BSW-Amateurtheater geht seit über 50 Jahren mit Märchenstücken auf Tournee

BSW-Amateurtheater geht seit über 50 Jahren mit Märchenstücken auf Tournee

Märchen-Probe im Kulturbunker: Die Eisverkäuferin (Manuela Haupt, Mitte) überredet Hans (Sven Reichhardt, links) zu Tauschgeschäften. Am Ende erhält er vom Schleifer Wetzewicht (Gerd Seidel) wertlose Steine. Fotos:  Dilling

Kassel. Weihnachten ist noch fern, aber Sven Reichhardt steht schon in diesen Spätsommertagen auf der Bühne im Kulturbunker und probt. Und wenn die Adventszeit beginnt, macht Sven Reichhardt Urlaub von der Bahn. Dann schlüpft er aus seiner Rolle als Arbeiter in der Radsatzwerkstatt im Ausbesserungswerk Rothenditmold in ein Bühnenleben auf Zeit.

Der 33-Jährige besteigt dann mit seinen Kollegen vom Amateur-Theater des Bahn-Sozialwerks (BSW) einen gemieteten Bus mit jeder Menge selbst gemalter Kulissen und selbst geschneiderter Kostüme und einem Märchen der Brüder Grimm im Gepäck. „Abends ist man während der Tournee ziemlich kaputt“, sagt Reichhardt. Spaß hat er trotzdem. „Die leuchtenden Kinderaugen an der Bühne, das ist es, was uns antreibt“, erklärt er.

Reichhardt, der diese Saison als „Hans im Glück“ die Hauptrolle im gleichnamigen Märchenstück nach den Brüdern Grimm spielen wird, steht in einer langen Tradition. Schon seit über 50 Jahren fahren die Mimen des BSW-Amateur-Theaters Kassel in der Vorweihnachtszeit über das Land, um Kindern und Erwachsenen Märchen der Brüder Grimm vorzuspielen.

Das Sozialwerk der früheren Deutschen Bundesbahn ist die Wiege dieser Schauspielertruppe, obwohl heute die wenigsten wie Reichhardt noch ihr Geld bei der Bahn verdienen.

Von den Gründern ist heute nur noch Werner Baumbach übrig, der früher Generalvertreter der Bahn gewesen ist, sich seine ersten Sporen beim Wehlheider Hoftheater verdient hat und viele Jahre Regisseur der BSW-Mimen war. Er tingelte mit der Truppe durch die früher noch zahlreichen Dienststellen und Erholungsheime der Bahn. Die Bahn habe damals noch ein großes Herz für Soziales und Kultur gehabt, sagt Baumbach, dessen Sohn Jochen heute Vorsitzender des Theaters ist und auch selbst spielt.

Interpreten der Grimms

Längst ist das Amateurtheater keine Einrichtung der Bahn mehr. Doch die Auftritte, 18 bis 20 in der Vorweihnachtszeit, sind dennoch ausgebucht. Denn die BSW-Mimen sind Spezialisten in Sachen Grimm’scher Märchen. Mehr als ein Dutzend, so schätzt Werner Baumbach, haben sie schon inszeniert. „Wir verstehen uns als Interpreten der Brüder Grimm“, fügt er hinzu.

Die Mimen betreiben einen hohen Aufwand. Die Räume des Amateurtheaters im Keller des Kulturbunkers an der Friedrich-Engels-Straße, der früheren Eisenbahnfachschule, sind vollgestopft mit Kulissen, Requisiten und Kostümen. Dort wird auch geprobt, jetzt schon.

Das Theater, das 35 Mitglieder, aber nur gut ein Dutzend Aktive zählt, sucht noch Nachwuchs für die Bühne, die Kulissenwerkstatt, die Maske und die Technik.

Info: Werner Baumbach, Tel. 05 61/3 69 79 (vormittags). Proben im Kulturbunker, Friedrich-Engels-Straße 27, dienstags ab 18 Uhr. Aufführungen des BSW-Amateur-Theaters am 17. und 18. Dezember, jeweils 13 und 16.30 Uhr, Anthroposophisches Zentrum an der Wilhelmshöher Allee 261.

Von Peter Dilling

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