Bei den Märchensammlern gab es Oliven

Neue Bücher liefern Interessantes über das Privatleben der Grimms

Bekochte ihren Mann Wilhelm und ihren Schwager Jacob: Dorothea Grimm. Repro: nh

Kassel. Was die Lieblingsspeisen von Jacob und Wilhelm Grimm waren, das weiß auch Günther Koseck, Inhaber des Dornröschenschlosses Sababurg, nicht. Er weiß allerdings, dass Dortchen Grimm, die Ehefrau von Wilhelm, ein umfangreiches Repertoire an Rezepten zusammengetragen hat.

Grießklöße mit Hagebuttensauce, Karpfen in Gelee oder Auflauf von Weckenweli standen auf ihrem Speiseplan.

Über 400 Rezepte aus dem Haushalt der Brüder Grimm haben Koseck und Pierre Schlosser (Grimmheimat Nordhessen) im Staatsarchiv in Marburg und bei der Verwaltung Schlösser und Gärten in Bad Homburg aufgestöbert und jetzt neu als „Grimm’sche Kochereien“ herausgegeben.

„Die Rezepte geben uns einen Einblick in die private bürgerliche Küchenkultur Anfang des 19. Jahrhunderts“, sagt Schlosser. Man erfährt auch, dass es bei den Grimms schon so etwas Exotisches wie Zitronen und Oliven gab. Mit Illustrationen des Grimm-Bruders Emil Ludwig ist der Kochband bebildert worden.

Es scheint so, als ob erst Dorothea Grimm nach dem Tod der Mutter dafür gesorgt hat, dass in dem Haushalt der Brüder wieder etwas Schmackhaftes auf den Tisch kommt. Darüber gibt ein anderes neu erschienenes Werk Aufschluss. Das umfangreiche Tagebuch von Wilhelm Grimm von 1820 bis 1822 ist in dem 17. Band der Reihe „Brüder Grimm Gedenken“ gedruckt worden. Der Leser erfährt durch die Tagebuchaufzeichnungen, dass es in der Wohnung in der Torwache nicht immer geschmeckt hat. Anlässlich seines 35. Geburtstages am 24. Februar 1821 hielt Wilhelm fest: (...) „Der Jacob sagte beim Caffe, als der Himmel trüb ward u. der Wind pfiff: ,die Dynastie wird nicht begünstigt.‘ Als wir eben zu Tisch gehen wollten, kam das Dortchen u. brachte einen Kuchen, den es selbst gebacken hatte. Es blieb u. aß unser ziemlich schlechtes Essen mit.“

Prof. Holger Ehrhardt (Grimm-Professur der Universität Kassel) und Dr. Berthold Friemel (Arbeitsstelle Grimm-Briefwechsel der Humboldt-Universität Berlin) lasen bei der überaus kurzweiligen Präsentation des Bands die Einträge vor und lieferten Anmerkungen dazu. Die Wissenschaftler wissen aber nicht, wo das Essen für die Torwachen-Wohnung zubereitet wurde. Dort gab es keine Küche. Wilhelm hat aber nicht nur über schlechte Mahlzeiten geschrieben, sondern auch über den außergewöhnlichen Geschmack seines Bruders. Jacob liebte es, sich farbig zu kleiden und hatte einen Widerwillen gegen unauffällige schwarze Kleidung.

Neben diesen Eintragungen von Wilhelm Grimm kommt in dem 402 Seiten starken Band auch sein Urenkel Marko Plock noch einmal zu Wort. Er schrieb über Grimm-Überlieferungen der Familie. Plock ist im September dieses Jahres im Alter von 96 Jahren gestorben.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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