezeigt. Wir stellen in einer kleinen Serie einige Exponate vor.

Im vierten Teil geht es um die Torwache, in der die Grimms lebten.

In diesen Räumen arbeiteten Jacob und Wilhelm Grimm an der zweiten Auflage der Kinder- und Hausmärchen, an den Deutschen Sagen und an der Deutschen Grammatik. Rund sieben Jahre, von 1814 bis 1822, lebten die beiden Brüder mit ihrer Schwester Lotte in der nördlichen Torwache.

Wie die Räumlichkeiten, die heute als Sitzungssaal des Hessischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) genutzt werden, damals aussahen, darüber bekommt man einen guten Eindruck in der Landesausstellung „Expedition Grimm“ in der documenta-Halle. Die 1943 vollständig ausgebrannte Wohnung wurde vom Fraunhofer-Institut für Grafische Datenverarbeitung für die Ausstellung in 3D rekonstruiert.

3D-Darstellung der Grimm-Wohnung in der Torwache: Die Besucher der Ausstellung können virtuell von Raum zu Raum gehen.

Die Besucher können die verlorene Wohnung virtuell durchschreiten. Eine Steuerungseinheit reagiert auf ihre Körperbewegungen. So kann individuell nachvollzogen werden, welche Details der Architektur und der Raumausstattung rekonstruierbar sind. Denn nur die tatsächlichen Forschungsergebnisse sind sichtbar: So zeigen sich die biedermeierlichen Tapetenmuster, Profile der Türen und Fenster oder einzelne bekannte Möbel. In die Räume werden an den entsprechenden Stellen die Ansichten Ludwig Emils eingeblendet sowie Vermaßungen sichtbar gemacht. Unbekannte Stellen in den Räumen sind dagegen weiß dargestellt, allenfalls ihre Funktion ist mittels „Schatten-Möblierung“ angedeutet.

Der Kasseler Historiker Christian Presche hat die gesamten Informationen über das Heim der Grimms zusammengetragen. Dafür hat er auf Erläuterungen von Wilhelm Grimm zurückgegriffen, die er an seinen damals noch in Frankreich weilenden Bruder Jacob geschrieben hat. Zudem hat Wilhelm den Grundriss der Torwache skizziert und beschrieben. Der Malerbruder Ludwig Emil Grimm hat zudem einige Raumansichten gezeichnet.

Skizze von Wilhelm Grimm: Der Grundriss der Grimm’schen Wohnung in der Torwache. Die Skizze stammt von der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz.

„Das technisch enorm aufwendige Projekt ist einer der Höhepunkte unserer Landesausstellung“, sagt Eva Kühne-Hörmann, die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst. Durch die Ausstellung sei die Torwache als Zuhause der Grimms jetzt viel stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung gekommen. Aus diesem Grund möchte die Ministerin, dass dieser „authentische Ort“, der etwas ganz Besonderes sei, für die Öffentlichkeit so schnell wie möglich begehbar werde. Dafür müssten allerdings die Juristen des VGH auf ihren großen, repräsentativen Sitzungssaal verzichten und bis zu ihrem Umzug in das ehemalige Finanzamt an der Goethestraße in einen anderen Saal ausweichen. Bislang gibt es dafür aber noch keine Bereitschaft.

Wie die Torwache als musealer Standort eingerichtet wird, darüber gebe es noch keine konkreten Vorstellungen, sagt Kühne-Hörmann. Ein Konzept müsse noch erarbeitet werden.

Wie auch immer: Eine Küche würden die Besucher nicht vorfinden. Die hatten die Grimms in der Torwache nämlich nicht.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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